Düsseldorf: Hubschrauber-Abwehr und Hightech: Der neue Groß-Knast bei Düsseldorf

Düsseldorf: Hubschrauber-Abwehr und Hightech: Der neue Groß-Knast bei Düsseldorf

Ein Ausbruchversuch wie vor wenigen Tagen in Bochum kann im neuen Ratinger Gefängnis nicht geschehen, versichern die Verantwortlichen. Dafür sorgen Gitter aus Manganstahl und Detektoren an den Fassaden, die jede Bewegung melden.

NRW-Justizminister Thomas Kutschaty (SPD) hat am Donnerstag das neue Großgefängnis am Stadtrand von Düsseldorf vorgestellt. 190 Millionen Euro hat der Komplex für bis zu 855 Gefangene gekostet. Es ist die größte Investition in den nordrhein-westfälischen Strafvollzug seit mehr als 50 Jahren. Der Vollzug hat aufgerüstet in Sachen Sicherheit - aber auch für eine menschenwürdigere Haft.

Der neue Haft-Komplex auf 17 Fußballfeldern Fläche ersetzt drei Gefängnisse: Die 120 Jahre alte berühmte Ulmer Höh in Düsseldorf, in der schon Serienmörder Peter Kürten schmorte, sowie Gefängnisse in Duisburg und Oberhausen.

Um ungeplanten Kontakt mit Gefangenen zu unterbinden, müssen Besucher zunächst zu Fuß durch einen unterirdischen Tunnel. Dabei schreiten sie durch ein Kunstwerk. Die Röhre ist vom New Yorker Künstler Markus Linnenbrink mit neonbunten Farben in ein schrilles Farbspektakel verwandelt.

Viel Tageslicht, große Fenster, 10,5 Quadratmeter große Einzelzellen und Einzelduschen. Die 60 Gefangenen, die an der Innenausstattung mitgearbeitet haben, freuen sich auf den Umzug, berichten die Mitarbeiter. Auch die Wärter sind angetan: „Ich war 31 Jahre in der Ulmer Höh. Das neue Gefängnis ist super, ein viel besserer Arbeitsplatz. Die Architektur ist gelungen.”

Hinter der 5,5 Meter hohen Außenmauer versteckt sich ein ebenso hoher Drahtzaun mit Stacheldraht. Wer sich ihm auf zwei Meter nähert, löst Alarm aus und wird von Kameras ins Visier genommen. Die Sicherheitszentrale ist außerhalb des Zauns, damit das Gefängnis auch im Fall eines Aufstands unter Kontrolle bleibt. Wird irgendwo im Zellentrakt ein Handy eingeschaltet, löst es Alarm aus und das strikt verbotene Gerät wird per Peilung geortet.

In jede Zelle kann aus den Abteilungszentralen Sprechkontakt mit jedem Gefangenen aufgenommen werden. „Das spart jede Menge Fußwege pro Schicht”, erklärt ein Bediensteter. Einzelduschen auf dem Gang sollen Übergriffe vermeiden. Gemeinschaftsduschen gelten inzwischen als zu gefährlich.

Alarmschalter sorgen für die Sicherheit des Wachpersonals. Ein Gerät an der Brust hat gleich mehrere Varianten, um Alarm auszulösen. Wird ein Wärter ohnmächtig, löst das Gerät von selbst aus. 2000 neue Haftplätze sind in Nordrhein-Westfalen in den vergangenen Jahren entstanden, je die Hälfte als Ersatz und als zusätzliche Kapazität. Dadurch entspanne sich die Belegungssituation auch in anderen Gefängnissen.

Eine neue Sporthalle bietet einen Kardio-Bereich und ein Angebot „Ü 50” für die zunehmend älteren Gefangenen. Ein großer Werkstattbereich bietet auf 5000 Quadratmetern 400 Arbeitsplätze für die Häftlinge. Die Rückfallquote zu senken, sei das oberste Gebot, sagte Minister Kutschaty. Es werde „mehr Programm, mehr Aktivierung der Gefangenen” geben.

Der neue Knast wird deutlich weniger Energie verbrauchen: Wenn der Häftling sein Zellenfenster öffnet, schaltet sich automatisch die Heizung aus. Das Plus an Tageslicht soll nicht nur der Psyche der Gefangenen gut tun, es spart auch Strom.

Anfang Februar beginnt das Unternehmen Umzug: Fünf Gefangenenbusse werden im Pendelverkehr 470 schwere Jungs aus der Ulmer Höh in den sechs Kilometer entfernten Neubau bringen. Der Umzug sei fällig, berichtet Anstaltsleiter Bernhard Lorenz. In sein altes Büro in der Ulmer Höh regne es inzwischen hinein.

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