Wenn ein Job nicht reicht: Immer mehr Arbeitnehmer in NRW haben Nebenbeschäftigungen

Wenn ein Job nicht reicht : Immer mehr Arbeitnehmer in NRW haben Nebenbeschäftigungen

Immer mehr Arbeitnehmer in Nordrhein-Westfalen haben neben ihrer Hauptbeschäftigung auch noch einen Nebenjob.

Zwischen Juni 2010 und Juni 2017 stieg die Zahl der sogenannten Mehrfachbeschäftigten um 27 Prozent auf mehr als 700.000, wie aus Zahlen der Bundesagentur für Arbeit hervorgeht, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegen. Die Zahl der Beschäftigten mit Nebenjobs stieg damit deutlich stärker als die Zahl der Arbeitnehmer insgesamt. Sie erhöhte sich im gleichen Zeitraum lediglich um rund 10 Prozent. Zuvor hatte die „WAZ“ (Montag) über den Trend berichtet.

Bundesweit waren nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit Mitte 2017 insgesamt 3,3 Millionen Beschäftigte mit Nebenjobs registriert. Die Zahl der Mehrfachbeschäftigten hat seit 2003 stetig zugenommen. Häufig wird dabei eine sozialversicherungspflichtige Hauptbeschäftigung mit einem geringfügig entlohnten Nebenjob kombiniert. Besonders verbreitet sei dies bei Frauen, Ausländern und jüngeren Arbeitnehmer unter 25 Jahren, berichtete die Agentur. Ganz überwiegend sind nach einer Studie des Instituts für Arbeits- und Berufsforschung finanzielle Gründe dafür ausschlaggebend.

NRW-Arbeitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) sagte der Zeitung, Nebenjobs, die nur wegen des Interesses an der Aufgabe oder wegen des Geldes für besondere Ausgaben ausgeübt würden, seien unproblematisch. Anders sei es, wenn der Vollzeitlohn im Hauptberuf nicht zum Leben ausreiche. „Wenn sich immer mehr Unternehmen aus der Tarifbindung zurückziehen, wird sich das Problem weiter verschärfen“, zitierte ihn das Blatt. Die Tarifbindung müsse wieder deutlich gestärkt werden.

Die Vizechefin des Deutschen Gewerkschaftsbundes in NRW, Sabine Graf, sagte der „WAZ“: „Es ist ungerecht und gefährdet den sozialen Zusammenhalt, wenn Beschäftigte sich mit Nebenjobs über Wasser halten müssen.“

(dpa)