Fridays for Future: Klimastreik in Aachen/Düren/Jülich

Fridays for Future : Nicht nur Schülern steht das Wasser bis zum Hals

"Alle fürs Klima": Tausende demonstrieren in der Region

Tausende Menschen gingen am Freitag in der ganzen Region für mehr Klimaschutz auf die Straße. Künstler haben ihren großen Auftritt, während die Demonstranten mit friedlichen Mitteln auf sich aufmerksam machen. Ein Highlight gab es am Aachener Europaplatz unter dem Jubel Tausender zu sehen.

Um 12.09 Uhr wird es plötzlich ganz still am Aachener Europaplatz. Die Sprechchöre werden eingestellt. Die Musikboxen pausieren. Automotoren sind zu diesem Zeitpunkt an dem zentralen Verkehrsknotenpunkt in Aachen schon längst großflächig ausgebremst worden. Eine Schweigeminute steht auf dem Programm. Für all’ diejenigen, die an den Folgen des Klimawandels gestorben sind.

Einige Demonstranten senken andächtig den Kopf. Bis langsam und bedächtig rund 20 Männer und Frauen in schwarzen und grauen Anzügen gekleidet den zentralen Brunnen des Kreisverkehrs betreten – und unter dem Jubel Tausender Zuschauer durch das Wasser waten.

In Aachen gehen die „Artists for Future“ für den Klimaschutz im Brunnen des Europaplatzes baden Umweltschützer aus Geilenkirchen machen sich am globalen Streiktag sogar auf den Weg nach Aachen. Foto: Heike Lachmann

Es dürfte ohne Zweifel der größte Auftritt sein, den die „Artists for Future“ in der Region bislang im Rahmen der Klimabewegung inszeniert haben. Die Botschaft ist klar: „Das Wasser steht uns bis zum Hals.“ Buchstäblich. Die Künstler knien, hocken, liegen in dem eigentlich gerade mal kniehohen Wasser. Ihre Gesichtszüge zeigen Konzentration, Nachdenklichkeit und vor allem eins: Ratlosigkeit. „Seit 30 Jahren erleben wir, dass die Politiker immer wieder dasselbe von sich geben: ‚Es muss dringend etwas passieren.’ Doch es wird immer weiter diskutiert, bindende Maßnahmen wurden nicht getroffen.

Was uns fehlt, ist das Handeln“, kritisiert Todde Kemmerich. Der Aachener Aktionskünstler ist Mitinitiator der Gruppierung „Artists for Future Aachen“, einem Zusammenschluss von etwa 15 Kernmitgliedern und weiteren Unterstützern aus der Städteregion Aachen und der Deutschsprachigen Gemeinschaft in Belgien. Mit ihrer Kunstaktion am Europaplatz, dem Ort, an dem täglich Tausende Pendler über die Autobahn Aachen erreichen und wieder verlassen, wollen sie ein Zeichen setzen: Ein Zeichen dafür, dass die Klimakrise nicht lokal, sondern nur auf europäischer, auf globaler Ebene gelöst werden kann. Und dass sie endlich angepackt werden muss – über alle Generationen hinweg.

Rund 25 Schüler aus Geilenkirchen haben sich am Freitag auf den Weg nach Aachen zur großen Demo gemacht. Foto: ZVA/Michèle-Cathrin Zeidler

Die Klimabewegung „Fridays for Future“ ist erwachsen geworden. Das wird an diesem Freitag in Aachen deutlich. „Artists for Future“, „Scientists for Future“, „Parents for Future“, „Kitas for Future“: Sie alle haben zum globalen Klimastreik aufgerufen. Erstmals sind ausdrücklich auch Erwachsene dazu aufgerufen, sich dem Protest anzuschließen. Offensichtlich mit Erfolg.

Angemeldet hatte die Aachener Ortsgruppe für die Demonstration 3500 Menschen. Schön früh zeichnet sich ab, dass diese Zahl locker übertroffen wird. Bereits um 11 Uhr wird der Bereich rund um den Elisenbrunnen und den zentralen Busbahnhof für den Verkehr abgesperrt, weil so viele Menschen vor Ort sind. Zu dem Zeitpunkt ist bereits von 4500 Teilnehmern die Rede. Am frühen Nachmittag korrigieren die Veranstalter diese Zahl nochmal deutlich nach oben: 8000 Männer, Frauen, Jugendliche und Kinder sollen in Aachen unterwegs sein, während die Regierenden in Berlin um konkrete Maßnahmen ringen, mit denen sie das Pariser Klimaziel noch erreichen wollen. Auf eine konkrete Zahl will sich die Polizei Aachen zwar nicht festlegen. Doch es seien „deutlich mehr als angemeldet“ gewesen, heißt es aus der Pressestelle.

Die Idee, nicht bloß Schüler auf die Straße zu locken, ist aufgegangen. Diesmal sind noch mehr Arbeitnehmer unter den Demonstranten als sonst. Auch, wenn sie sich zu Beginn der Demo noch etwas zurückhaltend zeigen und sich eher am Rande der Rotunde am Elisenbrunnen aufhalten. Sie habe sich für diesen Tag extra frei genommen, erklärt zum Beispiel Marie-Luise Clever aus Aachen. Sie arbeitet beim Finanzamt, wollte sich die Teilnahme an der Kundgebung allerdings nicht entgehen lassen, sagt sie. „Ich finde das Thema ganz wichtig. Und es ist so schön, dass so viele Menschen mittlerweile mitmachen bei ‚Fridays for Future’.“ Es sei das erste Mal, dass sie zu einer Demo am Elisenbrunnen komme. „Ich habe die Entwicklung der Gruppe aber von Anfang an mit großem Interesse verfolgt. Es ist toll, dass die Schüler so etwas regelmäßig auf die Beine stellen.“

Jens Gottmann ist sogar noch einen Schritt weiter gegangen. Nachdem einer seiner Mitarbeiter für den globalen Streiktag einen Urlaubstag anmelden wollte, entschloss sich der Unternehmer kurzerhand selbst an der Klimademonstration teilzunehmen. Für das gesamte Team hieß das: Wer will, kann die Arbeit an diesem Freitag für ein paar Stunden liegenlassen. Statt sich mit 3D-Druckern zu beschäftigten, hält Gottmann also ein selbstgebasteltes Schild hoch. Die Aufschrift: „Firmen folgen Schülern & Greta“. Deutschlandweit haben mehr als 2000 Unternehmen der Umweltbewegung ihre Unterstützung zugesagt.

Auch in Jülich sind diesmal viele Erwachsene und einige Vertreter der „Scientists for Future“, unter anderem aus dem Forschungszentrum Jülich, unterwegs. Das Ziel des Organisationsteams von 200 Teilnehmern wird klar überschritten. Rund 470 Menschen sind nach Angaben der Veranstalter am Nachmittag in Jülich für mehr Klimaschutz auf der Straße.

Deutlich mehr Teilnehmer als bisher sind auch bei der Kundgebung in Düren zugegen. Die örtliche „Fridays for Future“-Gruppe spricht von 800 Menschen, die dem Aufruf gefolgt sind. Dazu gehören nicht nur zahlreiche Schüler, sondern auch andere Interessensgruppen.

Kleiner fällt die Demonstration hingegen in Geilenkirchen aus: Eine recht überschaubare Gruppe von knapp 50 Menschen zieht von der Polizei eskortiert in die Innenstadt. Einige wenige ältere Bürger schließen sich dem Demonstrationszug der Schüler an. Ein Teil der Gruppe will im Anschluss weiter nach Aachen fahren, um an der dortigen Demo teilzunehmen.

Der Spaß kommt nicht zu kurz

Dort haben die Demonstranten noch bis in den späten Nachmittag Gelegenheit, ein Zeichen für mehr Klimaschutz zu setzen. Im Kennedypark im Aachener Osten haben es sich Jung und Alt auf dem Rasen gemütlich gemacht. Das Organisationsteam hat ein breites Programm mit Musik- und Redebeiträgen auf die Beine gestellt. Der Kampf für Klimaschutz ist eben nicht nur nass, sondern darf auch Spaß machen.

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