Würselen: Gourmetführer ernennt Würselener Koch zum „Aufsteiger des Jahres“

Würselen: Gourmetführer ernennt Würselener Koch zum „Aufsteiger des Jahres“

Ein Newcomer ist Kurt Podobnik schon lange nicht mehr. Dazu kocht der 56-Jährige seit 40 Jahren viel zu gut. Aber Luft nach oben ist in der Küche immer. Und so hat es zum Aufsteiger gereicht, sogar zum „Aufsteiger des Jahres 2016“ in der Kochszene in Nordrhein-Westfalen - bescheinigt vom renommierten Gault&Millau.

Diesen Titel hat der Gourmetführer jetzt dem Mann verliehen, der sich in der Alten Feuerwache in Würselen der Spitzenküche verschrieben hat. Kompromisslos, wie er selbst sagt.

„Wenn man nicht knallhart auch zu sich selbst ist, dann schafft man so etwas nicht“, sagt Podobnik. So etwas — das sind 17 von 20 möglichen Punkten, die Gault&Millau an ihn vergeben hat. Bislang hatte Podobnik 16. Doch Werte, von denen andere Köche bloß träumen, sind für ihn vor allem ein Anspruch, immer noch eins draufzulegen.

Fakt ist, dass über ihm nicht mehr viel kommt: Nur zwei Köche in Nordrhein-Westfalen erhielten höhere Noten, in ganz Deutschland sind es 33. Podobnik habe die richtige Balance zwischen Moderne und Bewährtem gefunden, urteilten die Testesser. Das trifft seine Selbsteinschätzung. „Man kann nicht jedem Trend hinterherlaufen“, sagt Podobnik. „Irgendwann sind da nur noch Punkte und Striche auf dem Teller.“ Bei ihm nicht. Er setzt auf eine klassische Basis — die französische Küche — und fügt ein wenig Zeitgeist hinzu.

Leichtigkeit will er in seine Menüs bringen, regionale Erzeugnisse mit internationalen Spitzenprodukten kombinieren. Zum Beispiel im „Rindertartar auf Röstbrot, begleitet von Sauerrahm, Kaviar, Gänseleber-Eis und Gelee von Borschtsch“, das die Kritiker lobten.

Klein, aber fein — das klingt abgedroschen, aber genau so muss man den Gourmetbereich seines Würselener Restaurants nennen. Nur 13 Plätze, bloß ein Menü, gerade mal vier Abende pro Woche, keine Schnörkel auf der Speisekarte. „Man muss es überschaubar halten, um es gut zu halten“, sagt der Mann, der seit 2009 einen Michelin-Stern hat. „In der Einfachheit liegt die Kunst. Man kann auch aus einer Kartoffel etwas richtig Gutes machen.“

Dass heutzutage „selbst in manchen gehobenen Restaurants in Jeans bedient wird“, sieht er aber kritisch, auf Tischkultur legt er großen Wert. Wenn man so will, hat er einen Bildungsauftrag. Erziehen will er die Deutschen in Sachen Genuss. „Da liegen wir immer noch ganz weit hinter anderen Ländern zurück.“ Für gutes Essen auch gutes Geld zu zahlen — dazu seien zu wenige Menschen bereit. Was ihm selbst ein gutes Menü bedeutet? „Mehr als ein hochklassiges Auto.“ Das sei austauschbar. „Aber ich habe nur einen Körper — und für den will ich das Beste! Gutes Essen bedeutet mir alles.“

Auch nach so vielen Jahren steht er mit Lust am Herd, versichert Podobnik. „Mit frischem Ehrgeiz“, wie es in der Begründung von Gault&Millau steht. Zwölf Stunden pro Tag, mitunter mehr. Knallhart eben. Aber kein Einzelkämpfer, das nicht. „Diese Leistung ist die Leistung eines Teams.“ Auf den Lorbeeren ausruhen will er sich aber nicht. Alle Punkte sind schließlich noch nicht erreicht.

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