Kerpen: Hambacher Forst: Polizei stoppt Demonstranten

Kerpen: Hambacher Forst: Polizei stoppt Demonstranten

Auf dem Weg zum Hambacher Forst sind am Freitagmorgen Demonstranten am Bahnhof Buir von der Polizei für Stunden gestoppt worden. Eine Polizeisprecherin sprach von unter 100 Demonstranten, ein Sprecher der Rodungsgegner von 150 bis 200.

Da der Hambacher Forst von der Polizei als „gefährlicher Ort” eingestuft wurde, mussten die Demonstranten ihre Personalien angeben und sich durchsuchen lassen, sagte die Polizeisprecherin. Das hätten die meisten verweigert und sich am Bahnhof auf den Boden gesetzt. Polizisten standen um sie herum.

Der Sprecher der Rodungsgegner sprach von einem „Polizeikessel”, der gegen 9.30 Uhr begonnen habe. Gegen 12.15 Uhr hätten die meisten Demonstranten ihre Personalien angegeben und seien danach weiter Richtung Hambacher Forst gegangen. Sie hätten Essen und Trinken für die Bewohner der Baumhütten dabei.

Vor dem von Aktivisten angekündigten „Wochenende des Widerstands” im Hambacher Forst ist die Lage in der Nacht zum Freitag ruhig geblieben. Die Polizei ist in dem von Umwelt- und Klimaschützern besetzten Wald weiterhin präsent. „Wir sind vor Ort und gerüstet”, sagte eine Polizeisprecherin.

„Wir werden mit mehreren hundert Menschen in den Wald gehen”, kündigte ein Sprecher von „Aktion Unterholz” an. Denkbar seien Sitzblockaden rund um die Baumhäuser, „kreative Kletteraktionen” und die Blockade von Zufahrtswegen. Außerdem müsse die Infrastruktur der Rodungsgegner wieder hergestellt werden. Die RWE-Mitarbeiter hätten unter anderem Küchen- und Klohäuser zerstört.

Am Mittwoch und Donnerstag hatte der Energiekonzern RWE unter starkem Polizeischutz Barrikaden, Möbelstücke und vieles mehr aus dem besetzten Wald abtransportiert. Dabei wurde auch ein erster Baum gefällt. RWE betonte, das sei aus Sicherheitsgründen geschehen, weil der Baum umzufallen drohte - und habe nichts mit den ab Oktober geplanten Rodungen zu tun. Die Aktivisten sahen das anders und riefen wegen des gefällten Baumes den „Tag X” aus.

Der Hambacher Forst liegt im Südosten des Braunkohle-Tagebaus Hambach, in ihm stehen Jahrhunderte alten Buchen und Eichen. Zudem gibt es Vorkommen geschützter Arten wie der Bechsteinfledermaus. RWE will für den Braunkohleabbau mehr als 100 der verbliebenen 200 Hektar Wald abholzen, darf damit aber frühestens im Oktober beginnen. Aus Sicht des Energiekonzerns ist die Rodung unvermeidbar, um die Stromproduktion in den Braunkohlekraftwerken zu sichern. Gegen die Pläne gibt es seit Langem Proteste. Rodungsgegner campen in dem Wald zum Teil in Baumhütten.

(dpa)
Mehr von Aachener Zeitung