Alsdorf: Hier werden die Models in Szene gesetzt

Alsdorf: Hier werden die Models in Szene gesetzt

Vor den hohen Fenstern lässt sich was machen. „Hier fällt richtig schönes Kopflicht rein.” Wilhelm Leisten-Lorent drückt auf den Auslöser seiner Kamera, blickt auf die Probeaufnahme und nickt. „Noch ein paar zusätzliche Lampen und das passt super!” An dieser Stelle in der Kraftzentrale auf dem Alsdorfer Energeticon-Gelände will der Fotograf das ein oder andere Model in Szene setzen.

Noch viele weitere schöne Ecken findet der Aachener auf dem ehemaligen Zechengelände. Genug für ein spannendes dreitägiges Shooting bei der Aktion „Modewelten 2011” des Zeitungsverlags Aachen.

Dabei ist der Fotograf durchaus wählerisch. Beim Rundgang durch die alten Bergmannsgebäude zählt stets der erste Eindruck. „Den hier sehe ich nicht”, sagt er gleich, wenn ihm ein Raum nicht passt. Wenn er etwa schlechtes Licht hat oder eine ausdruckslose Architektur. Oder wenn der Ort womöglich das Modell „erschlagen” könnte. „Hier passt höchstens ganz harte Lederkleidung zu”, sagt Leisten-Lorent, als er an einer großen Turbine vorbeikommt, „das ist eine ganz schwierige Stelle für Modeaufnahmen”. Also eine eher ungeeignete.

Die richtig guten Fleckchen findet der Fotograf ohnehin erst nach einer Weile. Zunächst blickt er nämlich in die lange, leere Halle der Kraftzentrale, die zwar schier endlos viel Platz, dafür kaum Abwechslung bietet. Die Mauern und Fenster gefallen ihm jedoch ganz gut, da könne er sich schon das ein oder andere Foto vorstellen. Begeistert ist er aber noch nicht.

Für lange, wehende Kleider

Das ändert sich rasch, als er eine unscheinbare Tür ganz am Ende der Halle öffnet. Dahinter ein paar Haufen alter Dachziegel, schummriges Licht und der Fuß einer metallenen Wendeltreppe. „Da muss ich rauf”, meint er und ist ganz fix oben. „Das ist ja ein Geschenk des Himmels”, sagt er eine Etage höher. Vor ihm ein kleiner Gang, hinter ihm ein gewaltiges kreisförmiges Fenster, daneben die Treppe.

Eine „Location”, die ihm richtig gut gefällt. Für lange, wehende Kleider etwa. „Hier ist ganz viel möglich, eine ideale Stelle.”

Blickt er in einen neuen Raum, rattert gleich der Film im Kopf los. Wer passt hier hinein? Ein Kind, ein Teenager, ein älteres Modell? Oder gar niemand?

Gedanklich hakt er alle guten Stellen ab, verbindet sie mit Farben und Formen von Kleidung. Gelernt ist gelernt. Wilhelm Leisten-Lorent war schließlich schon als Fotograf in der analogen Zeit erfolgreich, lange vor den Möglichkeiten digitaler Bildbearbeitung. Er legt daher großen Wert darauf, dass schon bei der Aufnahme alles stimmt. „Heute ist vieles anders”, sagt er und das klingt durchaus bedauernd. Fernsehshows wie „Germanys Next Topmodel” hätten manches kaputt gemacht. „Der Markt ist mehr denn je überlaufen und unpersönlich. Die Agenturen kennen ihre Models kaum noch richtig, da landen ganz viele künftige Karteileichen an.”

Nach zwei Stunden weiß er, wo er überall seine Blitzanlagen aufbauen wird. Im weitläufigen Annapark etwa, im jüngst umgebauten Fördermaschinenhaus und an vielen Orten dazwischen. „Da sind viele spannende Plätze dabei”, sagt er. „Ich freue mich schon richtig auf die Arbeit hier.”

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