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Studie: Immer mehr Psychotherapien bei Kindern und Jugendlichen

Studie : Immer mehr Psychotherapien bei Kindern und Jugendlichen

Immer mehr Kinder und Jugendliche in Nordrhein-Westfalen werden einer Studie zufolge psychotherapeutisch behandelt. Von 2009 bis 2019 hat sich die Zahl der Behandlungen mehr als verdoppelt.

In NRW waren 2019 rund 208.000 Kinder und Jugendliche in psychotherapeutischer Behandlung, das sind den Angaben zufolge 119 Prozent mehr als zehn Jahre zuvor. Das geht aus dem aktuellen Arztreport der Barmer Krankenkasse hervor.

Im Jahr 2019 sind demzufolge 4,7 Prozent aller Kinder und Jugendlichen in NRW psychotherapeutisch behandelt worden. Damit liege das Land im bundesweiten Vergleich auf dem „traurigen zweiten Platz“, hieß es. Nur in Berlin sei der Anteil mit 5,19 Prozent noch höher.

„Diese Zahlen betrachten wir mit großer Sorge. Psychische Probleme können für Kinder und Jugendliche ernste Folgen haben“, sagte Heiner Beckmann, Landesgeschäftsführer der Barmer in NRW. Eltern und weitere Bezugspersonen müssten auf Alarmsignale achten. „Zeitnahe Hilfe und Prävention können viel dazu beitragen, dass psychische Probleme nicht entstehen bzw. sich nicht verstetigen“, sagte Beckmann.

Bundesweit waren 2019 etwa 823.000 Kinder und Jugendliche (4,13 Prozent) in psychotherapeutischer Behandlung. Dies entspreche einem Plus von 104 Prozent im Vergleich zu 2009.

Wegen der Coronavirus-Pandemie erwarten die Experten eine weitere Zunahme psychischer Probleme gerade bei jungen Menschen. Die Zahl der Anträge für psychotherapeutische Akutbehandlungen beziehungsweise erstmalige Therapien im Jahr 2020 deute darauf hin. Laut Barmer wurde im zweiten Halbjahr 2020 rund 44.000 Anträge gestellt und somit 6,3 Prozent mehr als im zweiten Halbjahr 2019. Im vierten Quartal 2020 (Oktober bis Dezember) seien 12,6 Prozent mehr Anträge eingegangen als im Vergleichszeitraum 2019. „Die Corona-Pandemie hinterlässt besonders bei den jungen Menschen Spuren, die ohnehin psychisch angeschlagen sind“, warnte Beckmann.

Mit zunehmendem Alter steigt die Behandlungsbedürftigkeit. Ab einem Alter von acht Jahren liegt die Rate der Studie zufolge geschlechtsübergreifend zwischen fünf und sechs Prozent. Im Alter zwischen acht und zwölf Jahren seien Jungen merklich häufiger betroffen als Mädchen. In der Pubertät steige der Anteil bei den Mädchen dann stark: 8,4 Prozent der 17-jährigen Mädchen waren 2019 in Behandlung, bei den Jungen lag der Wert bei 3,7 Prozent. Dieser Unterschied setzte sich auch bei den jungen Erwachsenen fort. So waren 7,1 Prozent der 24-jährigen Frauen in Behandlung (Männer: 3,6 Prozent).

(dpa)