1. Region

Region: Gute Nachbarn, böse Nachbarn: Ein Blick in die Region

Region : Gute Nachbarn, böse Nachbarn: Ein Blick in die Region

Vermutlich hat schon der Neandertaler mit den Bewohnern der Höhle nebenan über den nervigen Qualm bei deren letztem Säbelzahntiger-Barbecue gestritten. Zum Tag der Nachbarn am Freitag werfen wir einen Blick in die nachbarschaftlichen Verhältnisse in unserer Region: Auch rund um Aachen sorgen immer wieder angenehme und weniger angenehme Vorfälle zwischen Gründstücksnachbarn für Schlagzeilen.

Wüste Flüche und das Geräusch klirrender Einrichtungsgegenstände aus einer Wohnung in Eilendorf ließen im Juli 2017 die Nachbarn an eine handfeste Ehekrise denken. Als den alarmierten Polizeibeamten dann noch der Wohnungsbesitzer mit blutiger Lippe entgegenkam, schien der Fall eindeutig. Es war dann aber alles doch ganz anders: Der Mann hatte eine Auseinandersetzung mit seinem wütenden Papagei gehabt, bei der einiges zu Bruch gegangen war. Offen blieb laut Polizeibericht allerdings, wer für die Flüche verantwortlich war.

xxx. Foto: Marie Eckert

Rekordverdächtig war das Nachbarschaftstreffen in Kornelimünster, das im September 2017 für Schlagzeilen sorgte. Mehr als 300 Anwohner des Ortskerns aßen einen Abend lang gemeinsam an einer großen überdachten Tafel. So bewiesen die Organisatoren, Marcus Sommer vom Bürgerverein und Michael Cosler, dass nicht nur die Liebe ganz allgemein durch den Magen geht, sondern auch im besonderen die Liebe zum Nächsten, sprich: zum Nachbarn.

Tierfreundliche Nachbarschaft: Um eine Nachbarskatze aus einem Kaminschacht zu retten, holte die Feuerwehr in Niederzier eigens den Bezirksschornsteinfegermeister. Foto: Feuerwehr Niederzier

Ein Schwimmbad für die Nachbarschaft

Im Wohnheim „Katzensprung“ werden 250 Aachener Studenten von Marco van Riemsdijk (Bild rechts oben) betreut. Der Vaalser Bürgermeister Reg von Loo freut sich über den Zuzug aus der Nachbarstadt. Foto: Harald Krömer

Nettes Nass: Ein selbstgebautes Schwimmbecken erfreute im Sommer vergangenen Jahres eine ganze Nachbarschaft im Geilenkirchener Ortsteil Nirm. Der von Landwirtin Judith Jung-Deckers aus Strohballen, Folie und 55 Kubikmeter Wasser gebastelte Swimmingpool, ursprünglich gedacht für Kinder, entwickelte sich im Ort zum Sommerhit. Eine Anschlusskarriere als Eisbahn mit Glühweinausschank war zumindest angedacht.

Schlechte Nachbarschaft: Am Rande eines Feuerwehreinsatzes wegen eines Wohnungsbrandes mit einem Toten beschwerte sich ein Nachbar über die vielen Einsatzkräfte. Foto: Sandra Kinkel

Unangekündigten Besuch bekamen Bewohner eines Hauses aus Niederzier im August 2017. Nachbars Katze hatte einen Ausflug auf ihr Dach unternommen, hatte den Schornstein erkundet - und kam nicht mehr heraus. Die Feuerwehr zog den besten Experten für Haustierrettung zu Rate, den sie finden konnte: den Bezirksschornsteinfegermeister. Der setzte eine Bohrung so zielgenau am Schacht an, dass die Katze direkt herausgezogen werden konnte und der Schaden für den Hauseigentümer so gering wie möglich blieb.

Gefährliche Nachbarschaft: Monatelang hielt ein Mann aus Aachen die Polizei in Atem, indem er auf Spiel- und Grillplätzen hochgradig ätzenden Rohrreiniger verteilte. Mit Hilfe einer versteckten Überwachungskamera wurde er schließlich erwischt. Foto: Harald Krömer

Apropos Katzen: Manchmal ist gute Nachbarschaft nur einen Katzensprung entfernt. Genau so, nämlich „Katzensprung“, heißt denn auch das große Wohnheim im niederländischen Vaals, das sich insbesondere an Aachener Studenten richtet. Die rund 250 Zimmer sind inzwischen restlos belegt, der Vaalser Bürgermeister freut sich über die vielen jungen Menschen in seiner wachsenden Stadt - und die Studenten über die bekannten niederländischen Einkaufsmöglichkeiten am Sonntag.

So viel Geld ist kein alltäglicher Fund für die Polizei. Foto: Polizei Aachen

Zwischendurch die offizielle Bestätigung: Wir mögen unsere Nachbarn! Nach einer Studie des Westdeutschen Rundfunks vom vergangenen Jahr gaben 90 Prozent der Befragten aus NRW an, mit ihrer Nachbarschaft ganz zufrieden zu sein. Das geht bei zwei Dritteln so weit, dass Blumen der Nachbarn gegossen, Kinder betreut oder sich beim Einkaufen und beim Arztbesuch geholfen wird. Gestritten überm Gartenzaun wird am häufigsten im Sauerland und in Südwestfalen - am Rhein gilt dagegen die alte Devise: Man kennt sisch, man schätzt sisch.

Mutige Nachbarschaft: Mit Leitern retteten Nachbarn die Bewohner eines Hauses in Alsdorf aus dem Obergeschoss, weil das Treppenhaus nicht mehr passierbar war. Foto: Feuerwehr Alsdorf

Knatsch und Krach unter Nachbarn

Doch auch bei uns gibt es Krach zwischen Nachbarn. Und das im wörtlichen Sinne: Im Oktober 2017 trieb das künstlerisch hochgelobte Aachener Kimiko-Festival mit 44 Bands und 7000 Besuchern Anwohner auf die Barrikaden gegen die „unverschämt egoistischen, rücksichtslosen ,Kulturtreibenden'“, wie sie in einem Schreiben formulierten. Ergebnis: Der musikalische Teil des Festivals am letzten Juniwochenende geht nun auf dem Melatener Campusgelände über die Bühne.

Schlecht gedankt wurde einem Mann aus Aachen seine Hilfsbereitschaft im Mai 2017. Eine Nachbarin hatte sich aus ihrer Wohnung ausgesperrt. Er bot der aufgewühlten Frau Unterschlupf an und ging kurz vor die Tür, um die Polizei zu rufen. Als die eintraf, hatte die offenbar psychisch gestörte Nachbarin Teile der Wohnungseinrichtung zertrümmert und sogar eine Wand durchbrochen. Die Frau kam ins Krankenhaus, der Mann erstattete Anzeige.

Für Empörung sorgte das Verhalten eines Nachbarn in Langerwehe Anfang Mai 2018. Im Nachbargebäude hatte es gebrannt, ein 76 Jahre alter Mann war dabei ums Leben gekommen. Für den besagten Nachbarn offenbar kein Grund, einen größeren Feuerwehreinsatz auszulösen: Er beschwerte sich über die vielen Einsatzkräfte. Der Sprecher der Feuerwehr Langerwehe Timo Löfgen war fassungslos: „Für solch eine Äußerung fehlt mir jedes Verständnis.“

Mit einer langen Haftstrafe zog das Aachener Landgericht im April 2018 einen Schlussstrich unter einen völlig aus dem Ruder gelaufenen Nachbarschaftsstreit in Haaren. Nachbarn eines 57-jährigen Mannes hatten bis spät in die Nacht gefeiert, der hatte schließlich mit einer halbautomatischen Waffe auf sie geschossen. Zwei Männer wurden in die Beine getroffen und verletzt. Insgesamt vier Schüsse hatte der Mann abgegeben, mehr als vier Jahre Gefängnis lautete das Urteil.

Der wohl gruseligste Fall von nachbarschaftlichem Unfrieden ging im Frühjahr 2018 ebenfalls vor dem Landgericht zu Ende: Der Mann, der monatelang hoch ätzenden Rohrreiniger auf Spiel- und Grillplätzen in Aachen verstreut hatte, wurde dauerhaft in die Psychiatrie eingewiesen. Der 53-jährige Anwohner des Westparks hatte im Prozess angegeben, Kinderlärm habe ihn gestört. Fünf Kinder im Alter zwischen zwei und vier Jahren hatten sich an den giftigen Kügelchen verätzt.

Hilfreiche, mutige, rettende Nachbarn

Eine unglaubliche Entdeckung machten fürsorgliche Nachbarn einer alten Frau in der Städteregion Aachen im April 2017. Als die verwirrte Seniorin sich wieder einmal ausgesperrt hatte, sahen sie nach dem Rechten - und entdeckten Hunderttausende von Euro in Säcken und Tüten in der Wohnung. Der zu Hilfe gerufenen Polizei erklärte die Dame, sie und ihr Mann hätten das Geld über Jahrzehnte angespart. Die Frau bekam Hilfe, ihre Bank das Geld und die Nachbarn ein Riesenlob von der Polizei.

Und zum Schluss: Nachbarn als Retter. Immer wieder sind es aufmerksame Anwohner, die die Feuerwehr alarmieren, wenn nebenan ein Rauchmelder schrillt. So etwa in einem Haus in Würselen im Dezember 2017. Die herbeigerufenen Feuerwehrleute klingelten vergeblich und öffneten die Wohnungstür schließlich mit Spezialwerkzeug. In den völlig verrauchten Räumen stießen sie auf den schlafenden Bewohner. Ihm war zum Glück nichts passiert. Für den Qualm war angebranntes Essen auf dem Herd verantwortlich - es war schnell gelöscht.

Weitaus dramatischer verlief dagegen eine Rettungsaktion bei einem „echten“ Feuer in Alsdorf im Juli 2017. Im Anbau eines Mehrfamilienhauses war ein Brand ausgebrochen. Eine Bewohnerin hatte sich aufs Dach gerettet, ein Nachbar war ein Regenrohr hochgeklettert, um ihr zu helfen. Andere Nachbarn hatten Hausbewohner aus dem ersten Stock mit Hilfe von Leitern gerettet, weil die nicht mehr über das verrauchte Treppenhaus ins Freie gelangen konnten. Feuerwehrsprecher Christoph Simon lobte die mutigen Nachbarn: Ihnen gebühre „höchster Respekt und Dank“.

Und damit allen guten Nachbarn in der Region ein ebenso gutes Wochenende.