Köln: Gericht entscheidet über ausgefallene Heino-Tournee

Köln: Gericht entscheidet über ausgefallene Heino-Tournee

Für Volksmusikstar Heino geht es am Montag um viel Geld. Dann will das Kölner Landgericht voraussichtlich entscheiden, ob der Sänger auf den Kosten für seine vor zwei Jahren ausgefallene große Deutschlandtournee sitzenbleibt. Der 71-jährige Musiker hatte die über 30 geplanten Konzerte wegen einer plötzlich aufgetretenen Herzerkrankung absagen müssen.

Der Tourneeveranstalter Kult Musik forderte deshalb von der Gothaer Versicherung drei Millionen Euro. Bei dem Versicherungskonzern waren die Konzerte gegen Ausfall versichert worden.

Allerdings weigert sich die Gothaer, für den Schaden einzutreten. Die Versicherung argumentiert, dass Heino vor dem Abschluss der Ausfallversicherung wichtige Fragen zu seinem Gesundheitszustand falsch beantwortet habe. Dies streiten der Sänger und der Konzertveranstalter ab, jetzt muss die 20. Zivilkammer entscheiden, ob die Versicherung zahlen muss.

Bei der mündlichen Verhandlung im Mai hatte der Sänger einen bemerkenswerten Auftritt hingelegt. Zunächst beteuerte er, bis zu seinem akuten Zusammenbruch niemals ernsthaft erkrankt gewesen zu sein - was ihm die Richterin nicht recht glauben wollte. Immerhin verzeichnet seine Patientenakte 120 Arztbesuche in zwei Jahren. Das seine reine Vorsorge und dem fortgeschrittenen Alter geschuldet, wie Heino mit seinem markanten Bariton abwiegelte.

Die Gothaer Versicherung berichtete indes anhand von Krankenblättern unter anderem über Tinnitus, Schwindelanfälle und Rückenschmerzen, die den Sänger angeblich schon vor der abgesagten Tournee plagten - und die von ihm gegenüber der Versicherung nie erwähnt wurden.

Klärungsbedarf sah die Richterin auch bei den 600 Schlaftabletten, die Heino innerhalb von zwei Jahren verordnet bekam. Die seien eigentlich für Gattin Hannelore bestimmt gewesen, verkündete der prominente Zeuge zum Erstaunen der Prozessbeobachter. Tatsächlich offenbarte sich Hannelore später im Zeugenstand als „Fan” der Einschlafpillen. Bei Bedarf seien auch Bandmitglieder mit Tabletten für das Nickerchen zwischendurch versorgt worden.

Heinos Zeugenvernehmung hatte der Richterin jedenfalls nicht die erwünschte Klarheit gebracht - eher im Gegenteil. Endgültigen Aufschluss über die Krankengeschichte des Volksmusikstars soll nun die Aussage von Heinos langjähriger Hausärztin bringen, die den letzten Verhandlungstermin im Mai geschwänzt hatte und deshalb mit einem Ordnungsgeld von 500 Euro belegt wurde.

Danach scheint eine Entscheidung der Kammer möglich, die zum Prozessauftakt am 10. Dezember noch einen Vergleich angeregt hatte. Demnach sollte die Versicherung 40 Prozent der Kosten übernehmen. Dazu war das Unternehmen aber nicht bereit.

Nach der abgesagten Tournee hatte Heino zum ersten Mal in seiner Karriere den Zorn der Fans zu spüren bekommen. Wegen des Streits mit der Versicherung konnten die bereits gekauften Karten für die ausgefallenen Konzerte nicht umgetauscht werden. Als sich keine Einigung abzeichnete, erstattete Heino seinen Fans aus eigener Tasche das Geld für wertlos gewordene Tickets.

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