Aachen: Geiselnahme sorgt für Chaos in der Innenstadt

Aachen: Geiselnahme sorgt für Chaos in der Innenstadt

Es ist genau 15.57 Uhr an diesem kühlen Montagnachmittag, als ein Mann die Bankfiliale an der Ecke Blondelstraße/Peterstraße betritt. Kaum 15 Minuten später fahren rundherum Karawanen von Polizeifahrzeugen auf. Und zwar nicht alleine aus Aachen, sondern aus der gesamten Städteregion.

Auch die Dürener Polizei sendet etliche Kräfte zur Unterstützung in die Aachener Innenstadt. Zunächst gibt es nur relativ konfuse Informationen darüber, was sich in der Bank abgespielt hat oder zu diesem Zeitpunkt noch abspielt. Zwischenzeitlich allerdings erhält die Polizei einen Anruf aus der Filiale. Danach ist klar: Hier handelt es sich um eine Geiselnahme. Der Täter hat dort drei Männer und eine Frau in seiner Gewalt.

Der Bushof wird indes zu einer Fahrzeug-Abstellhalle für die Polizei. Streifenwagen reiht sich an Streifenwagen. In direkter Nähe der Bank hält sich die Polizei hingegen zunächst noch merklich zurück. Erst einmal geht dort alles mehr oder weniger seinen gewohnten Gang - Autos und Busse fahren über Peter- und Blondelstraße, Fußgänger gehen ihres Weges.

Doch auch das ändert sich kurz vor halb fünf schlagartig. Denn nun wird der Einsatzbefehl gegeben, weiträumig abzusperren. Kein Fahrzeug und kein Fußgänger sollen den Bereich des Tatorts passieren. Da gibt es für die Polizei einiges zu tun, schließlich spielt sich das Ganze genau zur Berufsverkehrszeit ab. Sperren werden am Hansemannplatz aufgebaut, ebenso am Willy-Brandt-Platz, am Elisenbrunnen und an der Ecke Kurhaus-/Komphausbadstraße. Das bedeutet vor allem: Aachens Hauptachse für den Linienverkehr der Aseag ist unterbunden. An den Haltestellen bilden sich Menschentrauben, vor allem am Elisenbrunnen stauen sich die Busse, die nicht mehr wegkommen.

Möglicherweise eine Art Kurzschlusshandlung

Im Bushof selber reißt der Strom der Polizeieinsatzfahrzeuge nicht ab. In flottem Tempo fahren nun auch Spezialeinsatzkräfte vor und bereiten sich auf einen möglichen Einsatz in der Bank vor. Sturmhauben werden aufgesetzt, schusssichere Westen hervorgeholt und das Waffenarsenal parat gemacht.

Wie der Täter selbst bewaffnet ist, ist nicht ganz klar, wie Polizeisprecher Paul Kemen vor Ort sagt: „Wir wissen nur, dass es eine Art spitzer Gegenstand sein soll.” Eine Schusswaffe ist aber offenbar nicht im Spiel. Unklar ist auch noch die Motivlage des Täters. Die Polizei glaubt jedoch, dass der Mann in der Bank kein Unbekannter ist und es bei der Geiselnahme möglicherweise um eine Art Kurzschlusshandlung geht, nachdem ihm ein Kredit verweigert wurde.

Als sich die Spezialkräfte noch vorbereiten, es ist nun kurz nach 17 Uhr, wird es plötzlich vor dem Bankeingang hektisch. Polizisten werfen sich über einen Mann, der am Boden liegend gefesselt und bis auf die Unterhose ausgezogen wird. Es ist der Geiselnehmer, der sich offenbar freiwillig gestellt hat. Ein Polizeibulli rast aus dem Bushof in die Blondelstraße, der Täter wird eingeladen und Richtung Polizeipräsidium gefahren. Offenbar sind alle Geiseln wohlauf.

Erleichterung macht sich breit

Während sich rundherum Erleichterung breit macht, sind die Folgen der Geiselnahme allerdings noch in weiten Teilen der Innenstadt spürbar - in Form eines massiven Verkehrschaos. Die Aseag fährt auf etlichen Linien Umleitungen. Auf rund zehn Linien kommt es zu größeren Verspätungen, wie Aseag-Sprecherin Anne Linden später bilanziert. Am Elisenbrunnen „knubbelt” es sich derweil immer noch. Dennoch: „Laut unserer Leitstelle sind wir noch mit einem blauen Auge davongekommen”, so Linden. Die Polizei habe frühzeitig den Hinweis gegeben, dass der Bereich abgeriegelt wird. So konnte man sich einigermaßen darauf einstellen. Immerhin werden im Bereich Bushof/Elisenbrunnen täglich über 30.000 Fahrgäste transportiert.

Es ist 17.45 Uhr, als die Polizei die Sperrungen schließlich aufhebt und sich die Lage in der Innenstadt normalisiert. Der Geiselnehmer sitzt zu diesem Zeitpunkt schon bei der Vernehmung im Präsidium.

Am Dienstagmorgen wird der 38-Jährige in die Psychiatrie eingeliefert. Mittlerweile ist klar, dass er seine Psychologin und drei Angestellte als Geiseln genommen hatte. Der Frau habe er einen Kugelschreiber an die Halsschlagader gehalten und gedroht zuzustechen, so die Polizei. Er habe eine Summe von 200.000 Euro gefordert.

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