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Martin Buber-Plakette: Iris Berben ruft zu mehr Mut und Mitmenschlichkeit auf

Martin Buber-Plakette : Iris Berben ruft zu mehr Mut und Mitmenschlichkeit auf

Die Schauspielerin Iris Berben hat in Kerkrade die Martin Buber-Plakette für ihr Engagement für Menschenrechte erhalten. Michel Friedmann würdigte sie in seiner Laudatio als Menschen, der immer „offensiv Gesicht zeigt“.

Es war ein Tag, der ausdrückliche Zeichen setzte – für Mut und Mitmenschlichkeit. Im Zentrum: die Schauspielerin und Menschenrechtsaktivistin Iris Berben, die in Kerkrade mit der Martin Buber-Plakette 2021 der Stiftung Euriade ausgezeichnet wurde. Geehrt wurde die 72-Jährige für ihr jahrzehntelanges Engagement für Freiheit, Respekt, Demokratie und Dialog. Die Verleihung am Freitagabend vor rund 500 Gästen, die vom Euriade-Vorsitzenden Werner Janssen moderiert wurde, geriet zu einem ebenso politischen wie emotionalen Abend.

Über allem stand eine Frau, die „davon getrieben ist, zu widersprechen“, wie Laudator Michel Friedman in einer leidenschaftlichen Rede feststellte. Nicht die Schauspielerin Iris Berben werde an diesem Abend geehrt, so der Publizist und Jurist, sondern ein Mensch, der bereits in jungen Jahren offensiv Gesicht gezeigt habe – gegen Ausgrenzung, Antisemitismus und Doppelmoral.

Aufgewachsen in einem Deutschland, in dem in Bezug auf die Nazi-Vergangenheit großes Schweigen herrschte, habe Iris Berben immer wieder unbequeme Fragen gestellt. „Nicht das Ausrufezeichen, das Fragezeichen ist die Kultur“, sagte Friedman und geißelte das Schweigen als „größte Vergiftung der Seele“.

Doch nicht nur Berbens politisches Engagement stellte Friedman heraus, sondern auch ihre Fähigkeiten als Brückenbauerin und Vermittlerin. Zwei ihrer hervorragendsten Eigenschaften seien dafür vorbildhaft: „Sie liebt den Menschen – trotz allem!“ „Und sie stört – wie wunderbar – die Selbstgefälligkeit.“

Friedman, dessen Eltern und Großmutter den Holocaust dank Schindlers Liste überlebten, ist selbst ein unermüdlicher Kämpfer gegen Rassismus und Antisemitismus und scheut weder Konfrontation noch unbequeme Wahrheiten. So auch an diesem Abend: Seine Laudatio geriet zu einem dringlichen Appell an alle Anwesenden, nicht wegzuschauen und gegen Ungerechtigkeiten jeglicher Art ebenso zu kämpfen wie Iris Berben.

Laudator Michel Friedman bei der Verleihung der Martin Buber-Plakette an Iris Berben.
Laudator Michel Friedman bei der Verleihung der Martin Buber-Plakette an Iris Berben. Foto: dag/Dagmar Meyer-Roeger

Die Geehrte selbst sah sich, nachdem sie Plakette, Urkunde und jede Menge sehr persönlicher Geschenke in Empfang genommen hatte, vor allem als Überbringerin einer Nachricht: „Bringt euch ein, wenn die Würde eines Menschen verletzt wird. Überlasst unsere Welt nicht den Homophoben, Frauenhassern, Wortverdrehern, den Rückwärtsgewandten und Rechtsradikalen!“

Und nach dem Ausrufezeichen die Frage: „Was könnte der Weg sein?“ Reden sei ein guter Anfang, findet Iris Berben. Aber auch widersprechen, anklagen, sich empören. Auf keinen Fall hinter Sprachlosigkeit verstecken, die „uns zu Hilf- und Tatenlosigkeit verdammt“. Im Sinne Martin Bubers hoffe sie, möglichst viele Menschen auf diese „Sprech-Zuhör-Dialog-Reise“ mitnehmen zu können.

Den Auftakt zu dieser Reise hatte es am Nachmittag auf Burg Rode in Herzogenrath gegeben – beim traditionellen Gespräch der Euriade-Jugendlichen mit der Preisträgerin und ihrem Laudator. 14- bis 16-Jährige aus Deutschland, den Niederlanden, Polen, Rumänien, Serbien, Russland und der Ukraine hatten sich in der Woche vor der Preisverleihung beim Euriade-Projekt „Jugend im Dialog“ getroffen und unter dem Motto „Speaking = Listening“ (Sprechen ist Hören) über den Zustand von Welt und Gesellschaft debattiert.

Nun wollten sie „Berühmtheiten“ wie Berben und Friedmann auf den Zahn fühlen. Unverkrampft, mutig und in perfektem Englisch ging das munter los: Wann wussten Sie, dass Sie Schauspielerin werden wollten? Was war Ihre emotionellste Erfahrung mit Diskriminierung? Wie kann weiterhin an den Holocaust erinnert werden? Wie kann man Kinder zu offenen, vorurteilsfreien Menschen erziehen?

Viele Fragen, wenig Antworten. Die Diskussion, die als Adler gestartet war, landete nach mehr als zwei Stunden als müde Ente. Michel Friedman verlor sich mitunter in langen Monologen, in denen er seine gleichwohl richtigen wie wichtigen Botschaften verbreitete. Bedauerlich, denn so kam weder die Preisträgerin so zum Zuge, wie es ihr gebührt hätte, noch die Jugendlichen mit ihren Fragen.

Iris Berben im Gespräch mit jungen Teilnehmern von „Jugend im Dialog“ auf Burg Rode in Herzogenrath.
Iris Berben im Gespräch mit jungen Teilnehmern von „Jugend im Dialog“ auf Burg Rode in Herzogenrath. Foto: dag/Dagmar Meyer-Roeger

Mitnehmen konnten die jungen Leute trotzdem einen tiefen Eindruck und die Botschaften zweier Menschen, die sich in unterschiedlicher Weise für Gleichberechtigung und Mitmenschlichkeit engagieren: Der eine als unbeugsamer Streiter („Das Leben ist hart“), die andere als dialogbereite Kämpferin („Das Leben ist schön“). Beides kann man im Leben gut gebrauchen.