Aachen: Großeinsatz in Aachen-West wegen hochgiftiger Substanz

Aachen: Großeinsatz in Aachen-West wegen hochgiftiger Substanz

Ein Tropfen pro Sekunde. Was beim Wasserhahn zu Hause allenfalls ausreichen würde, den Handwerker zwecks Verringerung der Wasserabrechnung zu rufen, hat am Mittwoch am Aachener Westbahnhof zu einem stundenlangen Großeinsatz der Feuerwehr geführt.

Der Bahnhof war für den Personenverkehr kurzfristig und für den Güterverkehr mehrere Stunden gesperrt. Grund dafür war, dass es sich um eine besonders gefährliche Flüssigkeit handelte, die aus einem Kesselwagen langsam auf Gleis 23 austrat. Essiganhydrid - sehr leicht entflammbar, hochgiftig bei Körper- und Hautkontakt. „Es darf nicht eingeatmet werden”, erläuterte Einsatzleiter Karl-Heinz Herber vor Ort.

Entdeckt worden war das Leck kurz nach 9 Uhr an einem Ventil von einem Zugführer bei planmäßigen Sicherheitskon­trollen. Der Güterwagen aus Antwerpen stand in einem Zug nach Köln-Gremberg und sollte über Passau in die Schweiz gefahren werden. Als klar war, um welch brisante Substanz es sich handelte, fuhren die Hilfskräfte entsprechend viel Gerät und Arbeitskraft auf: Zwei Züge der Berufswehr wurden auf das weitläufige Gelände am Westbahnhof beordert. Vorsichtshalber wurden alle Oberleitungen ausgeschaltet und geerdet. Da Essiganhydrid auch nicht direkt mit Wasser in Verbindung kommen darf, wurde Pulver bereitgestellt.

Die Wehr schickte dann in sogenannten Chemieschutzanzügen drei Teams an den defekten Waggon, die versuchten, das Leck mit Bordmittel abzudichten. Diese Drei-Mann-Teams durften maximal 15 bis 20 Minuten im Einsatz sein, da sich die Luft im Innern noch einmal aufwärmt - bei Außentemperaturen von bis zu 23,5 Grad am Mittwoch nicht die angenehmste Übung. Bei der Rückkehr mussten die Männer sich in einem eigens aufgebauten Zelt einer Dusche unterziehen - eine komplette Dekontamination. Selbst das Wasser wurde aufgefangen und entsorgt, die Ansaugteile sollen von Spezialfirmen gesäubert werden. Doch den hiesigen Wehrmänner gelang es nicht, das Ventil dichtzubekommen.

Dazu rückten gegen 13.30 Uhr zwei Spezialisten von Tuis an, dem Transport-Unfall-Informations- und Hilfeleistungssystem, das von Unternehmen der Chemischen Industrie unterhalten wird und besondere Kenntnisse und Fertigkeiten bei Gefahrguttransporten aufweist. Ihnen gelang es, in knapp einer Stunde eine neue Dichtung einzusetzen, so dass das Ventil wieder dicht war. Gegen 15 Uhr war der Einsatz beendet.

Die Bilanz: Der Personenverkehr war von 9.20 bis 9.45 Uhr gesperrt. Sieben Nahverkehrszüge hatten Verspätung, ein Zug fiel teilweise aus, einer wurde umgeleitet. Auf die Frage, wie viele Güterzüge dieser Art täglich durch Aachen fahren, gibt die Pressestelle in Düsseldorf „generell aus Sicherheitsgründen keine Antwort”. Sprecher Franz Heumüller sagte am Mittag lediglich: „Derzeit sind noch zwei Gleise des Güterbahnhofs gesperrt. Die Experten sind vor Ort.”

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