Aachen/Düren/Heinsberg: Geldabheben wird teuer: Sparkassen nehmen Gebühren

Aachen/Düren/Heinsberg : Geldabheben wird teuer: Sparkassen nehmen Gebühren

Still und leise haben mittlerweile mehr als 40 der knapp 400 Sparkassen in Deutschland die gebührenfreie Bargeldversorgung für ihre Kunden eingeschränkt oder sogar ganz abgeschafft. Dies geht aus einer Erhebung des Finanzportals biallo.de hervor. Wie sieht es bei Sparkassen in der Region aus?

Deren Kunden werden bislang zwar grundsätzlich noch nicht zur Kasse gebeten. Die Kreissparkasse Heinsberg berechnet allerdings — zumindest bei einem Kontomodell mit vergleichsweise geringer Grundgebühr — 40 Cent pro Buchungsposten, die dann fällig werden, wenn der Kunde mit seiner Karte bei fremden Sparkassenautomaten Geld abhebt.

Damit droht Verbrauchern ein neuer Trend: 23 der roten Geldhäuser gehen wie die Sparkasse Erding-Dorfen bei München vor. Deren Kunden, die sich für das günstigste Kontomodell entscheiden, dürfen zwar zweimal am Schalter und viermal im Monat kostenlos am Automaten Geld mit der Sparkassen Card abheben. Danach sind jedoch jedesmal 0,29 Cent fällig.

Ein Euro pro Abbuchung

Sogar einen Euro verlangt die Sparkasse Wittgenstein, wenn deren Kunden das Kontingent von fünf gebührenfreien Abhebungen ausgeschöpft haben. Die Sparkasse Rottach-Inn begnügt sich einerseits mit 0,50 Euro, aber erlaubt nur zwei kostenlose Abhebungen im Monat. Mindestens 20 Sparkassen haben sogar jegliche Gebührenfreiheit beim Abheben an eigenen Automaten und im deutschen Sparkassen-Verbund abgeschafft. Sie kassieren also jedesmal. Das sind etwa die Sparkassen in Grebenstein und Bad Sachsa. Sie stellen ihren Kunden dafür 0,50 Euro in Rechnung. Weitere Beispiele in NRW sind die Kreissparkasse Euskirchen sowie der Stadt-Sparkasse Haan. Dort sollten Kunden genauer ins Kleingedruckte ihrer Verträge schauen.

Ist das erst der Anfang? Werden noch mehr nachziehen? „Das ist zu befürchten“, meint Andrea Heyer von der Verbraucherzentrale Sachsen in Leipzig zu Biallo. Und Josephine Steffen vom Berliner Verbraucherschutzministerium kommentiert: „Es obliegt selbstverständlich jedem Kunden und jeder Kundin nach einer Erhöhung von Entgelten selbst zu entscheiden, ob der Wechsel zu einer anderen Bank für sinnvoll erachtet wird.“

Allerdings: Fast jede der aufgelisteten Sparkassen bietet auch Kontomodelle an, bei denen die Kunden nach wie vor kostenlos Bargeld abheben können. Welches Model sich rechnet, hängt letztlich vom eigenen Nutzungsverhalten ab.

Privatkunden der Sparkasse Aachen kommen indes grundsätzlich an jedem Automaten des Sparkassen-Verbunds in Deutschland ohne versteckte Zusatzkosten an ihr Geld, sagt Erich Timmermanns, Sprecher der Sparkasse Aachen. „Wir planen derzeit auch keine Änderung dieser Praxis.“ Dies betont auch Dirk Hürtgen von der Sparkasse Düren.

Das Kontomodell überdenken

Nicht immer sind die Kosten aber auf den ersten Blick ersichtlich. Im Kreis Heinsberg etwa bewirbt die Sparkasse ihr Kontomodell „S-Classic“ (4 Euro monatlich) mit dem Slogan: „Kostenfrei abheben an mehr als 25.000 Spar­kassen-Geld­automaten in ganz Deutschland.“ Erst unter dem Punkt „Buchungskosten“ werden die tatsächlich anfallenden Gebühren von 40 Cent bei fremden Sparkassenautomaten ersichtlich — Abbuchungen an eigenen Automaten sind in jedem Fall kostenfrei.

Ärgern sich Kunden über zusätzliche Gebühren, sollten sie sich andere Kontomodelle ansehen, sagt Thomas Aymans von der Kreissparkasse Heinsberg. Dafür müssen Sie einen höheren Monatspreis in Kauf nehmen (8 Euro für das Modell „S-Komfort“) oder ein reines Online-Konto (3 Euro) wählen.

„Wenn Kunden ohnehin schon Online-Banking machen oder das planen, sollten Sie überprüfen, ob es nicht Sinn macht, zu einer Internetbank zu wechseln“, raten unterdessen die unabhängigen Experten von Biallo. Kostenfreies Abheben bieten mittlerweile eine Reihe von Online-Instituten.

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