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Köln/Düsseldorf/Essen: Heime, Hotels, Wohnungen: Hier leben Flüchtlinge in NRW heute

Köln/Düsseldorf/Essen : Heime, Hotels, Wohnungen: Hier leben Flüchtlinge in NRW heute

„Manager on Duty” steht noch an der Rezeption des ehemaligen „Bonotel” in Köln. Ein Wandgemälde zeigt eine Säulenruine aus dem Mittelmeerraum, der Boden ist aus Marmor. Ein altgedienter Kölner Fotograf weiß zu berichten, hier sei früher mal Stephanie von Monaco abgestiegen. Ein längerer Aufenthalt von Fußballtrainer Christoph Daum ist belegt. Irgendwann aber kam der Bau in die Jahre, und das Hotel wurde versteigert. Ab Mittwoch (16. August) ziehen hier nun Flüchtlinge ein.

Da Ankauf und Umbau mehr als neun Millionen Euro gekostet haben, hat die Stadt dafür Kritik einstecken müssen. Immerhin: „Die Turnhallen sind leer”, verkündet Josef Ludwig, Leiter des Kölner Amtes für Wohnungswesen. Im einstigen „Bonotel” können künftig bis zu 150 Flüchtlinge wohnen. Es gibt 85 Einzelzimmer, von denen etwa 40 doppelt belegt werden sollen. Das sei schon etwas anderes als die Massenunterkünfte, in denen man die Menschen in der Anfangszeit habe unterbringen müssen. Allein 2015 kamen 300.000 Flüchtlinge nach NRW. Viele von ihnen haben inzwischen eine Wohnung, wie eine Umfrage unter den größten Städten in Nordrhein-Westfalen zeigt.

Beispiel Dortmund: Dort gab es Anfang August insgesamt 8237 Flüchtlinge. Mehr als 6800 von ihnen lebten in Wohnungen, der Rest in Einrichtungen. „Es war auch immer unsere Strategie, dass Menschen in Wohnungen leben sollen und nicht in Zelten und Einrichtungen”, sagt Stadtsprecherin Anke Widow. Für die Wohnungen hat die Stadt selber Aquise betrieben: „Wir haben mit unseren Wohnungsgesellschaften, mit Privatvermietern, mit Eigentümern gesprochen, haben in unseren Netzwerken nachgefragt: Was ist da möglich?”

In Duisburg leben derzeit 5400 Flüchtlinge. Davon sind 3300 noch im Asylverfahren, 600 werden nach abgeschlossenem Verfahren noch geduldet und 1500 sind anerkannt. Gut die Hälfte dieser Menschen hat mittlerweile eine Wohnung, der Rest lebt in Heimen.

In Essen sind seit Anfang 2016 etwa 5400 Flüchtlinge in Wohnungen gezogen. Zunächst war es meist noch die Stadt, die die Wohnungen anmietete und sie dann Flüchtlingen zuwies. In so gut wie allen Fällen seien die Vermieter so zufrieden gewesen, dass sie die Verlängerung des Mietvertrags dann gleich mit den Flüchtlingen geregelt hätten, erläutert Martin Gärtner, Geschäftsbereichsbeauftragter des Sozialdezernenten. Mittlerweile suchen sich die Flüchtlinge die Wohnungen meist selbst, häufig mit Unterstützung ehrenamtlicher Helfer.

Um für eine eventuelle neue Flüchtlingswelle gewappnet zu sein, hält Essen künftig immer 3000 Plätze in Gemeinschaftseinrichtungen vor. „Wir betrachten es als sinnvoll, dass da ein gewisser Puffer ist”, erläutert Gärtner. Zurzeit sind 1700 Plätze davon belegt.

In Düsseldorf wohnen noch etwa 80 Prozent der Asylbewerber in Gemeinschaftsunterkünften in Wohnmodul-Anlagen, Leichtbauhallen und festen Gebäuden. Die Unterbringung in Wohnungen ist dort schwieriger als im Ruhrgebiet, weil in der boomenden Landeshauptstadt Wohnungsknappheit herrscht: „Das ist wirklich schwierig”, sagt die Flüchtlingsbeauftragte der Stadt, Miriam Koch. „Leerstand haben wir hier nicht. Wir mussten immer neu sehen, wo wir Unterbringungskapazitäten her bekommen.” Es sei in Düsseldorf auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise schon schwer gewesen, überhaupt Flächen für Zeltstädte und andere Provisorien zu finden.

Die Finanzierung ist bei Flüchtlingen, deren Verfahren noch läuft, nach dem Asylbewerberleistungsgesetz geregelt. Anerkannte Flüchtlinge beziehen Hartz IV, die Kosten werden den Kommunen teilweise vom Bund erstattet. Flüchtlinge, die ihre Wohnung selbst finanzieren können, weil sie Arbeit haben, sind noch eine Minderheit. Aber es gibt sie durchaus: Auch in attraktiven Vierteln in Köln kommt es mittlerweile vor, dass sich bei Wohnungsbesichtigungen auch syrische Familien vorstellen.