Aachen: Inhaftierte Hambach-Aktivisten: Die schwere Identitäts-Ermittlung

Aachen: Inhaftierte Hambach-Aktivisten: Die schwere Identitäts-Ermittlung

Die Namen der inhaftierten Aktivisten vom Hambacher Forst sind noch nicht bekannt, ihre Aufenthaltsort dagegen ist es. Die fünf Männer und vier Frauen sitzen wegen des Verdachts des Widerstands gegen Polizeibeamte in den Untersuchungsgefängnissen von Aachen und Köln. Gegen sie wurde Haftbefehl wegen Fluchtgefahr erlassen.

Die neun Tatverdächtigen verweigerten laut Polizei Angaben zu ihren Personalien, um sich einen Strafverfahren möglicherweise zu entziehen. Ihre Handflächen und Fingerkuppen waren so mit Sekundenkleber beschmiert, dass auch keine Fingerabdrücke genommen werden konnten.

Der Hambacher Forst vergangene Woche: Die Polizei stellte mit chemischen Substanzen gefüllte Christbaumkugeln (oben l.) und auf Zufahrtstraßen ausgelegte Nagelbretter sicher. Außerdem wurden Einsatzfahrzeuge durch Steinwürfe beschädigt. Foto: Polizei Aachen

Das Verhalten sei nicht unüblich in den letzten Jahren, bestätigt auch Jost Schützeberg, Sprecher der Aachener Staatsanwaltschaft. „Die Identitätsfeststellung wird häufig erschwert.“ Personalausweise werden nicht mitgeführt, auf erkennungsdienstlichen Bildern werden Grimassen geschnitten. In den letzten Monaten hätten sich Verdächtige sogar freiwillig eingekotet, um Polizeibeamte abzuschrecken, erwähnt Schützeberg.

Zeitnah will die Staatsanwaltschaft nun Anklage erheben, kündigt er an. Das ist auch dann möglich, wenn die Identität der Beschuldigten ungeklärt ist. Es hat auch schon Gerichtsverhandlungen gegeben, bei denen der Angeklagte anfangs noch anonym gewesen ist.

Die Polizei fand bei dem Einsatz auf dem Gelände am Wochenanfang unter anderem Depots mit Wurfeisen (so genannte Krähenfüße), mit Flüssigkeit gefüllten Christbaumkugeln, pyrotechnische Gegenstände und eine Flasche, die zu einem Molotowcocktail umfunktioniert war. Außerdem wurde nach Polizeiangaben eine Gewehrgranate sichergestellt.

Drei der beschuldigten Männer sitzen in der JVA Aachen, bestätigt die neue Leiterin Elke Krüger. Sie bevorzugen vegane Speisen. Das sei kein besonderer Essenswunsch, sagt die Juristin. Vegane oder ovolaktovegetarische Ernährung sei problemlos möglich für die Gefangenen.

(pa)
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