Aachen: Gemeinsame Tarifstruktur: Monatskarten deutlich teurer

Aachen: Gemeinsame Tarifstruktur: Monatskarten deutlich teurer

Die Nahverkehrskooperation zwischen dem Aachener Verkehrsverbund (AVV) und dem Verkehrsverbund Rhein-Sieg (VRS) geht in die nächste Runde und schafft einen einheitlichen Verbundtarif zwischen den beiden Verbünden. Konkret heißt das: Ab 1. Januar kaufen Bahn- und Buskunden, die sich zwischen den Gebieten von AVV und VRS bewegen, VRS-Tickets.

Bisher galten hier vier verschiedene Tarife. Den meistbenutzten Tarif auf diesen Strecken, das NRW-Ticket für die verbundübergreifende Reise zum Beispiel von Aachen nach Köln oder Bonn, wird es nicht mehr geben. Auch die BahnCard 25 und 50 sind ab Januar in beiden Verbünden nur noch für IC/ICE-Züge gültig, nicht mehr für Regionalzüge. Unberührt von der Neuerung bleibt einzig das NRW-Semesterticket für Studenten sowie der AVV-Tarif innerhalb des AVV-Netzes.

Für die betroffenen Kunden bedeutet die Umstellung nicht nur neue Tickets mit neuem Namen, sondern teilweise auch neue räumliche Gültigkeiten. So können Schüler- und Jobtickets beider Verbünde ohne Aufschlag jeweils eine Gemeinde weiter im Gebiet des jeweils anderen Verbunds genutzt werden. Nutznießer dieser Regelung wohnen allerdings nur in Grenzgemeinden wie Titz, Merzenich, Monschau oder Vettweiß.

Für viele Nutzer des Öffentlichen Nahverkehrs bringt die neue Tarifstruktur Verbesserungen — trotz der jährlichen Tariferhöhung sogar finanzieller Art. So werden zum Beispiel die Preise für das Schöner-Monatsticket im Abo für Senioren (ab 60 Jahre) deutlich günstiger: Auf der weitesten aller Strecken, Aachen-Köln, kostet dieses Ticket künftig 125,90 statt bisher 226 Euro. Auch die Tagestickets, die für bis zu fünf Personen gelten, kosten nächstes Jahr weniger als jetzt im NRW-Tarif, nämlich 41 statt 42 Euro für die Strecke Aachen-Köln.

Leidtragende des neuen Systems, das deutlich die Handschrift des wesentlich größeren und in Köln beheimateten Verkehrsverbunds Rhein Sieg (VRS) trägt, sind die Abonnenten von Monatstickets, die weite Wege haben. Berufspendler, denen der Arbeitgeber kein Jobticket zur Verfügung stellt, müssen im VRS-Tarif das „Schöner-Monatticket“ buchen. Der Name führt in die Irre, denn hier bewegen sich die Preissteigerungen zwischen zwei und 18 (!) Prozent.

Für die Kooperation mit dem AVV wurde die VRS-Tarifstruktur um die Preisstufen 6 und 7 erweitert. Die bezieht sich auf weit entfernte Strecken wie Aachen-Köln oder Heinsberg-Köln. Für die Strecke Langerwehe-Köln kommt die bereits bestehende VRS-Preisstufe 5 zum Tragen. Die Langerweher Bahnfahrer trifft damit eine kaum vorstellbare Preiserhöhung von 18 Prozent gegenüber dem heutigen NRW-Tarif. Verstehen kann das niemand und erklären auch nicht. Holger Klein vom VRS sagt: „Wir mussten darauf achten, dass keine Mindererlöse entstehen.“ Die ersten Beschwerden aus Langerwehe liegen schon schriftlich bei Ministerpräsidentin Hannelore Kraft in Düsseldorf.

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