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Herzogenrath: „Idee der Euregiobahn ist im Forum der Arbeit entstanden”

Herzogenrath : „Idee der Euregiobahn ist im Forum der Arbeit entstanden”

Kritischer Begleiter des Strukturwandels in der Region ist seit 1987 das „Forum der Arbeit”.

Gegründet wurde es als Reaktion auf den Niedergang des Steinkohlebergbaus, der erhebliche wirtschaftliche und auch soziale Umbrüche mit sich brachte. „Was passiert mit den Menschen?” fragten katholische und evangelische Kirche, Gewerkschaften und kirchliche Verbände wie die Katholische Arbeitnehmer-Bewegung (KAB), Kolping oder die Christliche Arbeiterjugend (CAJ).

Sie verstanden sich als „Lobby der Verlierer” des Strukturwandels, gaben ihnen mit dem „Forum” eine Stimme und mischten sich in die Diskussionen um die Regionalentwicklung ein. Der „Förderverein Forum der Arbeit in der Wirtschaftsregion Aachen” besteht seit 1989. Über die Erfolge und die Zukunft des Forums sprach unsere Mitarbeiterin Jutta Geese mit der Diplom-Theologin und hauptamtlichen Mitarbeiterin des Forums Jolanda Staman.

Der Steinkohlebergbau ist längst aus der Region verschwunden, der Strukturwandel läuft. Hat sich das Forum damit nicht überholt?

Staman: Keineswegs. Der Strukturwandel ist ja noch lange nicht abgeschlossen, die Arbeitslosigkeit insbesondere von gering Qualifizierten ist hoch und die aktuellen Arbeitsmarkt- und Sozialreformen - Stichwort: Hartz - bieten auch genug Zündstoff.

Was konnte und kann das Forum denn bewirken?

Staman: Eine ganze Menge. Wir verstehen uns als Lobby für die Verlierer der wirtschaftlichen und sozialen Umbrüche. Das zieht sich wie ein roter Faden bis heute durch unsere Arbeit. Von Anfang an haben wir gemeinsam mit den Menschen, die ja nicht nur ihren Arbeitsplatz, sondern häufig auch ihr soziales Umfeld verloren haben, nach Lösungen gesucht.

Beispiele dafür sind der Aufbau von Stadtteilarbeit oder der Versuch, in Stadtteilbetrieben Arbeitsplätze zu schaffen. Letzteres ist in Eschweiler gelungen. Und wir haben in der politischen Auseinandersetzung um die regionale Wirtschafts-, Sozial- und Arbeitsmarktpolitik stets soziale und ökologische Standards eingeklagt. Dabei standen für uns immer die Menschen mit all ihren Bedürfnissen im Mittelpunkt, nicht nur das Thema Arbeitsplätze.

Was heißt das konkret?

Staman: Aus dem Forum heraus sind Arbeitskreise zu unterschiedlichen Themen entstanden. Sie haben sich mit Verkehrspolitik beschäftigt, mit alternativen Energien, Wohnungspolitik oder Förderung von Frauen. Ganz wichtig war den zumeist ehrenamtlich Aktiven auch das Thema Bürgerbeteiligung.

Ist es da bei theoretischen Diskussionen geblieben oder gibt es handfeste Ergebnisse?

Staman: Die Stadtteilprojekte habe ich ja schon genannt. Kaum einer weiß aber, dass beispielsweise die Idee der Euregiobahn im Forum entstanden ist. Da muss man nicht drauf pochen, aber es ist so. Das gilt auch für Projekte wie City-Logist, die den Güterverkehr aus den Städten heraushalten sollen. Das wird inzwischen im Aachener Nordkreis und der Stadt Aachen umgesetzt.

Oder die mobile Beratungsstelle rund um Beruf und Weiterbildung im Kreis Aachen. Nicht zu vergessen die Runden Tische beim Bischof oder die vielen Initiativen für arbeitslose Jugendliche in der Region, die rund um das Forum entstanden oder von ihm entwicklet worden sind. Und ein Erfolg ist sicher auch, dass das Forum Mitglied in der Regionalkonferenz ist und da über die strukturpolitische Entwicklung mitredet.

Das ist ja eher ein Gremium, dass die wirtschaftlichen Interessen der Region im Blick hat. Stoßen Sie da nicht auf Widerstand?

Staman: Wir waren in all den Jahren sicher kein bequemer Partner, haben immer unbequeme Fragen gestellt. Aber das Forum hat sich mit seiner fundierten Projektarbeit, seinen Studien - etwa die Armutsberichte für Stadt und Kreis Aachen - und Fachveranstaltungen zu Themen wie Arbeit im Wandel oder grenzüberschreitender Arbeitsmarkt einen Namen gemacht.

Am Samstag feiert der Förderverein Forum der Arbeit in Herzogenrath sein 15-jähriges Bestehen. Kein klassisches Jubiläum also. Ist danach etwa Schluss?

Staman: Nein. Aber wir stehen vor einem tiefen Einschnitt. Die Finanzkrise des Bistums und der evangelischen Kirche, aber auch der Rückgang bei Fördermitteln für Projekte zwingen das Forum, ab Juli auf hauptamtliche Mitarbeiter zu verzichten und ausschließlich ehrenamtlich zu arbeiten. Der Vorstand hofft aber, dass das nur eine Übergangsphase von ein, zwei Jahren sein wird.