Aachen/Trier: Helmut Dieser ist Rheinländer durch und durch

Aachen/Trier : Helmut Dieser ist Rheinländer durch und durch

Möglich, dass sich Helmut Dieser (54) bei der Vorbereitung auf die Pressekonferenz an seine fünfeinhalb Jahre zurückliegende Premiere erinnerte.

Damals stand er ebenfalls an der Seite des Trierer Bischofs Stephan Ackermanns im sogenannten Bischofshof, war gerade erst vom Papst zum neuen Weihbischof ernannt worden, da sprudelte es auch schon aus Dieser heraus, als gelte es, einen Rhetorikwettbewerb zu gewinnen. Erst nach einer Viertelstunde, Ackermann schaute schon etwas irritiert, stoppte seinerzeit Diesers Redefluss.

Am Freitagmittag bei der Bekanntgabe von Diesers Beförderung zum neuen Bischof von Aachen ist das anders. Der 54-Jährige hat das, was er nach der kurzen Einführung durch den Trierer Bischof sagen will, aufgeschrieben, wohl um nicht abzuschweifen oder sein Statement unnötig in die Länge zu ziehen.

Als Priester an der Basis

Dabei ist Helmut Dieser niemand, der in einem solchen Fall dummes Zeug reden würde. Im Gegenteil. „Er ist ein ausgezeichneter Redner und ein noch besserer Prediger“, sagen Leute, die den promovierten Theologen gut kennen. Wohl mit ein Grund, warum der gebürtige Neuwieder auch lange Zeit als Predigtausbilder in Trier und Lantershofen eingesetzt war. Neben seiner Lehrtätigkeit war Dieser aber auch immer wieder als Priester in den Pfarreien des Bistums eingesetzt, vor seiner Ernennung zum Weihbischof allein sieben Jahre lang in der Pfarreigemeinschaft Adenau. Das dortige Dekanat Ahr-Eifel grenzt ans Bistum Aachen.

Helmut Dieser kommt somit — voraussichtlich Anfang November — in eine Region, die ihm durchaus bekannt und vertraut ist. Ein für den 54-Jährigen nicht ganz unwichtiger Punkt, wie er am Freitag im Gespräch mit unserer Zeitung sagt: „Es ist ja die Lebensart und Mentalität, die schon ein Stück weit prägt. Da habe ich mit Aachen nicht das Gefühl, in die Fremde zu gehen.“ Am nächsten Mittwoch will der 54-Jährige zum ersten Mal nach der Ernennung in seine neue Diözese reisen.

Man mag es Helmut Dieser auf den ersten Blick nicht ansehen. Aber der versierte Theologe ist auch ein begeisterter Karnevalist — und zwar durch und durch. „Der ist uns in meiner Heimat Heimbach-Weis (Stadtteil von Neuwied) in die Gene geschrieben“, sagt er. In Adenau, seiner letzten Stelle als Priester, ging die Liebe zum Karneval sogar so weit, dass das Mitglied der Karnevalsgesellschaft Rot-Weiß Adenau seinen Gottesdienstbesuchern an Fastnacht auch schon mal die Leviten in Reimform las. Womöglich lässt sich die Schelte dann auch besser ertragen.

Und Dieser muss auch nicht lange überlegen, wenn er nach Parallelen zwischen seinem Herkunftsort Heimbach-Weis und seiner neuen Heimat Aachen gefragt wird. „Von dort kommen die ältesten Karnevalsgesellschaften im Rheinland“, sagt er. und hofft, dass es in der närrischen Zeit nicht zu Terminkollisionen kommen möge. Bislang habe er es jedes Jahr am Fastnachtsdienstag nach Hause geschafft, wo der Zug direkt an seinem Elternhaus vorbeiziehe. „Ich hoffe mal, dass mir das auch weiterhin gelingt. Ich habe mir schon sagen lassen, dass es am Dienstag keinen Konkurrenzzug in Aachen gibt.“

Er gilt theologisch als konservativ

Theologisch wird der designierte Aachener Bischof eher den konservativen Klerikern in der katholischen Kirche zugeordnet. Aber er sei auch „kein Rechtsaußen“, heißt es, und darüber hinaus auch in der Lage, seine Meinung zu revidieren. Das erwartet Dieser aber auch von anderen. Gläubige dürften nicht bei dem Standpunkt stehenbleiben, dass kirchliches Leben „in meinem Dorf stattfinden“ müsse, sagt er. Andere, neue Formen der Versammlung und der Vernetzung seien notwendig. Zudem liegen ihm Gläubige in der Altersspanne ab 25 Jahren am Herzen. Für sie gibt es seiner Ansicht nach zu wenige Angebote in der Kirche. „Wir haben entweder Kinder oder Senioren. Dazwischen haben wir kaum was, das ist eine sehr ungesunde Situation.“

Triers Bischof Stephan Ackermann, der seinen Freund und Studienkollegen vor fünf Jahren zum Weihbischof gemacht hat und wohl auch an Diesers neuerlicher Beförderung zum Bischof von Aachen nicht ganz unbeteiligt gewesen sein dürfte, schaut derweil etwas gedankenverloren drein. Damit, dass er innerhalb kurzer Zeit gleich zwei hochrangige Mitarbeiter an Nachbarbistümer verlieren würde, habe er nun wirklich nicht gerechnet, sagt er den anwesenden Journalisten. Und es könnte noch weitergehen, denn es gibt noch ein weiteres Trierer Nachbarbistum, das derzeit einen neuen Oberhirten sucht: Seit der vier Monate zurückliegenden Emeritierung von Kardinal Karl Lehmann ist als letzter deutscher Bischofsstuhl der Mainzer unbesetzt.

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