Region: Glatteis-Chaos in der Region und in NRW

Region : Glatteis-Chaos in der Region und in NRW

Spiegelglatte Straßen und Gehwege durch gefrierenden Regen haben auch in der Region bis zum frühen Sonntagmorgen zu vielen Unfällen und Stürzen geführt. In ganz Nordrhein-Westfalen kam es zu tausenden Verkehrsunfällen. Die meisten gingen relativ glimpflich aus.

Die Aachener Polizei hat von Samstag- bis Sonntagmorgen mehr als 30 Verkehrsunfälle in Stadt und Städteregion gezählt. In den meisten Fällen blieb es jedoch bei Blechschäden.

Ein Autofahrer ist am Sonntagmorgen von der Himmelsleiter abgekommen und im Straßengraben gelandet. Foto: psm

Nach Auskunft der Leitstelle gab es lediglich bei drei Unfällen in Würselen und Stolberg-Büsbach jeweils kurz nach Mitternacht sowie am Relais Königsberg am Sonntagmorgen insgesamt vier leicht verletzte Personen.

Im niederländischen Beesel bei Roermond sperrte die Polizei die Autobahn 73 in beide Fahrtrichtungen und leitete den Verkehr auf Landesstraßen ab. Foto: Guenter Jungmann

Auf der Autobahn 4 zwischen den Anschlussstellen Merzenich und Elsdorf prallte ein niederländischer Fahrer am Freitag gegen 16 Uhr mit seinem Auto gegen die Leitplanke. Schon hier war innerhalb kürzester Zeit die Fahrbahn spiegelglatt geworden.

Auf der Autobahn 2 beim niederländischen Eijsden kam es zu mehreren Unfällen. Foto: Guenter Jungmann

Im Kreis Düren waren besonders Fußgänger von dem Blitzeis betroffen. Etliche von ihnen verletzten sich bei Stürzen. Zwischen 16.40 Uhr und 18.15 Uhr registrierte die Polizei sechs Verkehrsunfälle aufgrund der Bodenglätte.

Auf der Autobahn 2 beim niederländischen Eijsden kam es zu mehreren Unfällen. Foto: Guenter Jungmann

Einen Radfahrer in Jülich erwischte es besonders schwer. Bei einem Sturz zog er sich so schwere Verletzungen zu, dass er in ein Krankenhaus gebracht werden musste.

Auf der Autobahn 2 beim niederländischen Eijsden kam es zu mehreren Unfällen. Foto: Guenter Jungmann

Die anderen Unfälle verliefen vergleichsweise glimpflich und hatten nur Blechschäden zur Folge. Den Gesamtschaden schätzt die Dürener Polizei vorläufig auf etwa 6000 Euro.

Wegen der eisglatten Straßen ist es auch im Kreis Heinsberg am Samstag und Sonntag zu insgesamt acht Verkehrsunfällen gekommen. Die Unfälle ereigneten sich zwischen Samstag, 16 Uhr, und Sonntag, 8 Uhr. Nach Angaben der Heinsberger Polizei wurde dabei niemand verletzt.

Die Behörden hatten zuvor über die Notfall-Informations- und Nachrichten-App des Bundes, die Warn-App Nina, vor Glatteis für den Kreis Heinsberg gewarnt. „Es treten starke Behinderungen im Straßen- und Schienenverkehr auf. Vermeiden Sie Autofahren! Bleiben Sie im Haus“, hatte es dort geheißen.

Über 150 Unfälle ereigneten sich bis Mitternacht auch im niederländischen Limburg. Trotz des pausenlosen Einsatzes der Streufahrzeuge blieben die Straßen spiegelglatt. In Maastricht kollidierte ein Auto mit einem Streufahrzeug in der Innenstadt.

Auf der A2 bei Eijsden kam es zu mehreren Unfällen. Die Polizei sperrte die gesamte Autobahn für den Verkehr. In Beesel bei Roermond sperrte die Polizei ebenfalls die Autobahn in beide Fahrtrichtungen und leitete den Verkehr auf Landesstraßen ab.

Die Landesleitstelle der Polizei zählte zwischen Samstagnachmittag und den frühen Morgenstunden 1500 Verkehrsunfälle in ganz NRW - die allermeisten davon gingen glücklicherweise glimpflich aus. Dennoch sei die Situation extrem gewesen, schilderte ein Sprecher. Auf Autobahnen standen Lastwagen quer, bei Massenkarambolagen rutschten Fahrzeuge ineinander. Auf kleineren Straßen ging bis in die Nacht teilweise nichts mehr.

Sieben Schwerletzte mussten landesweit nach Verkehrsunfällen auf Glatteis in Krankenhäusern versorgt werden. Auch Fußgänger konnten sich auf gefrorenem Untergrund mancherorts kaum auf den Beinen halten. Einige Rettungskräfte kamen bei den vielen Notrufen nicht mehr hinterher und mussten Unfallopfer um Geduld bitten.

Der Deutsche Wetterdienst hatte am Samstagnachmittag für das gesamte Land die höchste Glatteiswarnstufe ausgegeben. Mit steigenden Temperaturen entspannte sich die Lage seit den Morgenstunden jedoch immer mehr. Die Unwetterwarnung konnte am Vormittag aufgehoben werden. Im Bergland könne es jedoch noch immer glatt bleiben, warnte Meteorologe Malte Witt vom Deutschen Wetterdienst. „Mit der Situation von Samstag und in der Nacht ist das aber nicht mehr vergleichbar.”

Am Samstagnachmittag war Regen auf dem eiskalten Boden gefroren und hatte Straßen und Gehwege in gefährliche Rutschbahnen verwandelt. Autofahrten sollten unbedingt vermieden werden, rieten die Meteorologen. Mit gutem Grund: Polizeikräfte und Rettungsdienste waren im Dauereinsatz, um Unfälle aufzunehmen und Autos abzuschleppen.

So musste allein die Kölner Polizei innerhalb von zwei Stunden zu 100 Einsätzen ausrücken. Beim Zusammenstoß zweier Autos wurden vier Menschen verletzt, unter ihnen eine schwangere Frau. Im Kreis Wesel rutschte ein Lastwagenfahrer in ein entgegenkommendes Streufahrzeug. In Duisburg geriet ein 27-Jähriger auf der Flucht vor der Polizei auf der eisglatten Fahrbahn ins Schleudern und prallte gegen einen Pfeiler.

In Mülheim an der Ruhr brauchte ein Notarzt nach einem Unfall selbst die Hilfe seiner Kollegen. Obwohl er nur mit Schrittgeschwindigkeit unterwegs war, rutschte er von der Straße in ein Gebüsch. Im Kreis Viersen stürzte eine Radfahrerin und kam schwer verletzt ins Krankenhaus. Auch wer das Auto stehen ließ und die Bahn nutze, musste aufpassen: Die Deutsche Bahn warnte vor glatten Bahnsteigen.

Auch auf den Autobahnen konnten die Streudienste Eisglätte nicht vermeiden: Auf der A46 bei Iserlohn rutschte ein Auto in ein Stauende und schob mehrere Wagen ineinander. Fünf Schwerverletzte vermeldete die Polizei, darunter zwei Kinder.

Bei einer Massenkarambolage auf der A30 in Ostwestfalen krachten zwei Lastwagen und 14 Autos ineinander. Mit viel Glück seien nur vier Personen leicht verletzt worden, sagte ein Polizeisprecher. Die A2 und A30 seien immer wieder zeitweise gesperrt worden - allein auf den beiden Autobahnen zählte die Bielefelder Polizei mehr als 30 Glatteisunfälle.

Nach dem Straßen-Chaos soll sich die Lage im Land am Sonntag fürs Erste entspannen. „Im Norden und Westen sind die Temperaturen schon über Null”, sagte ein Sprecher des Deutschen Wetterdienstes am Morgen in Essen. „Auch am Boden gefriert da nichts mehr.”

Für das Weserbergland, das Sauerland und die Hocheifel gelten teils zwar noch Unwetterwarnungen, diese sollten aber im Tagesverlauf aufgehoben werden. „Und es gibt keinen Nachschub an überfrierendem Regen so wie Samstag”, sagte der Meteorologe auch mit Blick auf den am Montag wieder startenden Berufsverkehr.

Allerdings warnte er: Auf Gehwegen und weniger gestreuten Nebenstraßen könne es noch lange glatt bleiben. Außerdem drohten zum Abend hin wieder Temperaturen im Frostbereich. Dann könnte es dort, wo tagsüber Tauwetter einsetzt, wieder gefährlich werden.

(red/pol/ger/dpa)