Wo ist die Monokelkobra? : Giftschlange vertreibt Hausbewohner in Herne

Wo ist die Monokelkobra? : Giftschlange vertreibt Hausbewohner in Herne

Eine entwischte Giftschlange sorgt in Herne für Aufsehen. Ein Biss der Kobra kann lebensgefährlich sein, sagt ein Schlangenexperte. Gefunden wurde sie noch nicht - oder vielleicht doch? Jedenfalls können zahlreiche Mieter in der Nähe vorerst nicht in ihre Wohnungen.

Für einen 48-jährigen Nachbarn steht fest: „Giftige Tiere gehören einfach nicht in Wohngegenden. Ob man sich damit auskennt oder nicht - die können immer entwischen.“ Die am Sonntag vermutlich aus einer Privatwohnung in Herne ausgebüxte Giftschlange blieb auch am Montag unentdeckt - trotz fieberhafter Suche durch Reptilien-Experten, trotz Klebefallen und Mehlmarkierungen. Ein junger Mann soll die Schlange in seiner Wohnung in einem Mehrfamilienhaus gehalten haben. Und nicht nur sie: Nach Angaben der Stadt Herne lebten in der Wohnung des Mannes rund 20 Giftschlangen.

Die Behörden schließen allerdings nicht aus, dass die Schlange zwischenzeitlich wieder in ihr Terrarium zurückgekehrt ist. Im Keller sei eine Schlangenhaut gefunden worden. Reptilienexperten wollen nun überprüfen, ob die Haut und ein Foto der im Hausflur fotografierten Schlange zu einer der rund 20 in der Wohnung sichergestellten Schlangen passt. Die Sicherheitsmaßnahmen blieben vorerst bestehen, sagte Stadtsprecher Christoph Hüsken. Weiterhin dürfen die 30 Hausbewohner nicht in ihre Wohnungen zurück. Nachbarn im weiteren Umfeld sollen vorsichtig bleiben. Darüber, wie die Schlange gegebenenfalls in ihr Terrarium zurückgekehrt sein könnte, wollte am Montag niemand spekulieren.

Die Tiere sollten noch am Montag sichergestellt und abtransportiert werden. Dem Mieter werde die Haltung der Tiere bis auf Weiteres untersagt. Er habe bei einem Gespräch in seiner Wohnung bestritten, dass die Schlange aus seinen Beständen stamme, sagte Hüsken weiter. Fest steht, dass in den Terrarien in der Wohnung mehrere Kobra-Schlangen gefunden wurden. Nach Angaben der Stadt hält in dem Haus sonst kein weiterer Mieter Schlangen.

Bei der abgängigen Giftschlange handelt es sich nach Angaben des Schlangenexperten Roland Byner (55) um eine Monokelkobra (Wissenschaftlicher Name: Naja kaouthia) mit einem Durchmesser von geschätzten sechs Zentimetern. Sie sei in Asien heimisch und hochgiftig. Bei einem Biss bestehe Lebensgefahr, sagte der behördliche Fachberater aus Bochum.

Die Haltung der Tiere sei regelmäßig durch das Kreisveterinäramt überprüft worden, sagte der Stadtsprecher weiter. „Die Zustände heute waren aber wesentlich schlechter als bei der letzten Begehung vor einigen Wochen.“ Die Haltung der Tiere sei als nicht mehr artgerecht beurteilt worden.

Über den Mieter, in dessen Wohnung die Schlangen gefunden wurde, wurde am Montag nicht viel bekannt. Der augenscheinlich junge Mann äußerte sich nicht vor Pressevertretern über den Sachverhalt und verließ das Haus zügig durch einen Hintereingang.

An das Mehrfamilienhaus mit der Wohnung des mutmaßlichen Schlangenhalters schließen sich drei weitere Mietshäuser an. Zwischen den Kellern gibt es Öffnungen, durch die die Schlange auch in die anderen Häuser gelangt sein könnte. Daher waren aus Sicherheitsgründen alle Häuser geräumt worden. Die meisten der 30 Bewohner kamen bei Freunden und Verwandten unter. Drei seien in einer städtischen Notunterkunft untergebracht worden, sagte Stadtsprecher Christoph Hüsken.

Mehrere Hausbewohner waren am Montag zu ihren Wohnungen gekommen, um Neuigkeiten zu erfahren und eventuell noch Kleidung oder Gegenstände aus den Wohnungen holen zu können. Aus Sicherheitsgründen war dies jedoch zunächst nicht möglich. Die Stadt konnte ihnen noch nicht sagen, wann sie wieder in ihre Wohnungen können. Ein 29-Jähriger, der zwischenzeitlich bei seinen Eltern untergekommen ist, sagte: „Ich finde es lächerlich, dass man in Nordrhein-Westfalen solche Viecher halten darf.“ Laut Stadtsprecher Hüsken ist die Haltung von Giftschlangen in NRW nicht verboten.

Die Suche nach der Schlange erinnert an den Fall einer Giftschlange, die im März 2010 in Mülheim verschwand und erst nach drei Wochen tot gefunden wurde. Auch dabei handelte es sich um eine Monokelkobra, die mit rund 30 Zentimetern Länge allerdings deutlich kleiner war als die Schlange in Herne. Die Mülheimer Kobra war ebenfalls einem jungen Mann aus einem Terrarium in seiner Wohnung in einem Mehrfamilienhaus ausgebüxt. Auf der Suche nach der Schlange wurde die Wohnung des Schlangenhalters komplett entkernt. Das Tier verendete schließlich auf einem ausgelegten Klebestreifen.

Der Deutsche Tierschutzbund kritisierte die Haltung von Giftschlangen durch einen Privatmann. „Giftschlangen gehören nicht in die Hände von Privatleuten“, sagte Lea Schmitz vom Tierschutzbund. Der Tierschutzbund fordere eine Liste mit Tierarten, die problemlos gehalten werden könnten - Giftschlangen gehörten nicht dazu.

(dpa)
Mehr von Aachener Zeitung