Annes Welt: Freibad contra Badesee

Annes Welt : Freibad contra Badesee

Im Sommer 2018 beschloss ich endlich ein netter, liebenswerter Mensch zu werden. Der Grund: Bei der Hitze war mir klar geworden, dass ich es in der Hölle nicht aushalten würde. War das heiß.

Ständig musste ich mir sagen ‚Spring niemals in unbekannte Gewässer wie Eimer oder Planschbecken!‘ Auch hab‘ ich mich mal gefragt: Was passiert eigentlich mit Deiner 30-Grad-Wäsche, wenn Du die bei 40 Grad aufhängst? Und wie oft lag ich nachts wach – unterm Dach, bei 35 Grad, neben meinem Mann. Ich sage Ihnen: Das schweißt zusammen...

Der einzige Lichtblick: Am Wochenende zum Blausteinsee bei Eschweiler. Ich schwimme gerne. Am liebsten in natürlichen Gewässern – mit leichter Strömung: Wellen statt Dellen, Sie wissen schon… Und gerne auch mit Grünzeug um mich herum. Denn auch Algen sollen ja gut für die Haut sein. In unserem Weiher sind an warmen Tagen so viele davon, dass meine Freundin, eine radikale Vegetarierin, nur mit offenem Mund schwimmen müsste, um satt zu werden.

Und die jungen Rettungsschwimmer da sind eine Augenweide. Da kann der Bademeister im Freibad nicht mithalten: An seiner Figur lässt sich ablesen, wie lecker die Pommes am Kiosk sind, oder die Schaummäuse. Sein Vorteil liegt woanders: Dank seiner gewissenhaften Beobachtung kann sich hier jeder Badegast zu jeder Zeit sicher fühlen, während bei den Rettungsschwimmern am See die kognitiven Fähigkeiten beim Anblick eines schönen Dekolletés auch schon mal um 50 Prozent sinken – pro Brust, versteht sich.

Trotzdem, der Badesee ist mir einfach lieber als unser Freibad. Auch wenn dort die Wasseroberfläche nicht so hübsch in Regenbogen-farben schillert wie im Schwimmbecken – vermutlich durch das Sonnenöl der 100 Teenie-Mädchen, die täglich nach Schulschluss im Chlorwasser um die Wette kreischen. Da bekommt der Begriff „Chlorhühnchen“ doch eine ganz neue Bedeutung.

Ich benutze lieber Sonnencreme. Das tun viele vernünftige Menschen am Badesee. Manche allerdings übertreiben es und klatschen sich so viele Schichten auf die Haut, dass man gar nicht weiß, ob die darunter noch was anhaben.

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