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75 Jahre Landeskriminalamt NRW: Hightech-Schmiede im Kampf gegen das Verbrechen

75 Jahre Landeskriminalamt NRW : Hightech-Schmiede im Kampf gegen das Verbrechen

Mit einem Festakt ist das 75-jährige Bestehen des Landeskriminalamts in Düsseldorf gefeiert worden. Es habe sich zur Hightech-Schmiede im Kampf gegen das Verbrechen entwickelt, heißt es. Es wird aber auch an die dunkle Vergangenheit früherer LKA-Chefs erinnert.

Das nordrhein-westfälische Landeskriminalamt (LKA) ist am Freitag 75 Jahre alt geworden. Es war am 1. Oktober 1946 per Verordnung der britischen Militärbehörden mit Dienstsitz in Düsseldorf gegründet worden. Die Behörde sei von damals rund 35 auf inzwischen 1700 Mitarbeiter angewachsen, berichtete LKA-Direktor Ingo Wünsch.

Das LKA NRW habe sich zum kriminalistischen Kompetenzzentrum gemausert, lobte NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU). Es sei „das schlagende Herz und das Hirn in unserem Kampf gegen die Kriminalität. Eine Behörde mit dem Besten aus Ideenschmiede, Start Up-Unternehmen und Hochtechnologie-Zentrum.“

Das vor zehn Jahren eingerichtete Cybercrime-Kompetenzzentrum gelte als bundesweit führend. Das jüngst in Betrieb genommene „mobile Datenerfassungs- und Analyselabor“ sei eine Eigenentwicklung des LKA. Die Behörde habe auch die Infrarotbrille mitentwickelt, die Blutspuren an Tatorten schneller und deutlicher zu erkennen hilft.

Vor zwei Jahren hatte das LKA Forschungsergebnisse von Historikern bekannt gemacht, wonach vier der ersten sechs Behördenleiter in Unrecht und Verbrechen der NS-Diktatur verstrickt waren. Die historische Belastung sei Auftrag, so LKA-Chef Wünsch am Freitag, „damit rechte Strömungen und rechtes Gedankengut keinen Platz in unseren Reihen haben“.

Friedrich Karst, erster Behördenchef von 1946 bis 1948, nahm wenige Tage vor Kriegsende, am 13. April 1945, an einer Massenerschießung von Gefangenen in Langenfeld teil.

Nachfolger Friederich d'Heil zeichnete die „Sonderanweisung“ ab, Juden, die aus dem Ghetto von Litzmannstadt (Lódz) fliehen wollten, zu erschießen. Als LKA-Chef verhalf er mindestens drei NS-Tätern zurück in den Polizeidienst.

Behördenleiter Oskar Wensky wurde in internationalen Fahndungslisten zeitweise als Kriegsverbrecher gesucht. Das NSDAP- und SS-Mitglied hatte die Verlegung von Sinti und Roma in den Niederlanden an Sammelplätze angeordnet, von denen sie später in das KZ Auschwitz deportiert wurden. Unter seiner Verantwortung fanden in den Niederlanden Razzien gegen Homosexuelle statt.

Günter Grasner war 1942 in der Sowjetunion bei der Geheimen Feldpolizei mit seiner Einheit an der Erschießung von Menschen als „Partisanen“ beteiligt. Der belgische Staat hatte ihn zeitweise wegen Mordes als Kriegsverbrecher gesucht, den Fall aber eingestellt. Grasner gehörte auch in Belgien einer berüchtigten Einheit an.

Im LKA ist deswegen seit Freitag die Ausstellung der Düsseldorfer Mahn- und Gedenkstätte „Die Kommissare, Kriminalpolizei an Rhein und Ruhr 1920-1950“ zu sehen, die an die Verstrickung der Kriminalpolizei während der NS-Diktatur erinnert.

(dpa)