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Haarige Angelegenheit: Friseurverbot hinter Gittern

Haarige Angelegenheit : Friseurverbot hinter Gittern

Wachsen lassen oder radikaler Kurzhaarschnitt: Auch die Häftlinge in Nordrhein-Westfalens Gefängnissen müssen auf die Inanspruchnahme eines Friseurs derzeit verzichten. Not macht erfinderisch.

Den mehr als 14.000 Gefängnisinsassen in Nordrhein-Westfalen geht es in Sachen Haarpracht nicht besser als den Bürgern draußen in Freiheit: Wegen der Coronavirus-Pandemie darf kein Friseur die Gefängnisse betreten, aus Furcht, dass er das Coronavirus einschleppen könnte.

Dennoch sei aus den Gefangenen kein Haufen Langhaariger geworden, versichern Leiter und Sprecher verschiedener Anstalten. „Das bewältigen wir derzeit mit Bordmitteln. Die Gefangenen helfen sich untereinander – wie zuhause die Familienmitglieder auch“, sagt Andreas Kaiser, Verwaltungsleiter der JVA Werl. „Im Zweifel heißt das: Wachsen lassen. Der Friseur kommt jedenfalls nicht rein.“

Beate Peters, Chefin der JVA Düsseldorf, beobachtet, obwohl auch dort kein Friseur durch die Pforte kommt, sogar einen Trend zum praktischen Kurzhaarschnitt bei den Gefangenen. „Der ist bei uns in Mode gekommen“, sagt Peters. Der Grund seien Trockenhaarschneider, mit denen sich die Gefangenen die Frisur stutzen dürfen: „Nach der Do-it-yourself-Methode.“

Auf der Suche nach neuem Friseur

Beim erlaubten Zwei-Mann-Umschluss ist dabei auch die Hilfe des jeweils anderen Gefangenen erlaubt. Dennoch ist die JVA auf der Suche nach einem Friseur – für die Zeit nach dem Lockdown. Der bisherige Anstaltsfriseur hat seinen Vertrag gekündigt, wie die „Rheinische Post“ berichtet hatte.

Auch in die JVA Bochum dürfen derzeit keine Friseure – außer, sie haben selbst Straftaten begangen. Was für die Gefangenen verschmerzbar scheint, denn sie haben nicht nur Haar- und Bartschneidemaschinen, sondern auch einen handwerklich begabten Gefangenen, der sich die Kunst des Haareschneidens selbst beigebracht hat.

„Der darf mit Handschuhen, Maske und Schutzschild weiterschneiden“, sagte JVA-Sprecherin Candida Tunkel auf Anfrage. Denn die Gefangenen seien als geschlossene Gruppe ohne Kontakt nach draußen geschützt. „Jeder Gefangene, der neu zu uns kommt, durchläuft eine 14-tägige Quarantäne.“ Für die Bochumer Gefangenen ist der Haarschnitt hinter Gittern übrigens kostenlos. Wer sich dem autodidaktischen Coiffeur nicht anvertrauen möchte, kann auch dort selbst Hand anlegen, oder einen Zellenkumpel bitten.

(dpa)