Aachen: Gespräche über Bombardier: Hoffnung oder Hinhaltetaktik?

Aachen: Gespräche über Bombardier: Hoffnung oder Hinhaltetaktik?

Hoffnungsschimmer oder Hinhaltetaktik? Den Beschluss zur Schließung des Aachener Bombardier-Standorts mit rund 600 Beschäftigten hat der Deutschland-Vorstand des kanadischen Weltkonzerns am Donnerstag ausdrücklich aufrechterhalten - aber gleichzeitig angekündigt, nun zu „ergebnisoffenen Gesprächen” bereit zu sein.

Man wolle an einem Runden Tisch mit Vertretern aus Politik, Stadtverwaltung, Gewerkschaft und Belegschaft teilnehmen, erklärte Bombardier-Sprecher Immo von Fallois am Donnerstag in Aachen. Die Gesprächsrunde soll von der Stadt organisiert werden und am kommenden Mittwoch erstmals zusammentreten.

Bombardier werde dazu seinen Deutschland-Chef Michael Clausecker nach Aachen entsenden, kündigte der Sprecher an und sagte: „Wir wollen nichts unversucht lassen, aber die entscheidende Frage ist, wie wir Arbeit für Aachen generieren können.” Mit fehlenden Aufträgen hatte Bombardier vor Wochenfrist die Schließung des traditionsreichen Aachener Werks begründet.

Diese Gesprächsbereitschaft hatten zwei Vorstandsmitglieder am Vormittag auch dem Wirtschaftsausschuss des Unternehmens mitgeteilt, der - teils begleitet von lautstarken Protesten der Belegschaft - im Aachener Werk tagte. Mehr hatte die Geschäftsleitung allerdings nicht im Gepäck: Die Vorstände hätten erklärt, sie hätten „kein Mandat, eine Aussetzung des Schließungsbeschlusses zu verkünden”, sagte ein Sprecher des Ausschusses, der ein innerbetriebliches Arbeitnehmergremium ist, und fügte hinzu: „Dieses Ergebnis ist für uns ernüchternd.”

Die Beschäftigten in Aachen werden damit auch in den kommenden Wochen zwischen Hoffen und Bangen schweben. Vertreter des Betriebsrats und der IG Metall bezeichneten die neue Entwicklung nach dem in der vorigen Woche noch kategorisch verkündeten Aus gleichwohl positiv. „Es wird Gespräche über Alternativen geben, das werte ich als Erfolg”, sagte der Aachener IG-Metall-Chef Franz-Peter Beckers.

Allerdings warnte er die Geschäftsleitung auch davor, angesichts noch zu erledigender Aufträge eine Hinhaltetaktik zu verfolgen: „Wenn die meinen, sie könnten uns wie einem Esel eine Möhre zum Antrieb vor die Nase halten, dann haben sie sich in den Finger geschnitten.”

Pluspunkte konnten die Manager bei der Belegschaft am Donnerstag im Übrigen nicht sammeln. Dass keiner der Vorstände bereit war, in der Öffentlichkeit zu den Mitarbeitern zu sprechen, provozierte laute Buh-Rufe. „Dafür habe ich überhaupt kein Verständnis, das ist einfach nur feige”, kritisierte Beckers.