Eschweiler: Geiselgangster Rösner: Erster Freigang durch Eschweiler

Eschweiler : Geiselgangster Rösner: Erster Freigang durch Eschweiler

Der Gladbecker Geiselgangster Hans-Jürgen Rösner (58) hat zum ersten Mal nach 27 Jahren Haft das Gefängnis für einen mehrstündigen Ausflug verlassen. Nach Angaben seines Anwalts Rainer Dietz wurde Rösner von drei Beamten vier Stunden lang in Eschweiler ausgeführt und war dabei mit einer speziellen Hand- und Fußfessel gesichert.

Der Vorgang „Rösner“ liegt auch bei NRW-Justizminister Thomas Kutschaty. Hoch brisant ist die Causa des in Aachen inhaftierten Mannes, der im August 1988 mit seinem Komplizen Dieter Degowski die Filiale der Deutschen Bank in Gladbeck überfallen hat und mit seiner dreitägigen Geiselfahrt, die drei Menschen das Leben kostete, ganz Deutschland veränderte.

Jetzt durfte Rösner zum ersten Mal seit seiner Inhaftierung auf einem dreistündigen Ausgang an die frische Luft. Die Ausführung sei eine Maßnahme zur „Aufrechterhaltung der Lebenstüchtigkeit“, sagte Detlef Feige, Sprecher des NRW-Justizministeriums: „Er kann mal sehen, wie sich die Welt nach 27 Jahren verändert hat.“

Dietz hatte mit verschiedensten Eingaben und bei Haftprüfungsbegehren darauf gepocht, dass dem Geiselgangster, dem zum ersten Mal im August 2016 die Möglichkeit zusteht, eine Freilassung auf Bewährung zu beantragen, eine Ausführung in Begleitung von Beamten zusteht.

Die Aachener JVA mit Leiterin Reina Blikslager war vor einem Jahr bereits bereit gewesen, den Häftling in die Freiheit zu führen. Die Bedingung: Wegen der fortbestehenden Prominenz des Inhaftierten sollte die Ausführung überraschend und ohne jede Ankündigung vonstattengehen. Das war nun Rösner nicht Recht, er müsse sich darauf vorbereiten können, hieß es damals. Zudem hat Rösner es in der Vergangenheit nach Angabe des Ministeriumssprechers abgelehnt, die spezielle Fußfessel zu tragen, eine Kombination aus Hand- und Fußfessel unter der Kleidung.

Dietz sagte am Donnerstag gegenüber unserer Zeitung: „Mein Mandant hatte erhebliche Angst vor dieser Ausführung.“ Er, Rösner, habe nicht gewusst, ob man ihn auf der Straße möglicherweise erkennen und ihn beschimpfen werde, sagte Dietz. „Das alles ist aber nicht eingetreten.“

Rösner müsse seine Strafe bis mindestens Juni 2016 verbüßen, sagte Feige. Bedingung für eine Haftentlassung seien „umfassende“ Lockerungsmaßnahmen — beispielsweise ohne Fessel und mit nur einem Betreuer ausgehen. „Das ist zur Zeit nicht der Fall, weil er aus unserer aktuellen Sicht nicht lockerungsgeeignet scheint“, sagte Feige. Nach Einschätzung des Ministeriums sei nicht davon auszugehen, dass Rösner 2016 aus der Haft entlassen werde.