Aachen: Fortbildung über den Umgang mit minderjährigen Flüchtlingen

Aachen: Fortbildung über den Umgang mit minderjährigen Flüchtlingen

Sie erleben Krieg, Gewalt, Hunger, Angst und werden von ihren Familien getrennt. Viele unbegleitete minderjährige Flüchtlinge berichten von solche schrecklichen Erlebnissen, wenn sie aufgegriffen werden. Es sind Erinnerungen, die die Mädchen und Jungen häufig traumatisiert zurücklassen.

Wie man ein solches Trauma erkennt und mit unvorhersehbaren Reaktionen umgeht, darum ging es bei einer Fortbildung in der Kinder- und Jugendpsychiatrie der Uniklinik Aachen, zu der Klinikleiterin Beate Herpertz-Dahlmann eingeladen hatte. Vertreter der dortigen Trauma- und Flüchtlingsambulanz und der Caritas-Familienberatung vermittelten grundlegendes Wissen zum Thema Trauma, um anschließend mit den Zuhörern zu diskutieren.

Im Publikum saßen rund 300 Schulsozialarbeiter, Vertreter von sozialen Hilfswerken, Kinderheimen, dem Gesundheitsamt und Polizeibeamte aus der ganzen Region, die täglich mit jugendlichen Flüchtlingen zu tun haben. Organisiert wurde die Infoveranstaltung vom Arbeitskreis „psychosoziale Versorgung“, der Teil des Aachener Flüchtlingsbündnisses ist. Dieser Arbeitskreis bildet ein enges Netzwerk unter anderem aus der Familienberatung des Jugendamts, der Caritas und der Bundespolizei.

Hand in Hand versuchen sie, die minderjährigen Flüchtlinge vom ersten Kontakt bis hin zur Unterbringung zu betreuen. „Wir arbeiten sehr eng zusammen“, berichtete Brigitte Drews, stellvertretende Jugendamtsleiterin der Stadt Aachen. Allerdings merke sie immer wieder, dass viele Kollegen und Betreuer nicht verstehen, warum sich die jugendlichen Flüchtlinge zum Teil seltsam verhalten und beispielsweise Wutausbrüche oder Panikattacken haben.

Dieses Verhalten konnten die Referenten erklären: Denn selbst wenn die Mädchen und Jungen in Deutschland in Sicherheit seien, die psychologische Bewältigung sei immer noch „Schwerstarbeit“, sagte Diplom-Psychologin Claudia Radermacher-Lamberty. Sie erzählte dezidiert von den Auslösern von Traumata sowie von deren psychischen und physischen Folgen.

Wichtig für den täglichen Umgang mit den jungen Trauma-Opfern seien die sogenannten Trigger. Das sind gewisse Auslöser wie Bilder, Geräusche oder sogar Gerüche, die die Flüchtlingskinder jederzeit in die traumatisierende Situation zurückversetzen können.

Michael Simons, Diplom-Psychologe in der Trauma- und Flüchtlingsambulanz der Kinder und Jugendpsychiatrie der Uniklinik Aachen, berichtete von seiner Arbeit mit den minderjährigen Flüchtlingen. Nicht nur sprachliche Hürden, sondern auch kulturelle Hindernisse müssten dabei überbrückt werden. Vor allem aber müssten die traumatisierten Jugendlichen lernen, „sich nicht von ihren Gedanken auffressen zu lassen“. Denn die Erinnerungen lasten schwer auf den Kinderseelen.

Klinikleiterin Beate Herpertz-Dahlmann wünscht sich, dass die Fortbildung das Netzwerk der verschiedenen Einrichtungen weiter stärkt und neue Akteure sich einbringen.