LVR-Klinik Düren: Hier Hilfe zu suchen, soll niemandem peinlich sein

LVR-Klinik Düren : Hier Hilfe zu suchen, soll niemandem peinlich sein

Martine Grümmer kann sich gut daran erinnern, wie es war, als sie als Oberärztin an den Rheinischen Landeskliniken Düren Mutter wurde – und nach ihrem Erziehungsurlaub Oberärztin in Teilzeit! Das Ausrufezeichen ist hier angebracht, denn sie wurde damals tatsächlich gefragt, wie sie das unter einen Hut bringen wolle.

Die Antwort muss überzeugend gewesen sein, denn Martine Grümmer wurde zwei Jahre später leitende Oberärztin. Teilzeitarbeitende Mutter in der Funktion, das galt bis dahin als undenkbar. „Ich habe mir diesen Weg erkämpft“, sagt sie heute.

Die Zeiten haben sich geändert. Aus den Rheinischen Kliniken wurde die LVR-Klinik. Martine Grümmer leitet das Haus, die zweitgrößte Fachklinik für Psychiatrie, Psychotherapie, psychosomatische Medizin und forensische Psychiatrie in NRW, seit Anfang des Jahres als Ärztliche Direktorin und Nachfolgerin von Ulrike Beginn-Göbel. Und Mütter in verantwortlicher Position müssen sich hier längst nicht mehr fragen lassen, wie sie Beruf und Familie vereinbaren wollen.

Es ist allerdings kein Zufall, dass Martine Grümmer diese Geschichte erzählt, denn die Ärztliche Direktorin legt großen Wert auf gute Arbeitsbedingungen, ein gutes Betriebsklima und flache Hierarchien in ihrem Haus. „Ich will nicht, dass hier jemand verheizt wird“, sagt sie, wohlwissend um die hohen Belastungen, mit denen Ärzte und Pfleger gerade auch in psychiatrischen Kliniken bisweilen konfrontiert sind. Deshalb ist für sie das Thema Weiterbildung, die über die „normale“ Supervision für Therapeuten hinausgeht, von großer Bedeutung.

Vom Stigma des „Jeckes, wo die Verrückten sind“ hat sich die LVR-Klinik auf dem weitläufigen Gelände im Dürener Norden längst befreit. Sie ist ein Zentrum für seelische Gesundheit geworden, mit sieben klinischen Fachabteilungen, ambulanten Behandlungsangeboten vor Ort, aber auch dezentralen Tageskliniken und ambulanten Angeboten in Alsdorf, Bedburg und Stolberg sowie einem Therapiezentrum in Bergheim – und dem Maßregelvollzug. Und doch gibt es immer noch Menschen, denen es peinlich ist, hier Hilfe suchen zu müssen. „Körperliche Erkrankungen sind okay, aber sich einzugestehen, dass man überlastet, vielleicht sogar depressiv ist, das fällt vielen immer noch schwer“, hat Grümmer beobachtet.

Früherkennung und Prävention

Allerdings, schränkt sie diesen Befund ein, sei die Bereitschaft, sich damit auseinanderzusetzen und darüber zu reden, merklich größer geworden. Viele Patienten suchten aber immer noch zu spät Hilfe auf. Deshalb legt man in Düren so viel Wert auf Früherkennung und Prävention – mit Vorträgen oder Diskussionsveranstaltungen, ob extern oder im Haus, mit Seminaren und Workshops. Dass ein Thema wie Burn-out längst auch in der Mitte der Gesellschaft und an der Spitze der Unternehmen angekommen ist, macht Grümmer etwa an der Tatsache fest, dass demnächst eine Gruppe von Vorständen deutscher Sparkassen nach Düren kommt, um sich zu informieren und präventive Maßnahmen kennenzulernen – für sich selbst und für die Beschäftigten.

Die LVR-Klinik hat sich längst geöffnet, und sie soll es nach Martine Grümmers Vorstellungen weiter tun. Dazu gehört das Pflegebildungszentrum, das in Kooperation mit dem Krankenhaus Düren in Haus 8 entsteht. Dazu gehört auch ein neues Therapiezentrum für Menschen im höheren Lebensalter, das in diesem Jahr an der Roonstraße in Düren eröffnet wird – ein Thema, das der neuen Ärztlichen Direktorin, die seit neun Jahren als Chefärztin die Abteilung für Gerontopsychiatrie leitet, besonders am Herzen liegt.

Im Gegensatz zu vielen Krankenhäusern hat die LVR-Klinik übrigens keine großen Probleme, Ärzte zu finden. „Aber wir freuen uns über jede Bewerbung“, ergänzt Grümmer. Vielleicht kommen ja demnächst ein paar dazu, wenn die LVR-Klinik zur Summerschool einlädt, wo Studierende der Medizin Methoden etwa zur Stressbewältigung kennenlernen können – für sich selbst, aber auch zur Weitergabe an zukünftige Patienten.

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