Aachen/Alsdorf: Gesprengte Geldautomaten: Angeklagter bestreitet alles

Aachen/Alsdorf : Gesprengte Geldautomaten: Angeklagter bestreitet alles

Ihre gestohlenen Limousinen haben bis zu 600 PS unter der Haube. Mit ihnen fährt die „Audi-Bande” im Morgengrauen vor, sprengt Geldautomaten mit Gas, rast mit der Beute davon - oft über die niederländische Grenze. Ein 25-jähriger Mann aus den Niederlanden, der zu der Bande gehören und zwei Geldautomaten gesprengt haben soll, steht seit Mittwoch in Aachen vor dem Landgericht.

Einiges in der Anklage deutet darauf hin, dass er Mitglied der so genannten „Audi-Bande” sein könnte. Er selbst bestritt zum Prozessauftakt eine Tatbeteiligung. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm schweren Bandendiebstahl und das Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion vor.

Laut Anklage war der Mann dabei, als im Juni letzten Jahres kurz vor vier Uhr der Geldautomat einer Bank in Alsdorf bei Aachen explodierte. Die drei Täter hätten Sturmhauben und Regenanzüge mit reflektierenden Streifen getragen. Dann flüchteten die Täter mit vier Geldkassetten und 122.000 Euro in einem dieser PS-starken Audis, heißt es in der Anklage. An einer Geldkassette hatte die Polizei offensichtlich DNA-Spuren des Angeklagten gefunden, wie aus dessen Erklärung vor Gericht deutlich wurde.

Er habe dieses Auto gestohlen, ließ der recht entspannt wirkende Angeklagte von seinem Anwalt verlesen. Aber er habe das Auto weiterverkauft an eine „sehr gefährliche Person” in Utrecht. Er habe nicht gewusst, was mit dem Auto danach passieren würde. Später sei er noch mal angerufen worden, weil es nicht ansprang. Bei der Reparatur in einer Garage im niederländischen Grenzort Kerkrade habe er Dinge im Kofferraum beiseite geschoben, darunter wohl auch die Kassette.

Kurz nach der zweiten Sprengung im hessischen Flörsdorf am Main im November wurde der Mann laut Staatsanwaltschaft in der Nähe des Tatfahrzeugs gefasst. Der gestohlene Audi mit 450 PS war an einer Tankstelle abgestellt. Die Täter hatten bei dieser Attacke rund 100.000 Euro erbeutet. Vor Gericht sagte der Angeklagte dazu nichts.

Fahnder gehen davon aus, dass vor allem eine Gruppe aus rund 250 marokkanischstämmigen Niederländern aus dem Raum Utrecht/Amsterdam für die Serie von Automatensprengungen verantwortlich ist. „Das sind diejenigen, die gerne als Profis bezeichnet werden”, hatte LKA-Sprecher Frank Scheulen unlängst festgestellt. Nach Angaben des Landeskriminalamtes NRW ist die Zahl der Attacken in NRW von 67 im vergangenen Jahr auf schon 80 im noch laufenden Jahr gestiegen.

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(dpa)