Polizeieinsatz: Hochzeitskorsos in der Region Aachen sorgen für Ärger

Polizeieinsatz : Hochzeitskorsos in der Region Aachen sorgen für Ärger

Drei Hochzeitkorsos haben am Samstag in Aachen, Stolberg und Würselen für mächtig Ärger bei der Bevölkerung gesorgt, wie die Polizei am Montag mitteilte. „Die Anrufer waren genervt von der Masse der Fahrzeuge, von dem Lärm und den verursachten Verkehrsbehinderungen“, sagte Polizeisprecher Paul Kemen auf Anfrage.

Zu erheblichen Verkehrsbehinderungen war es am Nachmittag in Aachen vor dem Capitol-Kino auf dem Seilgraben gekommen. Hier hatten knapp zwei Dutzend Fahrzeuge Fahrspuren blockiert. Zeugen schilderten auch, dass einige Fahrzeuge bei Rotlicht über Ampeln gefahren seien. Nach Augenzeugenberichten habe die Gesellschaft sich provokant inszeniert, mit quietschenden Autoreifen und Posieren. Das Eintreffen einer Polizeistreife habe lange gedauert, zudem habe die Polizei nicht eingegriffen, so der Eindruck eines Passanten.

Auf dem Hochzeitswagen ist eine libanesische Flagge zu sehen, auch Augenzeugen sprechen gegenüber unserer Zeitung von einer libanesischen Gesellschaft. Polizeisprecher Kemen sprach aber von drei türkischen Hochzeitsgesellschaften. Man habe die Führerscheine aller Betroffenen überprüft; auch in Aachen habe es sich nicht um Libanesen, sondern um Türken gehandelt, versicherte er.

Die Polizei Aachen habe der Gesellschaft nach eigenen Angaben konkrete Ansagen gemacht und damit gedroht, Fahrzeuge sofort abschleppen oder sicherstellen zu lassen. Das zeigte offensichtlich Wirkung. Die Polizei ahndete die Verstöße und hatte den Tross anschließend bis zu einer Lokalität in Würselen im Auge.

Die Anrufer, die sich bei der Polizei beschwerten, schilderten demnach, dass die Korsos mit bis zu 25 Autos für erhebliche Verkehrsbehinderungen sorgten. Wer einfach seine Samstagseinkäufe habe erledigen wollen, sei wegen der Blockaden nicht vorangekommen und habe Behinderungen von bis zu 20 Minuten in Kauf nehmen müssen, erklärte Kemen.

In Alsdorf sorgte ein Autokorso einer türkischen Hochzeitsgesellschaft auf der B57 zwischen Alsdorf-Neuweiler und Baesweiler für einen Rückstau von fast einem Kilometer. Wartende Hochzeitsgäste hatten ihre Wagen einfach angehalten und die Fahrspuren blockiert, um das eine oder andere an den Autos herzurichten. Als die Polizei kam, hatte sich der Tross bereits wieder in Bewegung gesetzt.

Am Abend meinten Anwohner in Stolberg am Jordansplatz schussähnliche Geräusche im Zusammenhang mit einer türkischen Hochzeit gehört zu haben. Das ließ sich bei einer Polizeikontrolle aber nicht bestätigen. In Richtung Würselen sichteten die Beamten aber den Korso, bestehend aus mindestens 25 Limousinen. Auch, dass zwei dazu gehörende Autos einfach bei Rotlicht über die Ampel rauschten, konnten die Polizisten beobachten. Die Autofahrer wurden angehalten und überprüft. Eine Pistole fanden die Beamten bei den Beteiligten nicht. Gegen die Rotlichtfahrer wurden Anzeigen erstattet. Die Fahrt des Autokorsos in Richtung Würselen wurde von der Polizei überwacht.

„Solche Vorfälle gibt es hin und wieder schon mal, aber in dieser Dimension sei Ärger über Autokorsos eher selten“, sagte Kemen. Er warnte: „Die Polizei kann im Extremfall Führerscheine und Fahrzeuge beschlagnahmen.“ Das sei zwar diesmal nicht vorgekommen, aber jederzeit möglich.

Seit einiger Zeit sorgen Polizeieinsätze in Zusammenhang mit Hochzeitskorsos für Aufsehen. In NRW wurden zuletzt vermehrt Gesellschaften angehalten, weil sie unter anderem Autobahnen blockierten, um Fotos zu machen. Vor allem das Ruhrgebiet ist von solchen Aktionen betroffen.

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