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Leverkusen: Heiße Kampfansage an Bush und Blair

Leverkusen : Heiße Kampfansage an Bush und Blair

Am Montagabend spielt der Bluesgitarrist Greg Koch in der Kneipe Flynns Irish Pub in Wesel.

Das könnte dem Mann eine kleine feine niederrheinische Fangemeinde bescheren, von dem das Programmheft behauptet, er werde „nach den Jazztagen in Leverkusen auch in Deutschland kein Unbekannter mehr sein”.

Unbedingt nötig scheint das nicht. In Leverkusen bestach er am Samstag vor allem damit, dass er wohl, wie so viele kleine Jungen, einmal Jimi Hendrix Ton für Ton nachgespielt hat - und nie mehr davon los gekommen ist. Technisch makellos, inspiriert wie Lektion zwölf aus dem Gitarrenlehrbuch, das er auch geschrieben hat.

Nun haben es Eisbrecher meistens schwer, und für Greg Koch und seine beiden blassen Takthalter an Bass und Schlagzeug waren die Fans schließlich nicht zur Eröffnung der 25. Leverkusener Jazztage gekommen.

Was man mit der gleichen Mini-Besetzung bei musikalisch gleichberechtigten Mitgliedern über die Rampe bringen kann, knallte den rund 2000 Zuhörern dann T.M. Stevens um die Ohren. Zweifellos ein Funk-Star von enormer Stimme und Ausstrahlung, bedient der Bassist sein Instrument mit der Umlaufgeschwindigkeit eines Küchenmixers.

Für musikalische Feinkost und ein paar leisere Zwischentöne blieb bei dem knappen Zeitrahmen aber leider keine Zeit, die man gerne mit so brillanten Musikern verbringen möchte. Immerhin aber für eine Botschaft, die T.M. in den nicht immer tosenden Applaus rief: „Was immer auch los ist in der Welt, in der Musik geht es um Frieden und Liebe.”

In der Hinsicht wurden Living Colour sehr viel deutlicher. Nachdem man auch bei diesen Funk-Hiphop-Heavy-Alleskönnern der einstigen, nun wiedervereinigten, New Yorker Kultband der 80er Jahre um Vernon Reid zwischendurch ruhig mal ein Bier holen konnte, stellten sich plötzlich die Ohren auf.

„This one is for George W.”, kündigte Bassist Doug Wimbish einen Song an, den er selber, und nicht der in einem Kampfanzug gewandte Sänger skandierte: „CIA, CNN, FBI, George Bush, Tony Blair are terrorists.”

Platter geht es nicht, diesen Text sollte ja auch jeder mitkriegen - doch man musste nicht den Eindruck haben, dass die Mehrheit des Publikums das für ganz falsch hielt.