Merzenich/Berlin: „Golzheim aktiv“ zeigt Rückgrat

Merzenich/Berlin: „Golzheim aktiv“ zeigt Rückgrat

Die Chancen für die Interessengemeinschaft „Golzheim aktiv“ standen gut, es beim Rennen um den Deutschen Engagementpreis auf Platz 1 zu schaffen oder wenigstens die Nummer zwei zu werden. Doch dann kam plötzlich alles ganz anders, und aus Freude und Begeisterung wurden Enttäuschung und Wut.

Wut auf die rechtsextreme NPD, die versuchte, den Verein für ihre Zwecke zu instrumentalisieren.

Der 130 Mitglieder starke Verein „Golzheim aktiv“ setzt sich im 1300-Seelen-Dorf für das Miteinander der Generationen ein, bietet Kurse und Aktionen an, die es bislang nicht gab. Der Verein will, dass es Spaß macht, in Golzheim zu leben. Das Dorf soll Zukunft haben. Jemand fand das Engagement so lobenswert, dass er die Gemeinschaft für den Deutschen Engagementpreis vorschlug. Unter 2000 Nominierten hatte die IG es unter die ersten Zehn geschafft. Dann sollte das Publikum entscheiden. Die Golzheimer warben fleißig um Stimmen, riefen bei Facebook auf, der IG ihre Stimme zu geben. Obwohl Organisationen aus Großstädten zur Abstimmung standen, schafften es die Golzheimer kurz auf Platz 1 und stabilisierten sich dann auf dem zweiten Rang. Mehr Stimmen hatte nur „Endstation Rechts — Storch Heinar“, ein Aufklärungsportal zum Thema Rechtsextremismus, bekommen.

Doch dann forderte Facebook-User „NPD — Die soziale Heimatpartei“ auf: „Den dauerbetroffenen Heulsusen von Endstation Rechts schnappen wir schön die Kohle weg. Abstimmen gegen Antideutsche!“ Dem folgte der Appell, für „Golzheim aktiv“ zu stimmen, und damit einem „heimatverbundenen Projekt“ zum Sieg zu verhelfen. In wenigen Stunden kamen mehrere Hundert Stimmen dazu. „Mit diesen Stimmen aus dem rechten Lager wollten wir die Abstimmung nicht gewinnen. Sie waren nicht für uns, sondern gegen ein anderes Projekt gerichtet“, sagt Maria Schoeller, die Vorsitzende der IG. „Golzheim aktiv“ sei kein politisch motivierter Verein. „Von rechtem Gedankengut distanzieren wir uns deutlich.“

Daher hatte die IG beschlossen, aus dem Wettbewerb auszusteigen. Dafür gab es Anfeindungen aus der rechten Szene, aber noch viel mehr Lob und Anerkennung — auch vom Bündnis für Gemeinnützigkeit, das den Engagementpreis auslobt. Kurzerhand wurde ein Sonderpreis ins Leben gerufen — „für die anerkennungswürdige Haltung, aufgrund fragwürdiger Unterstützung auf einen fast sicheren Preis zu verzichten.“ Gestern nahm die IG den mit 5000 Euro dotierten Preis in Berlin entgegen. Damit will sie einen wetterunabhängigen Treffpunkt im Dorf errichten.