Aachen/Jülich: Hohe Haftstrafe für Missbrauch des Adoptivsohns

Aachen/Jülich: Hohe Haftstrafe für Missbrauch des Adoptivsohns

Achteinhalb Jahre Haft für Kindesmissbrauch werden in Deutschland selten verhängt. Im Fall des Kinderschänders Peter D. (56) aus Jülich-Merzenhausen griff die 5. Große Strafkammer des Aachener Landgerichts zu diesem hohen Strafmaß.

Absolut still war es, als am Donnerstag das mit Spannung erwartete Urteil fiel. Die Urteilsbegründung lautete: schwerer sexueller Missbrauch von Kindern und Schutzbefohlenen, in diesem Fall von dem heute 15-jährigen Adoptivsohn des Angeklagten.

D. sei bisexuell veranlagt, sagte das Gericht und habe einen Hang zu „jungen männlichen Sexualpartnern“ entwickelt. Dabei habe D. ausgenutzt, dass er für den Jungen zunächst Vaterersatz war. Das Gericht sei überzeugt, so der Vorsitzende Richter Roland Klösgen, dass die Einlassungen des Opfers, die es unter Ausschluss der Öffentlichkeit gemacht hatte, im Großen und Ganzen zutreffen.

Danach hatte D., der der damalige Freund und spätere Ehemann der Mutter des Opfers war, bereits 2007 auf seinem Bauernhof in Merzenhausen begonnen, mit dem damals siebenjährigen Jungen sexuelle Kontakte zu knüpfen. Erst später, Mitte 2014, als das Ehepaar sich trennte, befreite sich der Junge, indem er D. anzeigte. Die Staatsanwaltschaft hatte im Plädoyer zehn Jahre Haft gefordert. Dem entsprach die Kammer weitgehend, indem sie nur geringfügig unter dem beantragten Strafmaß blieb.

Es war ein Fall mit ungewöhnlichen Begleitumständen: Am Tag der Urteilsverkündung hatte sich wieder eine stattliche Anzahl von Bikern zur Unterstützung des Missbrauchsopfers und dessen Mutter eingefunden. Ganz brav in weißen Hemden saßen die Rocker dort — ein öffentliches Statement gegen jeglichen Kindesmissbrauch. Ihre sogenannten Kutten — schwarze Westen mit Club-Emblem — hatten sie vor dem Saal abgeben müssen. Der Richter ermahnte sie lediglich, tunlichst nicht die Urteilsverkündung mit Beifallsbekundungen oder sonstigen Äußerungen zu begleiten, ansonsten drohe die sofortige Entfernung aus dem Gerichtssaal.