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Aachen: Hemmerle-Preis ehrt Dialog mit Juden

Aachen : Hemmerle-Preis ehrt Dialog mit Juden

Warum schmerzt Juden die Selig- und Heiligsprechung Edith Steins? Wieso wird christliche Annäherung an Juden zuweilen argwöhnisch begleitet? Ernst Ludwig Ehrlich (83) ergründet, erklärt, vermittelt.

Er schlägt seit Jahrzehnten Brücken zwischen Glaubensgemeinschaften. Deswegen ist der emeritierte Professor für Neuere Jüdische Geschichte und Literatur (Universität Bern) der erste Träger des Klaus-Hemmerle-Preises. Nach dem würdevollen Pontifikalamt im voll besetzten Aachener Dom zum zehnten Todestag von Klaus Hemmerle - zelebriert von Bischof Heinrich Mussinghoff und dem Prager Kardinal Miloslav Vlk - nahm Ehrlich am Freitagabend die Auszeichnung der Fokolar-Bewegung im Rahmen eines Festaktes entgegen.

„Wo für andere Brücken endgültig weggebrochen und zerstört waren, gab es für Ernst Ludwig Ehrlich Anknüpfung und Schaffung von Neuem”, sagte Hans Hermann Henrix, Direktor der Bischöflichen Akademie, in seiner Laudatio. „Und dies, damit sich die erlebte grausame Erfahrung von Diffamierung, Entrechtung und Verfolgung nicht wiederhole, damit sich jüdisches Leben in Europa wieder konsolidiere und damit die Christen und ihre Kirchen sich von der judenfeindlichen Last endgültig befreiten.”

Ehrlich steuerte beim Zweiten Vatikanischen Konzil einen wichtigen Beitrag zum Dokument „Nostra Aetate” bei, das erst den Gesprächskreis Juden und Christen im Jahr 1971 auf der Ebene des Zentralkomitees der deutschen Katholiken ermöglichte - unter der Leitung von Ehrlich und Professor Hemmerle. Hier führen die Fäden zusammen. Bischof Hemmerle gehörte der Fokolar-Bewegung an, die sich couragiert für den interreligiösen Dialog engagiert. Nun rief die Gemeinschaft die nach ihm benannte Auszeichnung ins Leben.

Preisträger Ehrlich widmet sich simplen religiösen Mechanismen genauso wie komplexen theologischen Fragen. Bei den Differenzen zwischen Judentum und Christentum betont er Akzeptanz und Verbindungs-Chancen gleichermaßen. „Der gewonnenen Freundschaft über Konfessionsgrenzen hinweg bleibt er eingedenk und verdolmetscht seiner jüdischen Gemeinschaft, was sich in der christlichen Welt tut”, unterstrich Henrix.

In seinem Grußwort erinnerte auch Bischof Mussinghoff an den fruchtbaren theologischen Gesprächskreis zwischen Juden und Christen: „Dieser tastende Versuch hat zu einer festen und tiefen Verbundenheit geführt, zu der Bischof Hemmerle und Professor Ehrlich sich die Hände gereicht hatten”, verdeutlichte er.

Die Fokolar-Bewegung gehört zu den neueren kirchlichen Aufbrüchen, die in den letzten 60 Jahren aus den christlichen Kirchen hervorgegangen sind. Sie ist 1943 in Trient entstanden und mittlerweile mit 140.000 Mitgliedern in mehr als 180 Ländern vertreten.

Ihr Ziel ist, den Geist der Geschwisterlichkeit und der Einheit verstärkt in Kirchen und Gesellschaft zu tragen. Neben dem Engagement in der Ökumene setzt sich die Fokolar-Bewegung besonders für einen Dialog unter den Religionen ein.

Das Wort „focolare” kommt aus dem Italienischen und heißt so viel wie Herdfeuer - es ist Synonym für die Wärme und Geborgenheit einer Familie.

Den Klaus-Hemmerle-Preis will die Fokolar-Bewegung alle zwei Jahre an Persönlichkeiten vergeben, die sich zur Förderung von Einheit und Dialog unter kirchlichen Gemeinschaften engagiert haben.

Schriftliche Vorschläge für den nächsten Preisträger werden bis Juli 2004 angenommen: Fokolar-Bewegung, Zentrum Frieden, Modellsiedlung Klaus Hemmerle, Wupperstraße 120, 42651 Solingen; mailto:mpzfrieden@aol.com