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Düsseldorf: „Ganove ist kein Beruf mit Zukunft mehr”

Düsseldorf : „Ganove ist kein Beruf mit Zukunft mehr”

Angesichts der heutigen Möglichkeiten der DNA-Analyse(„genetischer Fingerabdruck”) ist „Ganove kein Beruf mit Zukunft” mehr.

Diese optimistische Ansicht vertritt Hartmut Rohmer (59), als Chef des Düsseldorfer Landeskriminalamts einer der ranghöchsten Kriminalisten Deutschlands. In einem Gespräch mit unserer Zeitung zog er Bilanz von neun Jahren an der Spitze des größten deutschen LKA zog. Rohmer geht am 19.Januar in Pension. Sein Nachfolger wird Wolfgang Gatzke, der zuvor auch bei der Polizei in Düren und Aachen gearbeitet hat.

Die DNA-Analyse habe der Polizei „einen Quantensprung” beschert, so Rohmer. „Eine Reihe von Tätern, die sich längst in Sicherheit wähnten, konnte viele Jahre nach der Tat mit DNA doch noch überführt werden.” Allein in NRW erzielte die Polizei im vergangenen Jahr durch Recherche in der DNA-Datei 1800 Treffer. Die DNA-Datei des Bundeskriminalamts umfasste am Jahresende bereits 275000 Personen und 50000 Tatortspuren.

„Bald wird jeder Intensivtäter in der Datei erfasst sein und kann nach der nächsten Straftat, bei der er Spuren hinterlässt, überführt werden”, prognostiziert Rohmer. Voraussetzung sei jedoch, dass die Polizei jetzt auch genug Spezialisten bekomme, die Tatort-Spuren - „auch den letzten Hautpartikel und die winzigste Schweißspur” - entdecken und sichern können. „Noch sind wir leider nicht so weit, dass wir auch zu jedem Einbruch die große Spurensicherung ausrücken lassen können, wie es bei Kapitalverbrechen üblich ist.”

Zu den wesentlichen Fortschritten der polizeilichen Verbrechensbekämpfung der letzten Jahre zählt Rohmer die Zielfahndung nach Topkriminellen. Jetzt müssten vor allem Wissenschaft und Forschung verstärkt gegen das Verbrechen eingesetzt werden: „Wir brauchen mehr Analyse und Forschung, um Entwicklungen der Kriminalität frühzeitig erkennen und gegensteuern zu können.” Im LKA wird deshalb gegenwärtig eine „Kriminologisch-kriminalistische Forschungsstelle” aufgebaut.

Ein Beispiel für eine Lücke, die jetzt mit wissenschaftlichem Einsatz geschlossen wird, ist laut Rohmer eine Untersuchung über das genaue Ausmaß krimineller Aktivitäten junger Aussiedler. In letzter Zeit war mehrfach aufgefallen, dass junge Aussiedler bei besonders brutalen Raubüberfällen und Einbrüchen eine unrühmliche Rolle spielen.

Rohmer beklagte, dass die offenen Grenzen zunehmend von äußerst mobilen Tätern genutzt werden und dass unter dem riesigen Kräfteeinsatz gegen den neuen Terrorismus derzeit alle übrigen polizeilichen Arbeitsbereiche leiden. Obwohl wegen der knappen Mittel an eine personelle Verstärkung für die Polizei nicht zu denken ist, richtet das LKA gegenwärtig in einem personellen Kraftakt ein neues Dezernat mit 27 Beamten ein, die große Korruptionsfälle aufrollen und auch initiativ in Bereiche hineinleuchten sollen, die besonders anfällig für Korruption sein können. „Noch vor wenigen Jahren hieß es: Korruption gibt es bei uns nicht, allenfalls einmal einen Einzelfall. Wir wissen es inzwischen besser.”