Aachen: Gesang und Gebete gegen Zwangsfusion

Aachen: Gesang und Gebete gegen Zwangsfusion

Mit Liedern und Gebeten demonstrierten etwa 100 Gläubige aus den Gemeinden Wassenberg Oberstadt, Myhl und Orsbeck am Samstag vor dem Aachener Dom gegen die Zwangsfusion ihrer Gemeinden. Kürzlich wurde vom Bistum Aachen beschlossen, dass die drei Gemeinden demnächst zusammengelegt werden sollen, hinzu kommen vier weitere Gemeinden aus dem Umkreis.

Außerdem soll der bislang dort eingesetzte Priester Heinz Portz versetzt werden.

Dabei habe der Bischof den Gemeindemitgliedern erst Ende vergangenen Jahres versichert, dass es keine Zwangsfusion und auch keine Versetzungen geben werde, zürnten die Demonstrierenden.

Nun habe man sich über die Köpfe der Mitglieder hinweg für die Fusion entschieden. „Das Schlimmste für uns ist das gebrochene Wort des Bischofs”, erklärte Alexander Dohmen, Vorsitzender des Fördervereins von St. Mariä Himmelfahrt.

Von den Betroffenen wird die Notwendigkeit der Entscheidung nicht gesehen. Sie fühlen sich von ihrem Priester gut betreut, und auch finanziell gehe es den eigenständigen Gemeinden gut genug, hieß es.

Die große Angst ist nun, dass demnächst eine Gemeinde nach der anderen geschlossen wird.

Bei der Kundgebung mit zahlreichen Protestplakaten stimmten die Demonstrierenden Gebete und Gesang an und hielten sich an die Vorgaben der Polizei, was ihren Standort anging. Anlass war die Diakonweihe, die Bischof Heinrich Mussinghoff im Dom vornahm.

„Wir wollen die Feier auf keinen Fall stören”, erklärte Sabine Cremer-Deklerk vom Förderverein von St. Johann Baptist. „Aber wir wollen schließlich auch, dass man unsere Forderungen erhört.”

1800 Unterschriften sammelte man bisher gegen die Zwangsfusion, Kopien hatten die Demonstranten symbolisch an einem Kreuz befestigt. Die originalen Unterschriften sollten eigentlich dem Bischof persönlich übergeben werden.

Dies gelang allerdings nicht. „Der Bischof sollte sich nicht länger hinter seinen Mauern verstecken, sondern zu seiner Entscheidung stehen”, forderte Cremer-Deklerk. „Diese Zwangsfusion ist Nötigung, und wir werden das nicht einfach so hinnehmen.”

Im Namen des Bischofs nahm Pfarrer Rolf-Peter Cremer, Hauptabteilungsleiter Pastoral im Generalvikariat, die Unterschriften entgegen. „Wenn von der Seite des Bistums keine Einsicht kommt, schrecken wir nicht zurück, bis nach Rom zu gehen”, erklärte Cremer-Deklerk.