Nideggen: Geologe Franz Richter: Eine Reise in die Zeit, als die Eifel eine Wüste war

Nideggen : Geologe Franz Richter: Eine Reise in die Zeit, als die Eifel eine Wüste war

Der Geologe Franz Richter hat einen Plan: „Die Besucher werde ich in eine Zeitmaschine setzen und ihnen zeigen, wie es früher war, vor rund 250 Millionen Jahren.“ Natürlich wird es eine imaginäre Zeitmaschine sein und vor allem die Zeit vor den 250 Millionen Jahren wird beleuchtet werden.

Der Anlass für diese Aktion ist der Tag des Geotops am Sonntag, 16. September. Der Titel für die Teilnehmer der Zeitreise in Nideggen lautet „Als die Eifel noch Wüste war“.

Ein Flussbett? In Nideggen? Der Geologe Franz Richter nimmt zum Tag des Geotops am 16. September die Teilnehmer auf eine überraschende Reise in uralte Zeiten mit. Foto: Gudrun Klinkhammer

Generell steht der Aktionstag unter dem Titel „Wir machen uns stark für den Untergrund“. „So wie es Biotope gibt, deren lebender Inhalt in Form von seltenen Pflanzen und Tieren schützenswert ist, gibt es auch Geotope“, sagt Franz Richter. Hier ist das Gestein und der Boden das, was es zu schützen und zu erklären gilt, da sie seltene Besonderheiten aufweisen. Nideggen an der Rur in der Eifel steht auf einem solchen bemerkenswerten Boden. „Die Eifel ist ein Mittelgebirge, an deren Grenzen die Städte Aachen, Bonn, Koblenz und Trier zu finden sind“, sagt Richter. 5300 Quadratkilometer verteilen sich auf Nord- und Südeifel, die Teile des Rheinischen Schiefergebirges sind. Höchste Erhebung ist die Hohe Acht, ein Basaltkegel in der Vulkaneifel, 747 Meter hoch. Nideggen liegt in der Nordeifel. Gebäude, Burg und Kirche des Kernortes wurden aus rotem Sandstein des Mittleren Buntsandsteins errichtet.

Der erfahrene Geologe malt eine für die Vorzeit trostlose Szenerie: „Vor circa 550 Millionen Jahren war das Gebiet der Nordeifel ein tiefer, sauerstoffarmer Meeresraum, der arm an Leben war.“ Vom Land wurden damals tonreiche Sedimente abgesetzt. Danach, vor rund 400 Millionen Jahren (Devon) lag die Eifel im Bereich eines flachen Meeresbeckens, vor 350 Millionen Jahren (Karbon) war das Gebiet wieder Festland, mit Steinkohlewäldern an der Küste zum Meer im Norden. In der Buntsandsteinzeit vor etwa 250 Millionen Jahren dehnte sich dort, wo heute Nideggen liegt, eine gebirgige rote Wüste mit Schutt und meist trockenen Flussbetten.

Meeresrauschen in der Eifel

Richter führt die Teilnehmer der Exkursion während des Weges von der Jugendherberge in Nideggen bis hin zur Nideggener Burg zurück in diese uralten Zeiten, berichtet von sauerstoffarmer Luft, von Meeresrauschen, einer roten Wüste und starken Stürmen — und immer wieder weist er auf sichtbare Zeugnisse hin.

Er führt die Teilnehmer zum Beispiel zu einer Aussichtsplattform in der Nähe der Nideggener Jugendherberge. Von dort aus hat man einen offenen Blick ins Rurtal. Wer dann aber nach unten schaut, direkt auf die Füße, für den besteht kein Zweifel mehr: Unter den Sohlen befindet sich ein uraltes Flussbett.

„Wir fangen bei Adam und Eva an und hören im Hier und Jetzt auf“, sagt Franz Richter über die dreistündige Führung. Ein vollmundiges Versprechen, das er angesichts seiner Vita einhalten dürfte: Richter war bis zu seiner Pensionierung beim Geologischen Dienst mit Sitz in Krefeld.