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Aachen: Häftling frei, Wärter hinter Gittern

Aachen : Häftling frei, Wärter hinter Gittern

Wegen Befreiung eines Häftlings hat das Landgericht Aachen am Dienstag einen Gefängniswärter zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren und drei Monaten verurteilt.

Der 31-Jährige habe sich mit 5000 Euro und Kokain bestechen lassen, dem Insassen in der Nacht des 7. September 2003 die Zellentüre aufgeschlossen und ihn in die Freiheit gelotst, hieß es im Urteil. Der flüchtige Drogendealer, der eine Freiheitsstrafe von drei Jahren abzusitzen hatte, ist bis heute nicht wieder aufgetaucht.

Im Prozess hatte der Beamte der Justizvollzugsanstalt die Tat gestanden und als Motiv Drogenkonsum genannt. Er habe zu jener Zeit einen starken psychischen Druck im Berufsalltag gespürt und zum Ausgleich Kokain genommen.

Wenig Verständnis dafür äußerte der Staatsanwalt in seinem Schlussvortrag: So habe der Beamte durch sein leichtsinniges Handeln in dem alten Untersuchungsgefängnis am Adalbertsteinweg - in dem zu jener Zeit Personen wie der Kinderdoppelmörder Markus Lewendel einsaßen - eine erhebliche Gefahrensituation hervorgerufen und damit seine Dienstpflicht in eklatanter Weise verletzt.

Milder die Worte des Verteidigers. Dieser hatte im Plädoyer dargelegt, dass der Fall seinen Mandanten bis an dessen Grenzen gebracht habe. Seiner Bitte, dem jungen Mann mit einer Bewährungsstrafe noch eine Chance zu gewähren, kam die vierte große Strafkammer aber nicht nach. Einen mitangeklagten Freund des Entflohenen verurteilten die Richter zu von zweieinhalb Jahren Haft. Die ehemalige Lebensgefährtin des Flüchtigen sprachen sie hingegen frei.