Köln: Gericht verhängt bis zu sechs Jahre Haft gegen Kunstfälscher

Köln: Gericht verhängt bis zu sechs Jahre Haft gegen Kunstfälscher

Milderes Urteil gegen Geständnis - so ging der Deal in einem der größten deutschen Kunstfälscher-Prozesse der Nachkriegszeit in Köln. Mit einem Strafmaß zwischen einem Jahr und neun Monaten auf Bewährung und sechs Jahren für den Drahtzieher des spektakulären Betrugs fiel das Urteil immerhin vergleichsweise niedrig aus.

Die vier Angeklagten hatten zugegeben, in elf Fällen gefälschte Gemälde bedeutender Expressionisten wie Max Ernst, Max Pechstein und Heinrich Campendonk in den Handel gebracht zu haben. Dabei sollen sie rund 16 Millionen Euro erbeutet haben.

Verfahren erheblich abgekürzt

Mit dem Urteil folgte das Landgericht Köln weitgehend den Forderungen der Staatsanwaltschaft. Durch die Aussagen der Angeklagten wurde der ursprünglich bis ins Frühjahr 2012 angesetzte Prozess deutlich verkürzt. Ihre umfassenden Geständnisse hätten eine „erhebliche Aufklärung ermöglicht und den Fall im Detail erleuchtet, wie es Zeugenaussagen nicht hätten tun können”, sagte der Vorsitzende Richter Wilhelm Kremer.

So hatte Wolfgang B., in dem das Gericht den Initiator und Motor des Betrugs sah, im Prozess gestanden, die Bilder gemalt und seine Komplizen zum Verkauf der Fälschungen angeleitet zu haben. Ihn verurteilte das Gericht wegen gewerbs- und bandenmäßigen schweren Betrugs in Tateinheit mit Urkundenfälschung zu sechs Jahren Haft und unterstellte ihm ein „sehr professionelles Vorgehen” bei der Anfertigung der gefälschten Kunstwerke.

Seine Ehefrau Helene B. und der weitere Angeklagte Otto S. wurden zu Freiheitsstrafen von vier beziehungsweise fünf Jahren verurteilt, da sie die gefälschten Bilder in den Handel gebracht hatten. Am wenigsten eingeweiht in den Betrug war nach Überzeugung des Gerichts die vierte Angeklagte, Jeanette S. Sie kam mit einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und neun Monaten davon.

Prozess scheidet die Geister

Vor der Urteilsverkündung hatte Richter Kremer von „keinem alltäglichen Verfahren” gesprochen. An dem Prozess gegen die vier Kunstfälscher, der bereits Anfang September begonnen hatte, würden sich die Geister scheiden, sagte er. Während die einen die Angeklagten am liebsten „in einem Verlies mit Eisenkugeln” sähen, hätten andere große Sympathie für die Kunstfälscher.

Dies liege sicherlich auch daran, dass „der Kunstmarkt sehr leichtfertig gehandelt hat”, in der Hoffnung, große Summe zu erzielen. Gleichwohl stünden die Angeklagten zu ihrer Verantwortung, was das Gericht ebenfalls als strafmildernd wertete.

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