Hambacher Forst: Schwerer Angriff kurz vor Weihnachten

Hambacher Forst : RWE-Mitarbeiter nach schwerem Angriff im Krankenhaus

Wochenlang war es am Tagebau Hambach verhältnismäßig ruhig. Kurz vor Weihnachten jedoch sollen etwa 70 Aktivisten und Waldbesetzer die Container des RWE-Werkschutzes mit Steinen, Molotowcocktails und Zwillen angegriffen haben.

Drei Tage vor Weihnachten ist es im Hambacher Forst offenbar zu einem schweren Angriff auf RWE-Mitarbeiter gekommen, vier von ihnen wurden verletzt. Nach Informationen unserer Zeitung sollen bis zu 70 Menschen aus der Waldbesetzerszene am Freitagabend gegen 20.10 Uhr aus dem Hambacher Forst gekommen sein und die Container an der L276 angegriffen haben, in denen sich ein Teil der Werkschutzmitarbeiter aufhält. Diese Container stehen in der Nähe der alten A4-Trasse unmittelbar am Waldrand.

Die Aachener Polizei konnte den Zwischenfall am Samstagmittag weitgehend bestätigen. Container und Werkschützer seien mit Steinen beworfen und mit Zwillen beschossen worden. Nach Informationen unserer Zeitung flog überdies mindestens ein Molotowcocktail, also eine Benzinbombe. Ein RWE-Mitarbeiter sei von einem Zwillengeschoss an der Hand verletzt, ein anderer seitlich am Kopf getroffen worden, teilte RWE mit. Der Mann wurde mit einem Rettungswagen ins Krankenhaus gebracht,. Wie die Polizei am Samstagmittag mitteilte, liege der Mann weiterhin im Krankenhaus.

Durch den Angriff seien zudem Glasscheiben und Rolladen an den Containern beschädigt worden, ebenso Fahrzeuge, die in der Nähe der Container standen. Ein RWE-Sprecher berichtete am Samstag auf Anfrage unserer Zeitung von zerstochenen Reifen und zerbeulten Karosserien. Von den Sachbeschädigung war der Aachener Polizei am Samstag noch nichts bekannt.

Nach dem Angriff stellte der Werkschutz in der Nähe der Container eine brennende Barrikade fest, die RWE-Werksfeuerwehr rückte an. Hinter der Barrikade seien die RWE-Mitarbeiter bereits „von etwa 70 Aktivisten erwartet worden”, teilte RWE weiter mit. Erneut seien Steine geflogen, zwei Werkschützer getroffen und leicht verletzt worden.

Als die ersten Polizeibeamten eintrafen, seien auch sie angegriffen worden, erklärte Dana Zimmermann am Samstag, Sprecherin der Aachener Polizei. Nach den vorliegenden Meldungen sei derzeit allerdings nur von etwa 20 Vermummten auszugehen, die an den Angriffen beteiligt gewesen sind. Sie konnte allerdings nicht ausschließen, dass es auch mehr Menschen gewesen sein könnten. Den Erkenntnissen der Polizei zufolge seien im Moment jedoch deutlich weniger als 70 Menschen im Hambacher Forst. Ein Polizeihubschrauber, der am frühen Samstagmorgen über dem Hambacher Forst kreiste, hätte mehrere Male Gruppen von zehn bis 15 Personen im Restwald orten können, sagte Zimmermann. Bis tief in die Nacht seien Beamte vor Ort geblieben.

Nach der am 1. Oktober abgeschlossenen Baumhausräumung war es im Hambacher Forst ruhiger geworden. Was der Grund für einen solch schweren Angriff gewesen sein könnte, ist unklar, auch die Polizei hatte zunächst keine Erklärung. Zu Konfrontationen zwischen Waldbesetzern und RWE-Mitarbeitern sei es jüngst nicht gekommen.

Auch auf der Homepage der Waldbesetzer fand sich am Samstagmittag kein Beitrag, der direktem Bezug zu dem Angriff steht. In einem Artikel, an dessen Ende „ein zorniges Fest” gewünscht wird, geht es um den Fleischverzehr an Heiligabend. Das „schreckliche Leben” von Millionen Tieren „wird mit einem schrecklichen Tod beendet, damit sie am Scheinheiligabend auf Tischen stehen, an denen sich mehr gestritten wird als an jedem anderen Tag”, heißt es in dem Beitrag.

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