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Ankündigung der Landesregierung: Gottesdienstbesuch in NRW ab Mai wieder möglich

Ankündigung der Landesregierung : Gottesdienstbesuch in NRW ab Mai wieder möglich

Selbst gewählter Verzicht auf gemeinsame Gottesdienste. Das war in NRW eine Folge der Corona-Krise. Auf der Grundlage von Schutzkonzepten sollen ab Mai öffentliche Gottesdienste nun wieder möglich sein.

Gottesdienste und Versammlungen zur Religionsausübung werden in Nordrhein-Westfalen ab Mai mit Corona-Schutzmaßnahmen wieder öffentlich stattfinden. Das kündigte die Landesregierung am Donnerstag nach Gesprächen mit Kirchenvertretern an. Kirchen und Religionsgemeinschaften hatten in NRW im Zuge der Coronavirus-Krise selbst auf öffentliche Versammlungen verzichtet. Ein Verbot von öffentlichen Gottesdiensten gab es im bevölkerungsreichsten Bundesland aber nicht. Details zu den Schutzregeln wie die konkreten Abstandsregelungen wurden zunächst noch nicht bekannt.

„Wir bringen dieses konstruktive Miteinander von Staat und Religionsgemeinschaften ebenso wie die konkreten Schutzkonzepte auch in die bundesweite Verständigung zur Wiederaufnahme des religiösen Lebens in Deutschland ein“, erklärte Ministerpräsident Armin Laschet (CDU). Auf Basis der vorgelegten „umfassenden und präzisen“ Konzepte sehe die Landesregierung die Möglichkeit, dass zeitnah Gottesdienste wieder unter Beteiligung von Gläubigen gefeiert werden können. Kirchen und Religionsgemeinschaften hätten erklärt, die Vorkehrungen zur Abstandseinhaltung und zum Schutz bis 1. Mai vornehmen zu können.

Der Schritt kommt vor einem Gespräch von Bund und Länder am Freitag: Dort soll es um ein Konzept zur Lockerung der Corona-Auflagen für Gotteshäuser gehen. Staatssekretär Markus Kerber aus dem Bundesinnenministerium will den Chefs der Staatskanzleien der Länder die Pläne in einer Schaltkonferenz präsentieren. Die Religionsgemeinschaften in Deutschland sollten bis Mitte dieser Woche ihre Vorschläge zu einer vorsichtigen Öffnung der Gotteshäuser einreichen. Kommende Woche wollen sich dann Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Ministerpräsidenten der Länder auf eine gemeinsame Linie einigen.

Die katholische Deutsche Bischofskonferenz hatte dem Bundesinnenministerium bereits in der vergangenen Woche ein zweiseitiges Papier vorgelegt. Darin schlagen die Bischöfe unter anderem vor, die Gottesdienste im Wesentlichen auf die Hauptschiffe der Kirchen mit dem meisten Platz zu beschränken. Außerdem regen sie Zugangsbeschränkungen und ausreichend Platz zwischen den Teilnehmern an. Die Sehnsucht der Menschen nach Seelsorge, Orientierung und Gottesdienst sei gerade jetzt groß, hatte der Kölner Kardinal Rainer Woelki in der vergangenen Woche erklärt und gefordert, Gottesdienste müssten unter Auflagen zugelassen werden, je früher, desto besser. Die Evangelische Kirche in Deutschland hat ihre Vorschläge am Mittwoch eingereicht, wollte sie aber nicht öffentlich machen.

Laschet betonte nun: „Die Freiheit der Religionsausübung ist ein wichtiges Grundrecht unserer Verfassung. Wir sind dankbar für das hohe Maß an Verständnis und Verantwortung von Kirchen und Religionsgemeinschaften in Nordrhein-Westfalen in der Corona-Krise.“ Jüdische Gemeinden hätten auf die gemeinsame Feier des Pessachfestes verzichtet und Christen auf die großen Gottesdienste an den Hochfesten von Gründonnerstag bis Ostern, so der Ministerpräsident. Die Muslime hätten erklärt, den Auftakt zum Ramadan ohne gemeinsames Freitagsgebet zu feiern und den Ramadan mit seinen allabendlichen Begegnungen zum Fastenbrechen anders zu gestalten als in allen Jahren zuvor, verdeutlichte er.

Nordrhein-Westfalen habe als einziges Land den gemeinsamen Gottesdienstbesuch zu keinem Zeitpunkt verboten, sondern es als ausreichend erachtet, von den Kirchen und Religionsgemeinschaften in Selbstverpflichtungserklärungen den Verzicht auf Versammlungen zur Religionsausübung entgegenzunehmen, betonte die Landesregierung in der Mitteilung am frühen Donnerstagabend. Dieser Selbstverpflichtung seien die Kirchen und Religionsgemeinschaften in beeindruckender Weise nachgekommen.

„Die Religionsgemeinschaften und die Gläubigen haben mit ihrem selbst gewählten Verzicht auf gemeinsame Gottesdienste einen wichtigen Beitrag zur erfolgreichen Eindämmung der Pandemie geleistet“, sagte der stellvertretende Ministerpräsident Joachim Stamp (FDP). Mit den Konzepten für die weitere Eindämmung kämen sie ihrer Verantwortung für die Gesundheit der Gemeindemitglieder und Gottesdienstbesucher mit großer Sorgfalt nach.

Die Religionsgemeinschaften in NRW hätten in der Krise Verantwortungsbewusstsein gezeigt. „Sie haben selbst den Weg dafür bereitet, dass nun unter den Regeln von Abstand und Schutz wieder gemeinsam Gottesdienst gefeiert werden kann“, sagte Stamp.

(dpa)