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Zum Tag der Biene: Immer mehr Menschen entdecken das Honigmachen

Zum Tag der Biene : Immer mehr Menschen entdecken das Honigmachen

40.000 fleißige Bienen im eigenen Garten

Mittwoch, 20. Mai, ist weltweit der Tag der Biene. Für immer mehr Menschen ist Imkern zum Hobby geworden. Das hilft der Umwelt – trotz mancher Auswüchse. Denn Einsteiger können auch viel falsch machen.

Die Biene sei ein „überschaubares kleines Insekt, aber funktioniert fast wie ein komplexes Säugetier, das als Volk überwintert“, sagt Jan Hendrik Eicker, frischgebackener Hobby-Imker aus Aachen. „Das macht sie einzigartig, und dann ist sie auch noch Sympathieträger.“ Als er vor zehn Jahren ins Grüne zog, „kam so langsam der Wunsch: eigentlich hätte ich auch gerne Bienen“. Heute summen 40.000 Bienen in seinem Garten.

Wie der Aachener begeistern sich immer mehr Menschen in ihrer Freizeit für die Imkerei. Peter Maske, der Präsident des Deutschen Imkerbundes (DIB), erzählt, dass vor allem das Bienensterben wegen der Varroamilbe viele Menschen aufgerüttelt habe. Die Folge sind steigende Mitgliederzahlen und vor allem bei jungen Menschen ein großes Interesse an der Bienenhaltung. „Viele möchten Bienen halten, um der Umwelt zu helfen“, so Maske. Seit 35 Jahren ist er Imker aus Leidenschaft.

Bei aller Freude über den Nachwuchs: Das „Urban Beekeeping“, das Bienenhüten in der Stadt, begeistert ihn weniger. Denn neben ambitionierten Nachwuchs-Imkern gibt es eben auch das: Vornehmlich junge Leute halten sich in der Stadt auf dem Balkon oder im Kleingarten ein einzelnes Bienenvolk, ohne Honig zu sammeln und das Volk zu betreuen. „Sie überlassen die Bienen sich selbst“, sagt der DIB-Präsident.

Dabei habe ein Imker die Verpflichtung, seine Bienen zu pflegen. Für die Gesundheit des eigenen Volkes und zum Schutz anderer Völker. „Ein Schwarm braucht einen Imker“, sagt Maske. Denn die Insekten-Völker müssen manchmal regelrecht gehegt und gepflegt werden: etwa durch Füttern bei schlechtem Wetter.

Marika Harz vom Bieneninstitut in Münster sieht das auch so. Auch sie kennt die vielen Angebote im Internet für Bienenhaltung auf kleinem Raum und ohne Aufwand. „Einfach nur Bienen ohne ausreichende Pflege in Bienenboxen zu halten, das ist alternative Bienenhaltung, die nicht zu empfehlen ist“, sagt die Bienenforscherin. Bienenboxen sind Holzboxen, in die kleine Rahmen für Bienenwaben eingelassen sind. Für das Volk würden diese Boxen schnell zu klein, erklärt die Expertin.

Wenn ein Bienenvolk zu groß wird, bildet es einen Schwarm und versucht eine neue, größere Bleibe zu finden. Wenn der Schwarm nicht von Imkern eingefangen wird, habe er kaum eine Überlebenschance, sagt sie.

Wie viele Menschen das „Urban Beekeeping“ betreiben, ist nicht bekannt. Aber die Mitgliederzahlen des Deutschen Imkerbundes steigen deutlich: Im Jahr 2007 waren es noch rund 80.000, zehn Jahre später bereits 110.000 Freizeit-Imker, die in 2800 Vereinen organisiert sind.

Auch in Großstädten finden sich mittlerweile Bienenvölker: Diese hier leben auf dem Dach des Kölner Polizeipräsidiums. Foto: Henning Kaiser/dpa/Henning Kaiser

Dabei spielt sicher auch der allgemeine Trend zur Natur eine Rolle. „Jedes Jahr werden es etwa fünf Prozent mehr Imker“, sagt Peter Maske. Der DIB-Präsident betont, vor allem junge Menschen ziehe es zum Honigmachen. Es gebe einen regelrechten Run auf die Einsteigerseminare der Vereine. 750.000 Bienenvölker halten die Imker in Deutschland nach seinen Angaben. Auch hier gehen die Zahlen nach oben: „Die Faszination ist so groß, dass man mehr Bienen haben möchte“, sagt Maske.

Der Honig mit dem Qualitätssiegel „Echter Deutscher Honig“ findet reißenden Absatz. „Etwa 20 Prozent des Bedarfs der Deutschen können wir durch eigenen Honig decken“, erklärt Peter Maske. Fleißige Bienen kann es also nicht genug geben.

Seinen ersten eigenen Honig erwartet der Aachener Jung-Imker Jan Hendrik Eicker schon Anfang Juli: „Der wird sehr lecker werden, weil wir hier Streuobstwiesen um uns herum haben.“ Zwar steht die „Ernte“ für ihn nicht im Mittelpunkt des Imkerns. „Ich würde mich schon freuen, wenn ich irgendwann Honig hätte.“

Dieses Jahr will er aber höchstens ein oder zwei Gläser für sich abzweigen, der Rest sei für die Bienen. „Nächstes Jahr sollen sie dann loslegen.“