Madrid/Aachen: Grünenthal muss spanische Contergan-Opfer entschädigen

Madrid/Aachen : Grünenthal muss spanische Contergan-Opfer entschädigen

Spanische Contergan-Opfer können auf Entschädigung hoffen. Ein Gericht in Madrid verurteilte den deutschen Pharma-Konzern Grünenthal zu Zahlungen an die Betroffenen. In dem am Mittwoch veröffentlichten Urteil legte die Vorsitzende Richterin Gemma Susana Fernández Díaz dem Unternehmen ein „nachlässiges Verhalten” zur Last.

Der Konzern habe in Spanien Medikamente mit dem Contergan-Wirkstoff Thalidomid vertrieben, obwohl er von der Schädlichkeit gewusst habe. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Es kann dagegen Berufung eingelegt werden. Etwa 180 Geschädigte hatten in dem Prozess von Grünenthal eine Entschädigung von insgesamt 204 Millionen Euro verlangt.

Das Gericht gab dem Gesuch teilweise statt. Es verurteilte das Unternehmen dazu, Betroffenen für jeden Prozentpunkt der Behinderung eine Entschädigung von jeweils 20 000 Euro zu zahlen.

Grünenthal wies in einer Stellungnahme darauf hin, dass in dem Urteil die Gesamthöhe der Entschädigungszahlungen nicht quantifiziert worden sei. Nach der Entscheidung des Gerichts sollten weniger als 20 Betroffene Entschädigung erhalten, betonte die spanische Niederlassung des Unternehmens.

Grünenthal respektiere das Urteil, sei mit der Argumentation aber nicht einverstanden. Das Unternehmen werde nach einer genauen Prüfung der Gerichtsentscheidung über sein weiteres Vorgehen entscheiden.

Contergan hatte Ende der 1950er Jahre einen der größten Arzneimittelskandale ausgelöst. Weltweit kamen 10 000 Kinder mit schweren körperlichen Missbildungen zur Welt, davon 5000 in Deutschland.

(dpa)
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