Aachen: Geparden offiziell im Aachener Tierpark vorgestellt

Aachen: Geparden offiziell im Aachener Tierpark vorgestellt

Die schnellen Jäger haben erste Beute gemacht. Und zwar haben sie die Herzen der Zoobesucher in Rekordzeit gewonnen. Fritzi und Hannibal heißen die beiden Neuzugänge für den Aachener Tierpark.

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Zwei Geparden, wie es noch etwa 25.000 in der afrikanischen Savanne geben soll. Die beiden Öcher Geparden kommen freilich aus Wassenberg.

Denn dort im Heinsberger Land leben Heike und Thomas Staas. Seit zehn Jahren züchten sie Raubkatzen: Serval, Ozelot und Puma. Seit acht Jahren sind es auch Geparden (Acinonyx jubatus). Sie nennen sie die Königsklasse der Raubtiere. Die Brüder Hannibal und Fritzi wurden im Mai 2011 bei ihnen geboren. In ihren Händen wurde die Nabelschnur durchtrennt. Nun stehen sie am Gehege im Aachener Tierpark, Wehmut ist ihr Begleiter, aber letztlich zählt für sie, dass die beiden Tiere glücklich umhertollen. „Diese Anlage ist ein Traum”, sagt Thomas Staas.

Tierpark-Chef Wolfgang Graf-Rudolf hat diesen Traum fast vier Jahre gepflegt. Zwei Jahre hat er geplant, zwei Jahre wurden dann die ehemaligen Affenhäuser aufwendig umgebaut und Vogelhäuser abgerissen. Dann zogen die Haubenkapuziner, eine muntere Affenbande, um und die Pinselohrschweine ein. Sie sind nun die Nachbarn der beiden Geparde, die am Donnerstag erstmals offiziell ihr 2500 Quadratmeter großes Gehege erkundeten. „Es ist ideal, Geparden sind Augentiere, sie wollen alles beobachten”, sagt Staas. Und das können sie hier, denn zwei Hügel bieten einen tollen Überblick auf die neue Heimat.

Es ist der Ruf des rasenden Raubtiers, der den eleganten Katzen vorauseilt. In vier Sekunden können sie eine Geschwindigkeit von 100 Stundenkilometern erreichen und dann etwa 400 Meter dieses Tempo halten. Das entspricht etwa der Beschleunigung eines Porsche Carrera. Eine Gänsehaut haben diese Katzen Graf-Rudolf dann bereitet, als sie die ersten Meter durch ihr neues Domizil schlichen. „Das ist ein besonderer Tag”, sagte er. Hannibal ging voran. Natürlich, denn Staas sagt, er mache seinem Namenspatron, dem antiken Feldherrn, alle Ehre. „Hannibal ist kein Schmusekater”, meint er.

Die Brüder sind Waisenkinder, nachdem ihre Mutter an Nierenversagen gestorben ist. Etwas mehr als ein Jahr sind sie alt, acht bis zwölf Jahre werden Geparden in der Regel - und Brüder bleiben ein Leben lang zusammen. Schon vor ein paar Jahren zählten die Staas in Wassenberg einen Wurf mit fünf Jungtieren und hätten gerne Geparden an den Aachener Tierpark gegeben. Doch damals stimmten die Bedingungen in Drimborn noch nicht. Graf-Rudolf wollte ein großes Gehege, wie es diese Raubkatzen nur ganz selten vorfinden. Damals gingen zwei Tiere nach England, zwei in den Safaripark Stukenbrock und einer nach Tschechien, wo er für die Jagd eingesetzt wird. Aachen und die Geparden fanden nun eben im zweiten Anlauf zusammen. „Besser geht es nicht. Da fällt der Abschied nicht ganz so schwer”, sagt Thomas Staas.

Begrüßt wurden die beiden neuen Stars des Tierparks (Euregiozoo) auch von ihren Paten. Während Fritzis Patenschaft vom Aachener Unternehmen Wotax getragen wird, ist der Aachener Verein „Jugend im Kampf gegen Gewalt” nun Hannibals Förderer. Das lassen sich Firma und Verein jeweils 1600 Euro im Jahr kosten. Denn Geparden sind Gourmets. In ihrer afrikanischen Heimat (in 25 Ländern gibt es sie noch) verspeisen sie bevorzugt Gazellen, die Wassenberger Geparden vertilgen gerne Kaninchen, Hühnchen und Rindfleisch.

Mit dem neuen Gepardengehege endet der größte Umbau des Euregiozoos abseits des Kinderbauernhofes in der Leitung von Wolfgang Graf-Rudolf. Der hat aber längst neue Ideen und Pläne: Ende September wird der Spielplatz mit dem Piratenschiff erneuert, den Erdmännchen und den Muntjaks (asiatische Hirsche) werden neue Hütten gebaut, und der Futterhof braucht einen neuen Boden. Im Frühjahr soll das Känguruareal erweitert werden. „Und dann wollen wir uns noch des Themas Papageien annehmen”, sagt Graf-Rudolf.

Doch langsam, den schnellen Geparden gehört nun erstmal die Aufmerksamkeit. Fernsehkameras verfolgen, wie Hannibal und Fritzi um die Buschhütte in ihrem Gehege herumschleichen, wie sie auf dem Hügel Position beziehen, wie sie sich spielerisch jagen und wie sie miteinander schmusen. „Fritzi ist tatsächlich ein kleiner, verschmuster Kater”, sagt sein Besitzer Staas. Die Tiere sind quasi eine Leihgabe an den Tierpark.

Wenn sie in einem Jahr geschlechtsreif sind, ist Damenbesuch nicht ausgeschlossen. Staas und der Tierpark beteiligen sich an offiziellen Zuchtprogrammen, auf seiner Wassenberger Anlage zählt der Mann mittlerweile 36 Raubkatzen - ohne Fritzi und Hannibal. Die sind direkt in die Herzen der Aachener gerast.