Düsseldorf: Gebauer erwägt Rückkehr zu verbindlicher Grundschulempfehlung

Düsseldorf: Gebauer erwägt Rückkehr zu verbindlicher Grundschulempfehlung

Die nordrhein-westfälische Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) hat eine Rückkehr zur verbindlichen Empfehlung für Viertklässler beim Wechsel auf weiterführende Schulen ins Gespräch gebracht. Lehrer aller Schulformen hätten den entsprechenden Wunsch geäußert, sagte Gebauer.

Das sei gerade für eine Liberale zwar eine schwierige Entscheidung. „Ich muss die Wünsche der Schulen gegen das hohe Gut des Elternwillens abwägen.” Wenn aber die Schulen einen solchen Wunsch äußerten, dann sollte die Landesregierung „darüber nachdenken dürfen”.

Das verbindliche Grundschulgutachten war unter Rot-Grün 2011 abgeschafft worden. Zwar gibt es weiterhin förmliche Schulempfehlungen. Aber entscheidend bei der Wahl der Schulform ist seitdem der Elternwille. Seit 2011 stieg die Zahl der Schüler, die das Gymnasium zum Ende der Erprobungsstufe nach der sechsten Klasse verlassen, von knapp 2190 auf rund 2770 Abbrecher im Jahr 2016.

Das Schulministerium verwies am Montag darauf, dass keine Entscheidungen getroffen seien. Allerdings würden im Rahmen des sogenannten Masterplans zur Reform der Grundschulen alle Bereiche analysiert. Dazu gehörten auch die Schulempfehlungen. Der „Masterplan” soll dieses Jahr vorgelegt werden.

Im schwarz-gelben Koalitionsvertrag wird zumindest verklausuliert die Option für eine Stärkung der Position der Schulen angedeutet: „Wir wollen bei der Aufnahme der Schülerinnen und Schüler die Entscheidungsmöglichkeiten der Schulen aufgrund ihres Bildungsauftrags stärken”, heißt es darin.

Unterschiedliche Schulformempfehlungen

Bis 2006 konnten Eltern in NRW die Schulform ihrer Kinder frei entscheiden. Nach dem Amtsantritt der damaligen CDU/FDP-Regierung wurde die Verbindlichkeit des Grundschulgutachtens erhöht. Hatte das Kind beispielsweise nur eine eingeschränkte Empfehlung etwa fürs Gymnasium, gab es ein verpflichtendes Beratungsgespräch an der gewünschten Schule. Danach konnten die Eltern weiter frei entscheiden. Die Zahl der Abbrecher am Gymnasium nach der sechsten Klasse sank während der CDU/FDP-Regierungszeit von einem Höchststand von 3360 Schülern im Jahr 2007 auf knapp 2190 im Jahr 2011.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) erteilte den Überlegungen bereits eine Absage: „Bei vielen Kindern ist es einfach zu früh, im Alter von 9,5 Jahren über den möglichen schulischen Bildungsgang zu entscheiden”, heißt es in einer Mitteilung der GEW. Gleiche Noten führten außerdem zu unterschiedlichen Schulformempfehlungen. Viele Eltern hielten sich ohnehin an die Einschätzung der Grundschule.

Auch der Grünen-Landesvorsitzende Felix Banaszak warnte vor einer Rückkehr zu verbindlichen Schulempfehlungen: „Stress und Leistungsdruck in den dritten und vierten Klassen würden noch größer”, sagte er. Das sei auch nicht im Interesse der Grundschullehrer.

Die SPD bezeichnete eine mögliche Wiedereinführung als „Rückschritt”. Der schulpolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, Jochen Ott, plädierte für eine Stärkung der Schulen des längeren gemeinsamen Lernens: „Die Bildungswege und Karrierechancen der Kinder werden da nicht durch die Entscheidung eines einzelnen Lehrers bereits in der dritten Klasse entschieden.” Vielmehr würden sich die Kinder dort im Laufe ihrer Schullaufbahn entwickeln und so Wege einschlagen, die niemand in der Grundschule vorhersagen könne.

(dpa)
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