Mordfall Nicky Verstappen: Gericht lässt große Teile der Brunssummerheide sperren

Mordfall Nicky Verstappen : Gericht lässt große Teile der Brunssummerheide sperren

Mehr als 20 Jahre nach dem Mord an dem damals elfjährigen Nicky Verstappen ermittelt das Maastrichter Gericht am Tatort in der Brunssummerheide. Die Öffentlichkeit ist ausgeschlossen – der Journalistenverband klagt dagegen.

Die spektakulären Nachrichten im Zusammenhang mit den Ermittlungen um den Tod des elfjährigen Nicky Verstappen vor 21 Jahren nehmen kein Ende. Anfang kommender Woche wird im Rahmen eines offiziellen Termins im Vorfeld des Prozesses ein beträchtlicher Teil des Naherholungsgebietes Brunssummerheide nahe der Grenze zu Deutschland gesperrt. Das Gericht will auf Antrag der Staatsanwaltschaft eine Ortsbesichtigung vornehmen, da sie sich Erkenntnisse über die damaligen Gegebenheiten in der Brunssumerheide erhofft.

Die Gemeinde Brunssum hat eine entsprechende Notverordnung erlassen. Der Bereich wird ab Montagabend für 24 Stunden gesperrt, in ihm liegt der Fundort des damals elf Jahre alte Nicky Verstappen, das Ferienlager, aus dem der Junge vor 21 Jahren verschwunden war, und die Stelle, an der der mittlerweile tatverdächtige Jos B. während der Suche nach dem Jungen damals kontrolliert, aber nicht festgenommen worden war. Nach Medienangaben haben die Prozessbeteiligten einen Fußmarsch von etwa fünf Kilometern Länge vor sich.

Die Öffentlichkeit ist bei der Besichtigung ausgeschlossen. Auch Medienvertretern ist eine Begleitung des Ortstermins nicht erlaubt. Die Vereinigung der Chefredakteure und der niederländische Journalistenverband sehen darin eine Beeinträchtigung der Pressefreiheit und haben eine einstweilige Verfügung gegen den Ausschluss beantragt.

Begründet wird das damit, dass die Presse ihrer Informationspflicht gegenüber der Öffentlichkeit nachkommen und die Justiz kontrollieren müsse. Der präventive Ausschluss komme einer Zensur gleich, meint der von den Verbänden und mehreren Tageszeitungen engagierte Rechtsanwalt Christiaan Alberdingk Thijm. Man könne sich ja einigen, nur ein Fernsehteam auf den kilometerlangen Weg in die Heide zu schicken, das dann allen anderen Medien sein Material zur Verfügung stelle.

Auch der Angeklagte Jos B. und die Angehörigen von Nicky Verstappen, die als Nebenkläger auftreten, haben sich auf die Seite der protestierenden Medien gestellt. Eine Entscheidung über die einstweilige Verfügung wird nach Berichten niederländischer Zeitungen am Montagmorgen erwartet.

Dieses Gebiet soll am Montag gesperrt werden: Tatort und Fundort im Mordfall Nicky Verstappen in der Brunssummerheide. Foto: grafik

Der erste Vorab-Termin im Prozess gegen den des Mordes angeklagten Jos B. in Maastricht hatte unter großem Öffentlichkeitsinteresse im Dezember stattgefunden. Der 55-jährige Niederländer ist dringend tatverdächtig, den Jungen im August 1998 aus einem Zeltlager an der deutsch-niederländischen Grenze entführt, missbraucht und getötet zu haben. Spektakuläre DNA-Massengentests und andere Fahndungsmethoden hatten 20 Jahre nach der Tat 2018 zu dem Niederländer geführt. Jos B. bestreitet die Tat, die Staatsanwaltschaft geht von einem Sexualverbrechen aus.

Das eigentliche Gerichtsverfahren soll erst im nächsten Jahr stattfinden. Es ist aber nicht auszuschließen, dass vorher noch andere Vorab-Termine angesetzt werden. Jos B. hat angegeben, eine Erklärung verfasst zu haben, die er aber erst verlesen will, wenn er den Zeitpunkt für geeignet hält.

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