Aachen: „Inside IS“: Sondervorstellung mit Podiumsdiskussion

Aachen : „Inside IS“: Sondervorstellung mit Podiumsdiskussion

Was veranlasst junge Menschen, die hier aufgewachsen sind, unserer liberalen Gesellschaft den Rücken zu kehren, sich zu radikalisieren und im schlimmsten Fall als Kämpfer des sogenannten Islamischen Staates in Syrien oder dem Irak zu sterben? Im Kern geht es beim Theaterstück „Inside IS“ um diese Frage, die viele Menschen in Deutschland ratlos zurücklässt.

Das Stück von Yüksel Yolcu nach dem gleichnamigen Buch des Publizisten Jürgen Todenhöfer wird derzeit vom Das Da Theater aufgeführt und am 14. Februar bei einer Sondervorstellung in Kooperation mit unserer Zeitung um eine Podiumsdiskussion bereichert.

Die Ausgangslage: Salafisten predigen kompromisslos und rigide einen fundamentalistischen Islam. Diese Muslime sind streng religiös, manche gewaltbereit, viele politisch und missionarisch motiviert. Ihre Zahl nimmt hierzulande zu. Die Verfassungsschutzämter sind alarmiert, weil Salafisten versuchen, junge Menschen für ihre Ideologie oder gar den bewaffneten Kampf zu gewinnen. Sie sind auf vielerlei Weise aktiv — auch und vor allem im Internet, dessen Möglichkeiten sie nutzen.

Die Kommunikationswissenschaftlerin Josephine Schmitt von der Universität Köln nennt im Gespräch mit unserer Zeitung die IS-Propaganda-Videos „sehr professionell gemacht“ — mit Rap-Musik, Computerspieloptik oder Spezialeffekten, „die an Hollywood-Blockbuster erinnern“. Um Anhänger zu gewinnen und zu radikalisieren, spielt das digitale Netz eine entscheidende Rolle, was in der Inszenierung von Regisseur Tom Hirtz, Leiter des Das Da Theaters, gut herausgearbeitet wird.

Hirtz, der natürlich an der Podiumsdiskussion teilnehmen wird, geht es neben der Frage, warum es junge Menschen aus Europa in den „Islamischen Staat“ zieht, auch um die Verantwortung unserer Gesellschaft. Versäumen wir es, diesen jungen Menschen ein alternatives Angebot zu machen?

Ein solches Angebot könnte vielleicht die Gruppe „I.slam“ sein, ein Poetryslam-Format, das sich nicht nur, aber vor allem an Muslime richtet. Kurze Gedichte oder Prosa, die sich mit der Situation islamischer Jugendlicher zwischen Elternhaus, Diskriminierung und gesellschaftlicher Erwartungshaltung beschäftigt. Der aus Aachen stammende Lehramtsstudent Ahmad Abouchihab wird auf dem Podium über die Arbeit der Gruppe berichten und die Poetry­slammerin Iman Laghmari einen ihrer Texte vortragen.

Welche Hilfestellungen man Eltern aber auch Betroffenen geben kann, um aus der Radikalisierung herauszukommen, wird Carmelita Lindemann berichten. Sie ist bei der Stadt Aachen für das Programm „Wegweiser“ zuständig, das Wege aus dem gewaltbereiten Salafismus aufzeigt.

Es ist zu vermuten, dass die eingangs gestellte Frage durch die Diskussion nicht letztgültig beantwortet werden kann, aber vielleicht lässt sich die Ratlosigkeit ein wenig verringern. Und das wäre doch schon etwas.

(red)
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