Hambacher Forst: Waldbesetzer bekennen sich zu Angriffen

Hambacher Forst : Verschwörungstheorien und Bekennerschreiben

Die Besetzer des Hambacher Forsts bekennen sich zu den Angriffen auf RWE-Mitarbeiter und die Werksfeuerwehr. Außerdem wollen sie eine Pumpstation in Brand gesetzt haben.

Es war gegen 22.25 Uhr, als die Polizei erneut verständigt werden musste, etwa 20 vermummte Menschen aus der Waldbesetzerszene kamen aus dem Hambacher Forst und warfen Steine und Molotowcocktails, also Benzinbomben, in Richtung der Container des RWE-Werkschutzes. Zwei Autos fingen Feuer, die Werksfeuerwehr rückte an. Als die Feuerwehrleute auf der alten A4-Trasse waren, wurden auch sie und ihre Fahrzeuge mit Steinen angegriffen. Verletzt wurde an Heiligabend, anders als bei den Angriffen am Freitag und Samstag, niemand, so teilte es die Aachener Polizei mit.

Sympathisanten und Unterstützer der Waldbesetzer beeilten sich, in Sozialen Medien die Meldung der Polizei in Zweifel zu ziehen und Verschwörungstheorien zu streuen. Die Intitiative „Buirer für Buir“ zum Beispiel vermutete, die Täter würden „von außen kommen. Mit welcher Intention, darüber lässt sich nur spekulieren“. Doch nach zwei Bekennerschreiben, veröffentlicht auf der linksradikalen Webseite Indymedia und auf der Homepage der Waldbesetzer selbst, bleiben kaum mehr Zweifel, dass es etwa 20 Menschen aus der Waldbesetzerszene waren, die für die Angriffe verantwortlich sind und die ankündigten: „Es wird keine Nacht geben, an dem wir euch ruhig schlafen lassen! Wir hassen Bullen und Secus (gemeint ist der RWE-Werkschutz, d. Red.) immer noch und wir werden ihnen nie vergeben!”

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) verurteilte die Angriffe. „Gewalt gegen RWE-Mitarbeiter und Polizeibeamte ist inakzeptabel. Nicht nur jetzt vor Weihnachten“, schrieb er im Kurznachrichtendienst Twitter. Zudem versicherte Laschet: „Wir arbeiten an schnellerem, sozialverträglichem Ausstieg aus der Braunkohleverstromung.“ Auch die Vorsitzende der Grünen in NRW, Mona Neubaur, distanzierte sich von den Angriffen.

Der nordrhein-westfälische Innenminister Herbert Reul (CDU) sagte am Mittwoch, es sei „perfide“, dass einige gewaltbereite Täter selbst vor Aktionen an Heiligabend nicht zurückschreckten. Das trage nicht zur Deeskalation bei.

Aachens Polizeipräsident Dirk Weinspach teilte am ersten Weihnachtsfeiertag mit; „Das ist eine perfide Taktik, die Polizei gerade jetzt zur Weihnachtszeit in solche Einsätze zu zwingen. Die Polizei wird darauf angemessen reagieren. Diese Eskalation hilft niemandem und ich bitte alle, ihren Beitrag zu leisten, damit sich die Situation im Wald beruhigt."

Nach Beruhigung klang es allerdings nicht, was auf der Homepage der Waldbesetzer vom Hambacher Forst geschrieben wurde, eher nach Kampfansage. Es seien nicht Zehntausende „friedliche Demonstrant_innen (gewesen), die den Wald bisher verteidigt haben. Es waren viele, viele unabhängige Gruppen die unterschiedliche Wege gewählt haben”, war da zu lesen. „Die Geschichte der Besetzung” sei „gespickt von direkter Konfrontation, sei es mit Polizist_innen oder Securitys. Letztlich muss sich niemand wundern wenn es mal wieder knallt”. Und die Besetzung des Forstes sei „nie ein rein friedliches Projekt” gewesen.

In der Nacht auf Mittwoch blieb es im Hambacher Forst ruhig. Allerdings war, in Erwartung neuer Angriffe, die Polizei vorsichtshalber in der Nähe der Container des RWE-Werkschutzes geblieben.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version hieß es, dass die Initiative „Buir für Buir“ vermutet, dass die Provokateure aus bestimmten Institutionen kommen. Wir haben dies korrigiert.

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