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Hochwasser: Tote in NRW, Armin Laschet verspricht Hilfe

Laschet verspricht Hilfe : Mindestens 30 Tote bei Unwetter in NRW

Im Zusammenhang mit dem schweren Unwetter sind in NRW mindestens 30 Menschen ums Leben gekommen. Ministerpräsident Laschet eilte nach Altena und Hagen, der Innenminister brach seinen Urlaub ab.

Autos weggespült wie Spielzeug, Straßen meterhoch voll Schlamm und Geröll, eine Talsperre, die zu bersten droht: Nach starken Regenfällen sind Teile Nordrhein-Westfalens von Hochwasserfluten heimgesucht worden. Mindestens 30 Menschen sind ums Leben gekommen. Das teilte das NRW-Innenministerium am Donnerstagabend mit. 57 Personen seien zudem verletzt. Es handele sich bei den Zahlen um den Stand von 18 Uhr.

Allein im Kreis Euskirchen im Süden des Landes starben nach Polizeiangaben 15 Menschen. An der Steinbachtalsperre werden die Orte Schweinheim, Flamersheim und Palmersheim evakuiert. Die Talsperre sei von einem Sachverständigen als „sehr instabil“ eingestuft worden, sagte der Landrat des Kreises Euskirchen, Markus Ramers (SPD), am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur. Von der Evakuierung seien 4500 Menschen betroffen.

Teilweise sei der Zugang zu Orten im Kreis abgeschnitten und auch die Kommunikation sei im Kreisgebiet weitgehend ausgefallen. Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes waren im Süden von NRW bis zu 180 Liter Regen pro Quadratmeter gefallen.

Viele Flüsse und Bäche in der Eifel, im Bergischen Land, im Rheinland und Sauerland waren am Mittwoch und in der Nacht zu Donnerstag über die Ufer getreten und führten am Donnerstag weiterhin Hochwasser. Straßen wurden überschwemmt, Keller liefen voll. Mehr als 15.000 Feuerwehrleute und Katastrophenhelfer absolvierten landesweit über 22.000 Einsätze.

In Köln wurden zwei Menschen von der Feuerwehr tot in ihren mit Wasser vollgelaufenen Kellern entdeckt – eine 72 Jahre alte Frau und ein 54-jähriger Mann. In Rheinbach bei Bonn wurden am Donnerstag eine Frau leblos auf einer Straße und zwei weitere Tote entdeckt.

Ein 52 Jahre alter Feuerwehrmann kollabierte bei einem Unwettereinsatz im sauerländischen Werdohl und starb trotz Reanimationsversuchen. Die Polizei ging von einem internistischen Notfall aus.

Wenige Stunden zuvor war in Altena im Sauerland ein Feuerwehrmann bei der Rettung eines Mannes ertrunken. Der 46-Jährige war nach Angaben der Polizei im Märkischen Kreis nach der erfolgreichen Bergung beim Einsteigen ins Feuerwehrfahrzeug ins Wasser gefallen und abgetrieben. Er wurde tot geborgen.

In Kamen (Kreis Unna) kam ein 77-Jähriger im unter Wasser stehenden Keller seines Hauses ums Leben. In Solingen starb ein 82 Jahre alter Mann ebenfalls im überfluteten Hauskeller. In Stolberg ertrank ein Mann in seinem Auto. Im überfluteten Keller eines Hauses in Geilenkirchen entdeckten Rettungskräfte zwei Bewohner des Hauses im Alter von 74 und 78 Jahren.

Der Bahnverkehr in Nordrhein-Westfalen war großflächig gestört. NRW-Ministerpräsident und Kanzlerkandidat Armin Laschet (CDU) machte sich in Altena und in Hagen ein Bild von der Lage. Eine Reise durch Süddeutschland hatte Laschet abgebrochen und auch seine Teilnahme an der CSU-Klausur im bayerischen Seeon abgesagt. „Das ist eine zu ernste Lage“, sagte Laschet in Hagen.

Den Opfern der Starkregen-Katastrophe versprach er Hilfe. Die Höhe der notwendigen Hilfen könne er noch nicht beziffern. Für Freitagmorgen habe er eine Sondersitzung des Landeskabinetts einberufen. „Wir werden die Kommunen und Betroffenen nicht allein lassen“, sagte Laschet. Die Hilfen sollten greifen, wenn etwa Brücken und weitere Infrastruktur geschädigt seien. In Gesprächen mit der Deutschen Bahn werde geklärt, wie im Bereich der Schienenwege Schäden schnellstens behoben werden könnten. Bei Privatleuten und Unternehmen sei davon auszugehen, dass ihre Versicherungen für die Schäden einträten – etwa für weggespülte Autos, sagte Laschet. Alle parteipolitischen Fragen müssten in einer solchen Situation in NRW zurückstehen.

Es habe im ganzen Land keine andere Stadt gegeben, wo sich die Hochwasserlage schon am Mittwoch so dramatisch entwickelt habe wie in Hagen, sagte Laschet. Das vorausschauende Handeln der dort Verantwortlichen habe eine noch größere Katastrophe verhindert. Hier seien nach ersten Hinweisen des Deutschen Wetterdienstes schon Vorbereitungen für den Krisenstab getroffen worden, als noch die Sonne geschienen und niemand geahnt habe, was passieren würde, lobte Laschet.

Sehr hilfreich sei dabei auch der schnelle unbürokratische Einsatz der Bundeswehr gewesen, die dafür gesorgt habe, dass kein Ortsteil von Hagen mehr abgeschottet sei. „Die Bundeswehr hat die Wege frei gemacht.“ Laschet dankte auch allen anderen Helfern in der Not.

„Wir haben noch kein genaues Lagebild über die Opfer“, sagte Laschet. Das Land helfe bei der Suche nach Vermissten mit Hubschraubern. „Viele Menschen haben alles, was sie besitzen, verloren, weil die Schlammmassen in einige Häuser eingedrungen sind.“ Auch Unternehmen hätten Totalschäden zu beklagen.

Es sei klar, dass die zunehmenden Starkregen- und Hitzereignisse mit dem Klimawandel verbunden seien, sagte Laschet. „Wir werden immer wieder mit solchen Krisen konfrontiert werden.“ Nun sei weltweit mehr Dynamik beim Klimaschutz und der nötigen Anpassung an den Wandel erforderlich. NRW sei auf dem Weg mit dem kürzlich im Düsseldorfer Landtag verabschiedeten bundesweit ersten Klimaanpassungsgesetz vorangegangen.

NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) brach seinen Urlaub ab und kehrte aus dem Norden nach NRW zurück, um sich in den besonders betroffenen Regionen über die Lage zu informieren. „Viele Menschen werden weiterhin vermisst. Das bestürzt mich zutiefst“, sagte Reul. Alle verfügbaren Kräfte seien im Einsatz, um den Menschen im Land zu helfen. Hilfe komme auch aus anderen Bundesländern, von der Bundeswehr und von der Bundespolizei.

Die Anwohner entlang der Wupper waren in der Nacht durch Sirenen geweckt und aufgefordert worden, umgehend den Gefahrenbereich zu verlassen. Es bestehe akute Lebensgefahr. In Wuppertal stellte die Justiz die Rechtsprechung ein. Das Justizzentrum liegt auf einer Insel inmitten der Hochwasser führenden Wupper.

Ein unkontrollierter Überlauf der Wupper-Talsperre bei Radevormwald konnte im letzten Moment verhindert werden. In Hückeswagen lief die Bevertalsperre über. Mehr als 1000 Menschen mussten ihre Wohnungen verlassen. Zudem wurden angrenzende Ortschaften und Häuser evakuiert.

In Düsseldorf wurde die Ostpark-Siedlung mit 350 Gebäuden trotz eines Walls aus 25.000 Sandsäcken überflutet. Die kleine Düssel war um drei Meter angestiegen. Oberbürgermeister Stephan Keller (CDU) sprach von einem Jahrtausendhochwasser.

Etwa 600 Menschen aus dem Solinger Stadtteil Unterburg mussten wegen des Hochwassers der Wupper ihre Wohnungen verlassen. Die Einsatzkräfte retteten in Solingen etwa 130 Menschen im Stadtgebiet aus akuter Not vor dem Hochwasser. „Wir haben die Menschen über Drehleitern, Boote, Bojen herausgeholt“, sagte ein Feuerwehrsprecher. „Unsere Heimatstadt ist von einer großen Katastrophe heimgesucht worden“, sagte Solingens Oberbürgermeister Tim Kurzbach (SPD).

Der Rhein-Erft-Kreis und die Städteregion Aachen riefen den Katastrophenfall aus. Wegen der Hochwasserlage entlang der Erft bestehe die Gefahr, dass sich die Lage neben Erftstadt auch auf Kerpen, Bergheim und Bedburg ausweiten könnte.

(dpa)