Aachen: Heinrich Mussinghoff: Ein Bischof ohne Pathos

Aachen : Heinrich Mussinghoff: Ein Bischof ohne Pathos

Heinrich Mussinghoff drängt sich nicht in den Mittelpunkt. Der bisherige Aachener Bischof beeindruckt in persönlichen Begegnungen. Wer mit ihm ins Gespräch kommt, trifft einen Mann des Dialogs, bescheiden, authentisch, glaubwürdig und gewinnend.

Der Sohn eines Schreinermeisters kommt aus der „Bischofsschmiede” Münster und wurde 1995 zum Aachener Bischof geweiht. Anders als sein charismatischer und populärer Vorgänger Klaus Hemmerle erwarb sich Mussinghoff seinen Ruf eher im Hintergrund.

Er ist ein international anerkannter Experte für Staatskirchen- und Hochschulrecht. Bei allen staatskirchenrechtlichen Verhandlungen der 80er und 90er Jahre war er federführend eingebunden. Nach dem Fall der Mauer war er maßgeblich an der Neuordnung der Bistumsgrenzen beteiligt.

Mussinghoff packte aber auch in seinem Bistum an: Er führte einen harten Sparkurs ein und baute die Strukturen im Bistum um, legte Pfarrgemeinden zu Verbünden zusammen, auch gegen deren Willen. Das empörte viele Menschen im Kirchenvolk, die sich nicht mitgenommen fühlten.

Engagiert und gradlinig widmete sich Mussinghoff auch dem Dialog mit anderen Religionen. So kritisierte er das Kölner Urteil zum Verbot von Beschneidungen: Juden und Muslime seien nun besorgt, dass sie ihre Religion hierzulande nicht frei ausleben könnten. Seinen ersten Besuch als Bischof stattete Mussinghoff der Aachener jüdischen Gemeinde ab.

Nach rund 20 Jahren im Amt resümiert er jetzt - wie stets ohne jedes Pathos: „Es waren gute Jahre, aber sie waren nicht ohne große Herausforderungen.”

(dpa)