Aachen: Fußball mit Symbolkraft: Stoppt Tihange

Aachen: Fußball mit Symbolkraft: Stoppt Tihange

Politische oder religiöse Veranstaltungen untersagt das Fifa-Statut. Der Fußball darf nicht missbraucht werden, regelt der Weltverband, der ansonsten nicht so zimperlich ist, wenn es um eigene Interessen geht. Tief im Westen regt sich Widerstand. Der Fußball soll durchaus plakativ genutzt werden, um auf ein drängendes Problem hinzuweisen: „Stoppt Tihange“.

So steht es auf den Trikots der beiden Teams, wenn sich Alemannia und Kölns U 21 am Tivoli treffen, so lautet das Motto einer ziemlich einmaligen Aktion. Beim zuständigen Fußballverband Mittelrhein waren sie überrascht, als die Anfrage eintrudelte. So etwas gab es noch nie. Nach Rücksprache — zumindest mit dem DFB — wurde die Veranstaltung mit der eindeutigen Botschaft genehmigt. „Das ist auch keine politische, sondern eine gesellschaftliche Nachricht“, sagt Helmut Etschenberg.

Der Städteregionsrat und auch Aachens Oberbürgermeister Marcel Philipp gehen juristisch gegen das marode Atomkraftwerk vor. Die beiden Politiker warben gestern für die Partie, die am 12. November um 14 Uhr am Tivoli angepfiffen werden soll. „Wir sind sehr dankbar, dass der Traditionsverein sich dieser Problematik stellt und einem gesellschaftlichen Auftrag nachkommt. Das ist beispiellos“, rühmt Etschenberg.

„Kein Thema bewegt so sehr“

Noch am Donnerstag war eine Alemannia-Delegation zu einer Sitzung in der Städteregion eingeladen, als ein Gutachter die drohenden „besorgniserregenden Szenarien“ im Fall eines nuklearen Unfalls beängstigend erläuterte. „Kein Thema bewegt die Region so sehr“, ist auch die Bilanz von Alemannias Aufsichtsratschef Christian Steinborn. Der Schulterschluss endet nicht an den Stadtgrenzen. Auch Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker machte sich für das Projekt stark. Die Trikotsponsoren beider Klubs verzichten an diesem Tag auf ihren Schriftzug zugunsten einer wohl besseren Botschaft: „Stoppt Tihange.“

Eintrittskarten kosten einheitlich auf allen Plätzen fünf Euro, bislang sind knapp 8000 Tickets verkauft. Das Ziel ist definiert: „Wir möchten das Stadion voll bekommen“, sagt Steinborn. Gespräche laufen, dass die ungewöhnliche Partie noch live übertragen wird.

Der Ticketzähler wird wieder aktiviert, kündigt Geschäftsführer Timo Skrzypski an, kurzfristig wurden Shirts (5 Euro) und Schals (7,50) mit dem entsprechenden Slogan angefertigt. Die Aachener tragen Sondertrikots, die danach für den guten Zweck versteigert werden. Der gute Zweck ist definiert, mit dem Erlös wird die grenzüberschreitende Initiative gegen das Atomkraftwerk „Stop Tihange“ unterstützt. Der klamme Regionalligist kann Geld gerade zwar gut gebrauchen, aber in diesem Fall gehe es eindeutig um wichtigere Dinge, sagt Steinborn.

Alemannia reicht einen möglichen Gewinn nach Abzug der Kosten weiter, der sich voraussichtlich im fünfstelligen Bereich einpendeln wird. Jörg Schellenberg vom Aktionsbündnis wird auch am Spieltag auf die „tickende Zeitbombe“ hinweisen. Der Aktivist begrüßte schon gestern die ungewöhnliche Form des Protests. „Das ist eine ganz neue Dimension und ein sehr beeindruckendes Zeichen, dass sich zwei Teams und tausende Fans in einem Stadion für ein gemeinsames Ziel aussprechen.“

Aufsichtsrat Tim Hammer wundert sich, wie „gering die Sensibilität in Belgien für das Thema ist“. Das soll sich ändern, sind sich die Veranstalter des Spiels einig. „Wir wollen laut genug auf das Thema hinweisen.“ Möglichst mit 32 960 Besuchern am Tivoli, von dem ein starkes Symbol der Besorgnis ausgehen soll.

Tickets gibt es unter der Hotline: 01805/018011, unter www.alemannia-tickets.de und in den Vorverkaufsstellen des Zeitungsverlags Aachen.